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Erlebnis — 201
macht. Die naturwissenschaftliche E. besteht in der Unterordnung
Spezialfalles unter allgemeine Gesetzlichkeiten des Geschehens, die selbst
aus obersten Naturgesetzen erklärbar sind. Die psychologische E. einer Hand-
lung besteht in der Aufzeigung der Triebfedern, Motive, aus denen sie ent-
springt; diese Motive sind schließlich nicht weiter erklärbar, aber
verständlich, weil zum Wesen des Subjekts, der Psyche gehörend. Eine
lose E. alles Geschehens in allen seinen Einzelheiten ist nicht erreichbar, etwa»
„Irrationales" (s. d.) bleibt immer zurück. Alle E. geht über die bloße
schreibung (s. d.) hinaus, ist eine Leistung des begründenden Denkens. — Be-
griffserklärung ist soviel wie Definition (s. d,).
An Stelle der E. wollen die „Beschreibung" der Tatsachen und deren
regelmäßigen Verknüpfungen setzen COMTE, R. MAYER, KIRCHHOFF,
welchem es die Aufgabe der Mechanik ist, „die in der Natur vor sich gehenden
Bewegungen zu beschreiben, und zwar vollständig und auf die einfachste
zu beschreiben", d. h. anzugeben, welches die Erscheinungen sind, die statt-
finden (Vorles. über d. mathem. 1877, Vorrede), MACH, OSTWALD
u. a. Nach H. CORNELIUS ist jede empirische E. eine „vereinfachende
sammenfassende Beschreibung unserer Erfahrungen" (Einleit. in d. Philos.,
S. 30 ff.). Vgl. hingegen HELMHOLTZ (Vortr. u. Reden II4, 187), SIGWART
(Logik II2, 1904, 507), WUNDT (Grdz. d. phys. Psychol. 1903, 680
HUSSERL (Log. Untersuch., 1900—01, II, 20), LIPPS (Naturwiss. u. Weltansch.,.
1907, S. 103), J. SCHULTZ (Die Maschinentheorie des Lebens, 1909, 7 ff.)
u. a. DILTHEY bemerkt: „Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen
wir." VgL Psychologie.
Erlebnis ist das, was wir unmittelbar-anschaulich, d. h. als Bewußt-
seinsinhalt vorfinden, bevor wir uns damit denkend beschäftigen, sowie der
zelne Vorgang des Erlebens. Erlebnisse sind also die wechselnden Inhalte, die
einem Subjekt, einem Ich sich darstellen und welche — soweit es sich um
von außen veranlaßte Erlebnisse handelt — durch den Intellekt erst zu
objektiver Erfahrung (s. d.) und Erkenntnis (s. d.) verarbeitet werden. Die
mittelbare Wirklichkeit der Erlebnisse ist von der nur begrifflich bestimmbaren
Realität der Objekte (s. d.), welche die Erlebnisse bezogen werden, zu
unterscheiden. Unmittelbar als Zustände des Ich genommen, bilden die E.
Psychische. Die unmittelbare Wirklichkeit der Erlebnisse betonen MACH,.
WILLY, J. SCHULTZ, BERGSON, VAIHINGER, B. KERN U. a. Vgl.
KÜLPE, Grundr. d. Psychol., 1893, S. H. CORNELIUS, Einleit, in d.
1909, S. HUSSERL, Logische Untersuchungen, II, SWOBODA,
1907, S. 20 ff.; OSTWALD (S. Physisch); MÜNSTERBERG, Philosophie
Werte, Vgl. Aktualitätstheorie, Objekt, Wirklichkeit, Leben, Positivismus,.
Psychisch.
von den Leiden der endlichen, individuellen Existenz durch
Aufgehen in das der SCHOPENHAUER, MAIN-
LÄNDER (Die Philos. der E. v. HARTMANN (S. Unbewußt),.
DEUSSEN. nach welchem Gott das „Prinzip der ist (Elemente d..
Metaphysik4, 1907) u.
Ermüdung ist ein (physiologisch wohl auf zu starker Dissimilation,
nutzung organischer Substanz, Produktion von „Ermüdungstoffen" beruhender)
Zustand, in welchem die Arbeitsfähigkeit des Organismus oder bestimmter
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften