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Erkenntnis.
die „Erfüllung der Bedeutungsintention" ist (Log. Untersuch., 505 ff.),
UPHUES, nach welchem E. auf „Erleuchtung", auf Teilnahme am göttlichen
Bewußtsein beruht (Grdz. d. Erkenntnistheorie, 1901; Erkenntniskrit.
1909; vgl. Psychol. des Erkennens, 1893) a. Vgl. B. CHRISTIANSEN,
kritik I, 1911.
Aus dem Zusammenwirken von Erfahrung und Denken leiten die E.
HERDER, GOETHE, SCHLEIERMACHER (Dialektik, S. ff.; s. Wissen),
BURG, nach welchem das Erkennen ein ideales „Gegenbild" des Realen
HERBART, BENEKE, nach welchem die innere Erfahrung uns absolute Erkennt-
nis gewährt (System d. Logik 1892, 288; gegen KANT). LOTZE, nach welchem.
die E. erst nach Abschluß der Denkarbeit mit den Dingen
(Logik, 1891, S. 552), TEICHMÜLLER, BAUMANN, HELMHOLTZ, nach
wir die gesetzliche Ordnung der Dinge symbolisch erkennen (Die Tatsachen
d. Wahrnehmung, 1879, S. 39), ZELLER, DILTHEY, KÜLPE, VOLKELT
u. Denken, 1886, S. 248), MEINONG, KREIBIG, nach welchem wir die äußere-
Realität indirekt durch die Phänomene, die innere Realität aber direkt
kennen (Die intellekt. Funktionen, 1909), STUMPF, HÖFLER U. a.; EWALD (Kants
kritischer Idealismus, 1908), L. W. STERN, der eine (s. d.)
Erkenntnistheorie aufstellt (Person und Sache, 1906, I), JODL, JERUSALEM
(Einleit. in d. Philos.4, 1909), SIEGEL, V. KRAFT (Erkenntnisbegriff u. Weltbe-
griff, 1911), J. SCHULTZ, HÖFFDING (Der menschL Gedanke, A. MESSER
in d. Erkenntnistheorie, 1909), E. DÜRR (Erkenntnistheorie, 1910),
STÖRRING (Einf. in d. Erk., 1909), P. SCHWARTZKOPFF Wesen d. Er-
kenntnis, 1909) u. a. Nach A. RIEHL ist E. das „mittelbare, durch bewußte
Denkakte hervorgebrachte, von Reflexionen begleitete Wissen". Erkennen
heißt, „das Geschehen auf das Sein, auf beharrliche Elemente und unveränder-
liche Begriffe des Geschehens, die wir Gesetze der Natur nennen, zurück-
führen". Zwischen den Erkenntnisformen und den Grundverhältnissen der
Wirklichkeit besteht eine Kongruenz. Wir erkennen nur die „Grenzen" der
Dinge, nicht deren An sich (Der philos. Kritizismus 1908, II 1, S. 5, 16, 24;
II 2, 40). wie schon SCHELLING (WW. I 6, 140; I 10, 237; ähnlich
auch SIGWART) erklärt auch RIEHL: „ES ist dieselbe Wirklichkeit, aus
der unsere Sinne stammen und die Dinge, die auf unsere Sinne wirken.
Die nämliche schaffende Macht, die schon in den einfachsten Dingen am
Werke ist, setzt ihr Werk in uns, durch uns fort. Sie ist die gemeinsame
Quelle von Natur und Verstand. Sie hat den Dingen ihre begriffliche Form
gegeben und uns das Vermögen, zu begreifen" (Zur in d. Philos. d.
S. f.; 3. A. 1908). R. betont auch den sozialen Faktor der
E. (so auch FEUERBACH, JERUSALEM, BALDWIN, DE ROBERTY, TARDE U. a.).
Nach dem „Konformismus" VON DER PFORDTENS muß das den Normen
gemäß Gedachte dem Wesen der Dinge entsprechen, konform sein (Konformis-
mus, 1910). Nach WUNDT ist E. ein Denken, „mit dem sich die Überzeugung
von der Wirklichkeit der Gedankeninhalte verbindet". Indem die Erkenntnis-
objekte die Probe bestehen, daß sie sich durch unser Denken in einen begreif-
lichen Zusammenhang bringen lassen, zeigt sich, daß unser Denken auf die
Erkenntnis des Wirklichen angelegt ist (ähnlich SIGWART, Kleine Schriften,
1889, 67). Die E. ist ein „Resultat der Bearbeitung unmittelbar gegebener
Tatsachen des Bewußtseins durch das Denken". Die Stufen dieser Bearbeitung
sind die Wahrnehmungs-, Verstandes- und Vernunfterkenntnis. Von den
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften