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Ding an sich.
Erfahrungsinhalte. Der entschiedene Idealismus (s. d.) die
eines „Ding an sich", hält es für eine bloße Fiktion oder für einen „Unbe-
griff", da alles, was wir denken, dadurch, daß es gedacht wird, schon vom
Denken, vom Bewußtsein abhängig sei (s. Sein).
Zwischen dem wahren Sein und der bloßen Erscheinung der Dinge unter-
scheiden schon die indische Philosophie, PARMENIDES, DEMOKRIT —
PLATON (s. Idee), CHRYSIPP, die Skeptiker
(s. d.), PLOTIN U. a. Die Scholastik unterscheidet „esse in und „esse in
wirkliches und Sein (s. Objekt). Der Erscheinung („appa-
wird später das „per se esse" gegenübergestellt (vgl. MICRAELIUS,
Lex. philos. Sp. 107). Nach DESCARTES lehren uns die Dinge nicht, wie die
Dinge an sich selbst („in se ipsis") sind (Princ. philos. II, 3) und auch MALE-
BRANCHE spricht von den „choses en (Recherche de la I,
Vorw.). Ähnlich lehren GEULINCX, BURTHOGGE (Essay
a. Nach LEIBNIZ sind die Körper Erscheinungen seelenartiger Monaden
(s. d.). Unbekannt sind die Dinge an sich nach LOCKE („things in themselves"),
HUME, MAUPERTUIS, CONDILLAC, BONNET („chose en soi" — „ce que la chose
parait „choses en — „par rapport a nous"),
TETENS, U. a. LAMBERT unterscheidet die Sache „wie sie an
sich ist" und die Sache, wir sie empfinden, vorstellen" (Neues Organon,
1764, 1, § 20).
Aber erst durch KANT kommt der Begriff „D. a. s." zur Geltung. Wir
erkennen nach K. nur „Erscheinungen" (s. d.), d. h. durch Kategorien (s. d.)
verknüpfte Erfahrungsinhalte, die zwar vom einzelnen
Wahrnehmen unabhängig sind, aber doch nicht vom „Bewußtsein
(s. d.), von den Formen der Anschauung und des Denkens. Die Objekte (s. d.)
in Raum und Zeit sind nur Phänomene, existieren als solche nur für ein er-
kennendes Bewußtsein, durch das Gegebensein und die Bestimmtheiten
des vom Denken verarbeiteten weisen die Erscheinungen
auf ein sie bedingendes „Ding an sich" hin, welches unerkennbar ist, weil die
Formen, in welchen wir wahrnehmen und denken, auf dasselbe nicht anwend-
bar sind; selbst „Existenz", „Wirken" usw. läßt sich nur insofern von ihm
aussagen, als sein Verhältnis zu uns schon in der uns gemäßen Denkweise
bestimmt wird. Aus dem Begriffe der Erscheinung folgt, „daß ihr etwas ent-
sprechen müsse, was an sich selbst nicht Erscheinung ist", ein „Korrelat" der
Erscheinung, ein „übersinnlicher Grund" derselben; denn Erscheinung kann
nicht ohne etwas sein, was da erscheint. Die Dinge an sich sind aber nicht
selbst ein Inhalt unseres Erkennens, sondern geben nur den Stoff zu empirischen
Anschauungen, d. h. sie „enthalten den Grund, das Vorstellungsvermögen,
seiner Sinnlichkeit gemäß, zu bestimmen". KANT, der früher lehrte, daß
die Sinne uns nur Erscheinungen geben, während der Verstand die Dinge
selbst (De sensibilis atque intelligibilis forma et 1770),
betont später die Unerkennbarkeit der Dinge an sich selbst auch durch den
Verstand, weil dieser stets auf sinnliche Anschauung bezogen bleibt. Es gibt
Dinge außer uns, „allein von dem, was sie sich selbst sein mögen, wissen
wir nichts, sondern kennen nur ihre Erscheinungen, d. i. die Vorstellungen,
die sie in uns wirken, indem sie unsere Sinne affizieren" (Prolegomena, § 13,
An merk. II). Die Dinge, die wir anschauen, sind „nicht das an sich selbst,
wofür wir sie anschauen". Wir kennen nur die Art und Weise, wir die
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften