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Einheit.
einigung der Einheit des Bewußtseins in der Synthesis
Die transzendentale E. der Apperzeption ist die Quelle alles Apriorischen (s.
Sie macht aus allen möglichen Erscheinungen einen einheitlich-gesetzlichen Zu-
sammenhang, ohne den die identische Einheit des reinen Selbstbewußtseins, der
transzendentalen Apperzeption, des „Ich nicht möglich ist (Krit. d. rein.
S. 119 ff). Von dieser Einheit ist Kategorie „Einheit" zu unter-
scheiden (vgl. System, Idee). — Ähnlich lehren REINHOLD, KRUG, FRIES U.
auch SCHILLER: „Das Selbstbewußtsein ist da, und zugleich mit der unver-
änderlichen Einheit desselben ist das Gesetz der Einheit für alles, was
Menschen da ist, und für alles, was durch ihn werden soll, für sein Erkennen
und Handeln aufgestellt" (Über d. ästhet. Erziehung des Menschen, 19.
Im Sinne des Kritizismus bestimmt die objektive Einheit der Erkenntnis
COHEN (Kants Begründ. d. 1910, S. 58 f.), welcher erklärt: „Die Ein-
heit des Urteils ist die Erzeugung der Einheit des Gegenstandes in der Einheit
der Erkenntnis" (Logik, 1902, S. 54 ff.; vgl. S. 361); die wahre „Einheit" be-
steht Unendlichkleinen (1. c. S. 116). Ferner NATORP, nach welchem durch
das Grundgesetz des Bewußtseins „Einheit unbedingt" gefordert ist (Sozial-
1904, S. 34, 43 ff.; Philosophie, 1911), STAMMLER (S. Rechtsphilo-
sophie), CASSIRER (Das Erkenntnisproblem II, 1906/07, 543), KINKEL U.
Als Grundforderung des Denkens fassen die E. auch auf: LOTZE, RIEHL
Identität), A. MESSER, SIMMEL (Kant, S. 23 f., Hauptprobleme d.
1911), HÖFFDING (Der menschliche Gedanke, 1911; „Bedürfnis der
B.KERN (Das 1911: „Einheitsstreben" des Denkens), LIPPS,
welchem alle E. in der „Einheit zusammenfassenden Denkens" besteht
und die „Einheitsapperzeption" eine Tendenz des Geistes ist (Einheiten und
Relationen, 1902, S. 22 ff.), GREEN, F. J. SCHMIDT („Die funktionale Einheit
ist die konstituierende Bedingung aller Erfahrung überhaupt", Grundzüge
konstitut. Erfahrungsphilos., 1901, S. 133), E. v. HARTMANN, WUNDT, nach
welchem die Apperzeption und damit der Wille eine „Einheitsfunktion" ist,
JERUSALEM U. a.
Etwas Ursprüngliches, Unableitbares ist die Bewußtseinseinheit nach LIEB-
MANN, NATORP (Einleit. in d. Psychol., 2. A. 1912), REHMKE U. a.;
DILTHEY, (Principl. of Psychol. I, 278 ff.), BERGSON, nach welchem
das Ich über die Kategorien von Einheit und Vielheit erhaben ist, die beide
nicht der sondern dem Denken angehören (vgl. Evolution creatrice,
6. A. 1907, S. 280), BUSSE, nach dem die primäre E. des Bewußtseins
kein physiologisches Korrelat hat (Geist u. Körper, 1903, S. 226) u. a.
Die Einheit des Seienden betonen die (s. Sein), SPINOZA (S. Sub-
stanz) u. a. Metaphysisch leiten aus der Einheit die Dinge
(s. Gott). Ein „Prinzip", Ursprung der Dinge ist die E. nach den Py
goreern, (s. Idee), MODERATUS U. a. PLOTIN bezeichnet das gött-
liche Absolute, aus dem alles hervorgeht, als das „Eine" s. Gott). VgL
HASSE, Von Plotin zu Goethe, 2. A. 1912.
Daß Einheit und Vielheit zusammengehören und gleich ursprünglich sind,
betonen KÜLPE, H. MARCUS (Die Philos. des 1907, S. 2 ff.) u.
ferner W. JAMES, nach welchem (wie nach F. C. S. SCHILLER) die volle
heit ein Letztes, ein Ziel ist, indem immer mehr vereinheitlicht
(Der Pragmatismus, 1908, S. 86, 93 ff.). Vgl. SIGWART, Logik
258 ff.; HUSSERL, Philos. d. Arithmetik, 1894; Logische Untersuch.,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften