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Erkenntnislehre.
HAUER, STEINTHAL U. a.). aktivistisch lehrt auch
VAIHINGER, nach welchem der Zweck des Denkens und Erkennens die Ordnung,
Berechnung, Beherrschung des Gegebenen, die Förderung unserer Einwirkung auf
das Geschehen ist (Die Philos. des Als ob, 1911, S. 6 ff.). Daß durch die Sprache
(s. d.) unsere ganze E. verfälscht wird, betont besonders F. MAUTHNER. — Vgl.
LIEBMANN, Zur Analysis der Wirklichkeit8, 1900; E. v. HARTMANN, Grundr.
d. Erkenntnislehre, E. H. SCHMITT, Kritik d. Philos., 1908, S. DORNER,
Enzyklopädie d. Philos., 1910; M. APEL, Die Grundprobleme der Erkenntnis-
theorie, 1904; POINCARE, La science et 1902; 1906; La
valeure de la science, deutsch 1906; F. MAUTHNER, Sprachkritik, I, 1901 ff.;
Wörterbuch d. Philos., FRISCHEISEN-KÖHLER, Wissenschaft u. Wirklich-
keit, 1912, S. 49 f. (Erkenntnis ist Bestimmung eines der Erkenntnis vorgängig
Gegebenen, das nicht durch Erkenntnis gesetzt ist, sondern ihr die Richtung
gibt). — VgL Agnostizismus, Wissen, Nihilismus, Objekt, Sein, Objektivität,
Gültigkeit, Urteil, Wahrheit, Begriff, Erfahrung, Denken, Erscheinung, Relation,
Relativismus, Metaphysik, Fiktion, Idealismus, Realismus, Tatsache, Wirklich-
keit, Parallelismus (logischer), Identitätslehre, Voluntarismus,
theorie, A priori, Axiom, Kantianer, Immanenzphilosophie, Bewußtsein.
im Sinne ist die Lehre vom Erkennen und
der Erkenntnis d.). Sie umfaßt, außer der Logik (s. d.) im Sinne,
die Erkenntnisbiologie, Erkenntnispsycholpgie und Soziologie
des Erkennens, sowie die Erkenntnisgeschichte. Die Biologie des Er-
kennens untersucht die Abhängigkeit desselben von biologischen Faktoren wie
Selbsterhaltung, Kampf ums Dasein, Selektion, Anpassung, Vererbung usw.,
Faktoren, die beim Ursprung und der Entwicklung des Erkennens eine gewisse
Rolle spielen. Die Erkenntnispsychologie beschreibt und analysiert den Er-
kenntnisprozeß und dessen Gebilde, sie betrachtet das Erkennen genetisch, in
dessen Entwicklung, und sie zeigt die psychischen Faktoren auf, durch
Erkenntnis zustandekommt. Die Soziolpgie des Erkennens erforscht die Be-
dingtheit der Erkenntnis durch soziale Faktoren, durch die Wechselwirkung
der Individuen, durch die gemeinsame Denk- und Forschungsarbeit derselben,
durch den Gesamtgeist; auch befaßt sie sich mit den Einwirkungen der Er-
kenntnis auf das Gesamtleben, auf die Entwicklung der Gesellschaft.
Die Erkenntnistheorie im engeren Sinne, die zugleich Erkenntnis-
kritik ist, ist die Wissenschaft vom von den Quellen, Voraus-
setzungen, Bedingungen, Zielen der Erkenntnis, von der Möglichkeit, dem
Wesen, den Grenzen und dem Umfange, der Tragweite derselben. Sie ist, kurz,
die Lehre von den Prinzipien der Erkenntnis, die sie nach ihrem Gehalt
analysiert und nach dem Wert, nach der Leistung ihrer Faktoren beurteilt.
Sie ist eine kritisch-wertende Disziplin; sie untersucht den theoretischen
oder Erkenntniswert der Erkenntnismittel und Erkenntniselemente und wertet
sie nach ihrer Tauglichkeit zur Verwirklichung des reinen, unmittelbaren Er-
kenntniszweckes. Sie geht nicht beschreibend-genetisch vor, sondern „trans-
zendental" (s. d.), indem sie zeigt, auf welche theoretische Grundlagen, Grund-
legungen sich alle Erkenntnis stützen muß, um objektive Erkenntnis zu sein.
Sie geht in „analytisch-regressiver" Weise auf die „Gründe" (nicht psycho-
logische „Ursachen") der E. zurück und legitimiert („deduziert") die Grund-
begriffe und Grundsätze der Wissenschaft als unentbehrliche, theoretische
Erkenntnismittel, als notwendige, „konstituierende" oder als „regulative"
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften