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156 Einfühlung Einheit.
ist, allgemein, die Einlegung, „Introjektion" (s. d.) unseres
eigenen Innenseins in die Dinge, im besondern aber, als ästhetische E., die
durch Prozesse der „Verschmelzung" (s. d.) vermittelte, aber als unmittelbar
sich gebende Belebung und Beseelung von in denen wir unsere
eigenen Kräfte, Impulse, Aktionen, unsere Gefühle, Stimmungen, Strebungen,
unsere Einheit und Harmonie so erleben, daß die Objekte selbst von allen
diesen Zuständen, welche sich nach der Art der Gegenstände modifizieren,
erfüllt zu sein scheinen. Die E. ist jedenfalls ein fundamentaler Faktor des
Ästhetischen, wenn auch nicht der einzige oder primäre.
Der Begriff der E. findet sich bei HERDER (Vom Erkennen u. Empfinden,
1778; Kalligone, 1800), JEAN PAUL, NOVALIS U. a., dann bei FR. TH. VISCHER
(Das Schöne u. die 1897, S. 69 ff.), ROB. VISCHER optische Form-
gefühl, 1873), LOTZE (auf Grund von Reproduktionen; Mikrokosm. II, 1856 ff.,
201 ff.), WUNDT (auf Grund einer Gefühlsverschmelzung; Völkerpsychol., ff.,
II, 50, 61), VOLKELT (Ästhetik, 1905, 1, 212 ff.), GROOS (S. u. a., be-
sonders bei LIPPS. Bei der E. legen wir unsere Tätigkeit,
Tendenzen, Strebungen in das Objekt hinein (wir streben mit der Säule empor,
u. die „Natureinfühlung" beseelt die Objekte, ferner wird auch unsere
Stimmung den Objekten geliehen („Stimmungseinfühlung"), kurz, wir erleben
uns und unsere Tätigkeit in einer uns befriedigenden Weise in den Objekten,
deren Leben wir auschauend-fühlend mitleben („sympathische" E.; Ästhetik I,
105 ff.; Kultur d. Gegenwart I 6, 355 ff.; Von der Form d. ästhetischen Apper-
zeption, 1902). Während LIPPS seine Ästhetik wesentlich auf die E. gründet,
betrachten K. LANGE, WITASEK Ästhetik, 1904, S. 122 f.), CH.
MEUMANN (Die Grenzen d. psychol. Ästhetik, 1905; in d. Ästhetik d.
Gegenwart, 1908, S. 47 ff.), DESSOIR (Beitr. zur Ästhetik III, 74), W. WOR-
RINGER (Abstraktion u. Einfühlung, 3. A. u. a. die Einfühlungsästhetik als
Vgl. P. STERN, Einfühlung u. Assoziation in der Ästhetik, 1898;
A. PRANTL, Die E., 1910; M. GEIGER, Über d. Wesen der Bericht über
den IV. Kongreß f. experim. 1911.
unitas; „E." zuerst bei LEIBNIZ, früher „Einigkeit") bedeutet
zunächst die numerische E., die durch einen Denk- oder Zählakt gesetzte „Eins",
aus deren Verbindung mit anderen Zahlenelementen Einheiten höherer Ordnung
entstehen (s. Zahl). Es gibt „natürliche" Einheiten, d. h. Einheitszusammen-
fassungen auf Grund des Gegebenen, und künstliche, kollektive Einheiten; auch
hei den natürlichen Einheiten ist, obgleich sie ein „Fundament" im Gegebenen
haben, die Setzung der Einheit mehr oder weniger relativ, von bestimmten Ge-
sichtspunkten und Zwecken abhängig. Eine „synthetische" E. ist jede
zu der wir ein Mannigfaltiges verknüpfen, zusammenfassen, und diese E. ist ob-
jektiv, wenn das Mannigfaltige selbst die Einheitsfunktion d. h. wenn
es eine oder Übereinstimmung aufweist, die zur
synthese allgemein und notwendig auffordert. Die Einheiten, die das Bewußt-
sein herstellt, sind bedingt durch den Einheitswillen,
durch das Streben nach einheitlichem Zusammenhange (der
Wahrnehmungen, Vorstellungen, Begriffe, Urteile, Erfahrungsinhalte, Handlungen
usw.). Der Einheitswille, dessen Inhalt zuhöchst ein überindividuell gültiges,
methodisch zu verwirklichendes Ziel und Ideal ist, ist die Quelle der Kategorien
(s. d.), welche Formen der objektiven Einheitssynthese und Mittel im Dienste
des sind; er ist aber auch die Quelle der logischen Einheit der
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften