Page - 175 - in Handwörterbuch der Philosophie
Image of the Page - 175 -
Text of the Page - 175 -
Enthusiasmus — Entropie. 175
Wirklichkeit, als der durch die Wirksamkeit (kvegyeia) erreichte
zustand eines Dinges („perfectihabia", perfectio rei). So nennt ARISTOTELES
Seele (s. d.) die „erste Entelechie" des Organismus, als die lebendige, aktuelle,
gestaltende Funktionskraft desselben (vgl. Metaphys. IX 8, 1050 a De
anima II, 1; II, 2; II, 4, b 15 ff.). So auch die Scholastiker, welche
z. Teil (wie schon CICERO, disput. I, 10, 22) die E. mit
(fortgesetzter Tätigkeit) verwechseln, wie dies später auch MELANCHTHON
(Commentarius de anima, 1540; im Gegensatz zu V. AMERBACH, De anima,
LEIBNIZ nennt die Monaden (Nouv. Essais, IT, Monadolog. 18),
weil sie ihre Zustände strebend aus sich selbst entfalten und eine
Vollkommenheit in sich haben xb kvxeXeg). GOETHE bezeichnet jede
als „Entelechie", so auch WUNDT (S. Seele). DRIESCH nennt E. das
gedehnte, unräumliche, immaterielle, individuelle, Energien suspendierende, regu-
lierende, gestaltende Lebensprinzip; es ist ein Naturagens, die
konstante" der Organismen (Der Vitalismus, 1905, S. 242 ff.; Philos. d.
1909; Zwei Vorträge zur Naturphilos. 1910; s. Leben). VgL LIEBMANN, Ge-
danken u. Tatsachen, 1882 ff, I, 89 ANCILLON, Recherches critiques
philos. sur 1804 f.; TEICHMÜLLER,
Forschungen, 1859—73, III.
Enthusiasmus Begeisterung,
durch eine Idee, ein Ideal, durch das Gute Schöne. Vgl. G. BRUNO,.
eroici furori, 1585; Letters concern. enthusiasm,
Ein Brief über den E., Die Moralisten, deutsch von Frischeisen-Köhler,
KANT, Krit. der Urteilskraft, § 29; Metaphys. der Sitten, Einleit., XVII.
bedeutet bei ARISTOTELES einen rhetorischen
Wahrscheinlichkeitsschluß kg Analyt. prior. II
27, 70 a 10), sonst aber einen unvollständigen, abgekürzten Schluß, bei dem
eine Prämisse (s. d.), der Ober- oder der Untersatz, nicht ausgesprochen wird
(z. B. Du bist ein Mensch, also bist du sterblich). Als unvollständiger
(„Syllogismus kommt das E. vor bei QUINTILIAN
V, 10, 3), (Opera, S. 684; in Mignes Ausgabe, Bd. 64, 1050 B),
THOMAS, MELANCHTHON U. a. — Zu den Enthymemen rechnet man auch
Entgegensetzungsschlüsse (Oppositionsschlüsse). Vgl. UEBERWEG, System
1882. — Vgl.
Entität (entitas): Wesenheit, Wesen (s. d.).
Entropie (kvxgonla, Innenwendung) heißt jener Teil der Energie (s.
der nicht mehr in mechanische Energie, in Arbeit umsetzbar ist, also
wertete, ausgeglichene, zerstreute Energie. Es kann nach CARNOT Wärme
dann in Arbeit verwandelt werden, wenn sie von wärmeren zu kälteren Körpern
übergeht, und nach CLAUSIUS kann Wärme nicht von von einem kälteren
auf einen wärmeren Körper übergehen. Die Umsetzung der Energien
hat nun die Richtung, daß immer mehr Intensitätsdifferenzen
werden, immer mehr Arbeit in Wärme sich verwandelt, die nicht
wieder zur Arbeit werden kann, sondern sich immer mehr ausgleicht und zer-
streut, bis schließlich alle Energie entwertet ist, keine Arbeit mehr
wird, alles im unveränderlichen Gleichgewichte bleibt („Wärmetod",
der Entropie"). Der Satz von der beständigen Zunahme der E., der nicht
back to the
book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften