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182 Entwicklungsmechanik — Enzyklopädie.
C. L. MORGAN, MARSHALL U. a.), Erkenntnistheorie (s. d.), Ethik (s. d.),
Soziologie (s. d.) angewendet. — den Darwinismus wird eingewandt,
er setze die zweckmäßige Variation schon voraus, die Selektion könne Zweck-
mäßigkeit nicht schaffen, dem „Zufall" zu viel Spielraum gewährt,
kleine Variationen hätten keinen Nützlichkeitswert, u. a.
Gegenüber dem mechanistischen Evolutionismus stellt H. BERGSON die
Lehre von der „schöpferischen" oder „schaffenden" E.
auf, welche mit der wahren „Dauer" (s. d.) zusammenhängt. Die E. selbst
bringt immer Neues, sie ist produktiv, Tendenz, innerlich-stetig. Von einem
originel", einem ursprünglichen vital", Lebensschwung),
einem Emporstreben, welches zu immer höheren, bewußteren Zuständen führt,
geht die E. aus, die nur durch Nachlassen der „Spannung", durch Schwächung,
Hemmung, Stauung, Umbiegung zur Divergenz der Arten führt, von denen
die einen stehen bleiben, während (im Menschen) andere die ursprüngüche
Richtung nach aufwärts beibehalten, ohne daß von außen ein Endziel gegeben
ist, rein aus innerem Streben der Kraftentfaltung, der aktiven, freien
betätigung 1910, deutsch 1912; vgl. Leben). — Eine
schöpferische Entwicklung im Geistesleben lehren auch WUNDT, MÜNSTER-
BERG, EUCKEN (S. Geist), SIMMEL, TÖNNIES, JERUSALEM, BRAUN, J. GOLD-
STEIN, BOUTROUX, DWELSHAUVERS, JOEL (Seele u. 1912) u. a.,
auch F. C. S. SCHILLER, JAMES (S. Wirklichkeit) u. a. — Vgl. B. KERN, Welt-
anschauung u. Welterkenntnis, 1911; Das Problem des Lebens, 1909; STUMPF,
Leib und Seele; Der 1903; KADO, 1909; COPE,
The Factors of Evolution, 1896; G. RICHARD,
1903; J. UNBEHAUN, Versuch einer philos. Selektionstheorie, 1896; M. ADLER,
Mach u. Marx (Archiv für Sozialwissensch. XXXIII, 1911; E. bloß für die
der Erkenntnisobjekte geltend); DETTO, Theorie der direkten Anpassung,
1904; H. STADLER, D. bis zu ihrem heutigen Stande,
1910; W. MACKENZIE, Alle fonti vita, 1912 ; M. BRUNNER, Darwinismus
u. 1912 (Neo-Lamarckistisch); RICKERT, Die Grenzen der natur-
wissensch. Begriffsbildung, S. 451 ff. (E. setzt ein Ziel voraus, in bezug auf
welches ein Werden erst eine einheitliche Reihe bildet; ähnlich Ord-
nungslehre, 1912, u. a.); HERTWIG, Elemente der Entwicklungslehre4,
1910; S. TIETZE, Das Wesen der Evolution, 1911; R. v. WETTSTEIN, Der
1903. — Vgl. Leben, Anpassung, Migrationstheorie, Ver-
erbung, Kampf, Selektion, Psychologie, Sittlichkeit, Soziologie,
Erkenntnis, Geist, Gegensatz (WUNDT), Zweck, Wille, (KANT-LAPLACE),
Psychisch, Evolutionismus, Genetisch, Werden, Ektropismus, Präformation, Tod
(LEIBNIZ), Wert, Ökonomie, Stetigkeit, Mensch.
nennt W. Roux die Lehre von der durch
mechanische Faktoren bedingten Formbildung der Organismen (Die Entwick-
lungsmechanik, 1905; Gesammelte über E., 1895).
s. Ökonomie, Wert.
Enzyklopädie encyclopaedia; vgl. ARISTOTELES,
Eth. I 3, 1096 a 3): der Kreis, Inbegriff des Wissens und der Wissen-
schaften („orbis doctrinarum", „compages scientiarum et
Er umfaßte im Mittelalter die „sieben freien Künste" arte liberales"):
Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik.
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften