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178 Entwicklung.
LEIBNIZ nimmt, kraft des Prinzips der Stetigkeit (s. d.), eine Stufenord-
nung von Monaden (s. d.) an, in welcher nirgends ein Sprung besteht, sondern
alle möglichen Vollkommenheitsformen vertreten sind. L. ist überzeugt, es müsse
Mittelwesen zwischen Pflanze und Tier (die geben. In den
Monaden und in der Seele ist das Geschehen eine innere Entfaltung
von Zuständen 11, 22) und überall gibt es nur Umformungen
veloppements"), keine Neuentstehung und keine wahre Vernichtung (MonadoL
73; Principe de la nature, § 6; vgl. damit die „Präformationstheorie" von
SWAMMERDAMM, MALPIGHI U. a.). Eine Tendenz zur Höher-
entwicklung zeigen die Lebewesen nach CYRANO DE BERGERAC (vgl. LOEWEN-
Archiv f. Gesch. d. Philos., Bd. 16, 1903). Nach ROBINET gibt
(wie nach BUFFON) organische Keime mit einer Entwicklungskraft
eVolutive"). Alles ist eine stetige Entwicklung („tout deVeloppe-
eine stetige Stufenfolge führt von den niedersten bis zu den höchsten
Wesen. Alle Wesen sind Variationen eines Urtypus („prototype"); in
Natur besteht eine Progression, wonach zuerst die einfacheren, dann erst
komplizierteren Formen entstehen (De la 1766;
sur la gradation naturelle des des 1768). Als Aufstieg von
niederen zu immer höheren Formen faßt die E. in der Geschichte HERDER.
auf. Auch in der Natur steigert sich die Form der Organisation, „alles strebt
und rückt weiter" (Ideen zur Philos. d. Geschichte, 1784 f.). Nach GOETHE
liegt den Formen der Pflanzen und Tiere ein „Urbild" zugrunde, dessen Ab-
wandlungen, „Metamorphosen" sie sind. Durch und äußere
Einflüsse zusammen, ohne Zweckursachen, erfolgt die Umwandlung
II, XIX, XXX). Nach ERASMUS DARWIN sind wohl alle Tiere „aus
einem einzigen Filamente" entstanden, welches durch seine ihm vom Schöpfer
eingepflanzte (psychische) Tätigkeit sich vervollkommnet Veränderte Lebens-
bedingungen wirkten anpassend auf die Lebewesen und infolge der Überpro-
duktion an solchen findet ein Kampf um die Existenz statt (Zoonomia
of Nature). Nach KANT fordert das Prinzip der „Kontinuität der
Formen" den „kontinuierlichen Übergang von einer jeden Art zu jeder andern
durch stufenartiges Wachstum der Verschiedenheit" (Krit. d. reinen Vernunft).
Außerdem aber besteht die Vermutung einer „wirklichen Verwandtschaft"
Arten in der „Erzeugung von einer gemeinschaftlichen Urmutter" zu
Es können aus dem Mutterschoß der Erde anfänglich von
zweckmäßiger Form hervorgegangen sein, welche andere, zweckmäßigere, ihrem
Zeugungsplatze und ihrem Verhältnisse untereinander angemessenere Formen
erzeugten, bis die heutige Reihe der Arten zustande kam (Allgem.
u. Theorie des Himmels, 1755; Krit. d. Urteilskraft, § 80). In der
(s. d.) besteht ein kultureller und sozialer Fortschritt (vgl. P. MENZER,
Lehre von der Entwicklung in Natur u. Geschichte, 1911). Nach SCHELLING
besteht in der Natur ein Prinzip der „Steigerung", ein „Trieb und Drang nach
immer höherem Leben" (vgl. BERGSON). Die Stufenfolge der
Wesen hat sich durch „allmähliche Entwicklung einer und derselben
sation" herausgebildet (Von der Weltseele, Ähnlich lehren E. v. BER-
GER, L. OKEN, STEFFENS, TRESCHOW U. a. HEGEL versteht die E. in
losem Sinne, als dialektischen (s. d.), logischen Prozeß der Begriffsentfaltung,
als ein Heraustreten alles dessen, was „an sich" im „Absoluten" angelegt
bis zur Selbsterfassung des absoluten Geistes (s. d.) im Prozesse der
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften