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Dualismus.
Größe der gereizten Fläche; am größten ist die Druckempfindlichkeit an be-
weglichen Hautstellen (Fingerspitzen, Lippen u. a.). Die Reizschwelle (s. d.) des
Drucksinnes ist ca. Erg., die Unterschiedsschwelle (s. d.) (vgl.
WEBERsches Gesetz). Vgl. E. H. WEBER, Tastsinn und Gemeingefühl, in
Wagners d. Physiol. GOLDSCHEIDER, Archiv f.
ff; Gesammelte Abhandlungen I, 1898; Zeitschr. f. Biologie, Bd.
20—21; WUNDT, Grundr. d. S. 57 f.; Grdz. d. phys. Psychol. II5,
1903, S. 1 ff. — Vgl. Tastsinn, Mechanistisch.
Dualismus (Zweiheitslehre) ist, allgemein, die Annahme zweier, von-
einander verschiedener Prinzipien. 1. D.: Annahme einer Gott-
heit, der eine selbständige Gegengottheit entspricht; erstere ist das schaffende,
positive, gute Prinzip, letztere das negative, zerstörende, böse, finstere Prinzip,
welches gegen das erstere ankämpft, sich ihm aber schließlich doch unter-
ordnen muß PLUTARCH von Chäronaea, In
diesem Sinne wird der Ausdruck „Dualismus" schon von THOMAS HYDE
(Historia veterum Persarum, 1700, K. 9) gebraucht. 2. Ontologischer
(metaphysischer) D.: Annahme zweier Seinsprinzipien im All, zweier vonein-
ander qualitativ und numerisch verschiedener Arten des Seins, des Wirklichen.
Es gibt hiernach zwei von Grund aus verschiedene, selbständige Substanzen
(s. d.), Geist und Materie oder Körper (D. der Substanz) doch zwei Grund-
arten des Geschehens (D. des Geschehens). 3. Anthropologischer D.; An-
nahme zweier Substanzen oder Vorgangskomplexe als Bestandteile des Menschen,
dessen Seele (s. d.) vom Leibe numerisch verschieden ist, wobei der Leib quali-
tativ selbst als ein Komplex seelenartiger Elemente aufgefaßt werden kann
(spiritualistischer D.) oder aber von der Seele, welche immateriell sein soll,
auch qualitativ ganz verschieden gedacht wird. In der Regel lehrt der D. eine
Wechselwirkung (s. d.) zwischen Geist und Körper, Leib und Seele, aber er
kann auch die Form des psychophysischen „Parallelismus" (s. d.) annehmen.
Im ontologisch-anthropologischen Sinne spricht vom Dualismus zuerst CHR.
WOLFF (vgl. Psychol. rational. § 39). 4. Erkenntnis D.:
Annahme einer Verschiedenheit, Zweiheit von Subjekt und Objekt, Bewußtsein
und Sein, Ich und Nicht-Ich, mag auch schließlich nur eine Art der Wirk-
lichkeit angenommen werden. — Im Unterschiede vom
D., welcher verschiedene Schwierigkeiten bietet, da zur Annahme einer beson-
deren, mit dem Leibe nur äußerlich verbundenen „Seelensubstanz" keine Not-
wendigkeit besteht und da die Annahme einer Wechselwirkung zwischen ganz
verschiedenen Seinsarten Unbegreiflichkeiten einschließt und fruchtbaren metho-
dologischen Prinzipien der Wissenschaft zuwider ist Seele, Monismus, Paralle-
Wechselwirkung, Kausalität, — ist ein
menaler, D. zulässig, welcher der Verschiedenheit des
Standpunktes der äußern von dem der innern (unmittelbaren) Erfahrung und
Erkenntnisweise Rechnung trägt und den Organismus mindestens so untersucht,
als ob er wirklich aus zwei real verschiedenen Zustandsreihen bestände, wenn
diese auch letzten Endes nur zwei Daseins- oder Betrachtungsweisen derselben
Einheit sind (s. Psychisch, Identitätstheorie, Monismus).
Auch von einem D. ist die Rede, welcher Vernunft und Sinn-
lichkeit, Pflicht und Neigung, Freiheit und Notwendigkeit einander schroff
gegenüberstellt KANT U. a.).
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften