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Einheit.
Begriffe und Urteile, der Forderung der Übereinstimmung des Denkens mit
sich selbst, ferner der ästhetischen Einheit (s. Harmonie) und endlich auch der
Einheit im Praktischen, Sittlichen, Rechtlichen, Sozialen. Einheit bedeutet
hier Vereinbarkeit verschiedener Inhalte miteinander, das Zusammengehen der-
selben in ein Ganzes, ferner das Zusammenwirken in einer Richtung (dyna-
mische E.), die Vereinigung von Mitteln in der Richtung eines Zweckes (teleo-
logische E.). Von der äußeren ist die innere, auf innerem Zusammenhange be-
ruhende E. zu letztere Art der E. kommt dem Organismus (s. d.)
zu, dessen zentralisierte Einheit im Gehirn zum Ausdruck gelangt. Eine innere
Einheit hat auch die Seele (s. d.), das Ich (s. d.); es ist dies eine Einheit, die sich
in der Mannigfaltigkeit ihrer Zustände und Tätigkeiten setzt und erhält, ein
einheitlicher der alle Bewußtseinsvorgänge zusammenschließt
und durchdringt. Diese Einheit (sowie das Bewußtsein der E.) hat in der Zen-
tralisation des Gehirns ihr physiologisches Gegenstück, nicht aber die „trans-
zendentale", logische Einheit, welche eine begriffliche Voraussetzung alles Er-
kennens und ein ideales Ziel derselben ist, also kein Sein oder Geschehen, dem
etwas im Gehirn direkt parallel gehen könnte (wie LIEBMANN, HÖNIGSWALD
u. a. betonen). Nach dem Muster der eigenen Ich-Einheit betrachtet das Sub-
jekt die Dinge (s. d.) als Einheiten. Die Vernunft strebt schließlich, alles Gegebene
zu einer höchsten, allumfassenden Einheit zu verknüpfen, ohne daß es möglich
ist, aus einer einfachen Einheit die Mannigfaltigkeit und Vielheit (s. d.) ab-
zuleiten (vgl. Monismus).
Das absolute, an sich Eine (kv und das relative Eine
unterscheidet ARISTOTELES, nach welchem die Einheit die Quelle
der Zahl ist. Die Scholastiker rechnen die E. als in se" zu den
allgemeinen Attributen der Dinge ens est verum, Von
dieser „unitas transcendentalis" wird die „u. numeralis" unterschieden; erstere
(oder die „u. formae", „u. „u. realis") ist wodurch jedes Ding
sein eigentümliches Sein hat (vgl. THOMAS, Sum. theol. I, 76, 3; I, 11, 1; DUNS
SCOTUS, In sententiar. II, dist. III, qu. 1, 7; D. GUNDISSALINUS, De unitate
et uno, hrsg. 1891, S. 3). Ähnüch lehrt LEIBNIZ: „Ce qui pas
un estre, pas non plus un (Philos. Werke, hrsg.
von Gerhardt II, 97); ohne wahre Einheiten gibt es keine Vielheit (s. Monade).
Die fundamentale Bedeutung der Einheit für die Erkenntnis (vgl. PLATON
unter „Idee") betont zuerst in kritischer Weise KANT. Alle Erkenntnis (s.
besteht in der Verknüpfung des Gegebenen zu objektiver Einheit durch die
Kategorien (s. d.) des Verstandes vermittelst der produktiven Einbildungskraft
d.). Alle Urteile sind „Funktionen der Einheit unter unseren Vorstellungen".
Denken heißt „Vorstellungen in einem Bewußtsein vereinigen". Die „Synthesis"
<s. d.) ist die Vereinigung von Vorstellungen und das Begreifen ihrer Mannig-
faltigkeit in einer Erkenntnis und der Verstand bringt diese Synthesis auf Be-
griffe. Alle Verbindung ist „Vorstellung der Einheit des
Mannigfaltigen". Die Vorstellung dieser Einheit entsteht also nicht aus der
Verbindung, sondern macht den Begriff der Verbindung erst möglich. Die
Urbedingung der Erkenntnis und deren Objekte ist die „transzendentale Ein-
heit" der „Apperzeption" (s. d.). Der oberste Grundsatz der Erkenntnis ist es,
das Mannigfaltige zur objektiven, allgemeingültigen Einheit dieser Apperzeption
zu verknüpfen. . . . ist das, in dessen Begriff das Mannigfaltige
gegebenen Anschauung vereinigt ist. Nun erfordert aber alle
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book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften