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Handwörterbuch der Philosophie
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Erscheinung. 203 philosophischen Sinne ist E., die vom Schein (s. d.) scharf zu unterscheiden ist, die Art und Weise, wie sich das Wirkliche, das „Ding an sich" (s. d.), einem «erkennenden Bewußtsein als Inhalt oder Gegenstand desselben, als in dessen Formen (s. d.) eingehend, als nach der Weise unseres Wahrnehmens und Denkens aufgefaßt darstellt. Erscheinungen können sein: 1. subjektiv-indivi- duelle, sinnliche E.; sie bedeuten die Art und Weise, wie sich das Wirkliche dem Einzelnen als solchen und in der bloßen Wahrnehmung darstellt; 2. objektive, überindividuell gültige E.; sie bedeuten die Art und Weise, wie das das in uns durch etwas außer uns ausgelöst wird, durch das Denken (s. Kategorien), insbesondere die methodische Geistesarbeit der Wissenschaft, zu einheitlichen Zusammenhängen fester, allgemeingültiger Relationen (s. d.) verarbeitet ist, in welchen wir auf symbolische Weise den Verhältnissen der Wirklichkeit selbst gerecht werden. In -den objektiven, von der Willkür und Sonderbeschaffenheit der Einzelsubjekte unabhängigen, den Inhalt eines theoretischen „Bewußtseins überhaupt" (s. d.) bildenden Er- scheinungen die Bestimmtheiten und Verhältnisse des „An sich" zum symbolischen Ausdruck. Die Körper (s. d.) als solche sind Erscheinungen eines in ihnen zum Ausdruck kommenden Eigen- oder Fürsichseins, einer „Inner- lichkeit", die irgendwie der unsrigen analog ist. Das (aktive, reine) Bewußtsein d.) selbst, die Urbedingung und Voraussetzung dafür, daß Erscheinungen möglich sind, ist nicht selbst bloße E. (s. Ich, Wahrnehmung, Während für den objektiven (s. d.) den Erscheinungen ein „An sich" entspricht, welches der kritische Idealismus KANTS U. a. freilich für unerkennbar erklärt, versteht der strenge unter E. einen geord- neten, gesetzlich verknüpften Zusammenhang von Bewußtseinsinhalten ohne Annahme eines „Ding an sich"; hiernach erkennen wir nicht bloß nur Er- scheinungen, sondern es gibt nur Erscheinungen, bzw. der Gegensatz zwischen E. und „Ding an sich" fällt weg. Die Unterscheidung von E. im Sinne des Sinnenfälligen gegen- über dem durch das Denken bestimmbaren wahren Sein findet sich schon in -der Philosophie, ferner bei DEMOKRIT (Sextus Empir. Adv. Math., VII, 140), den u. a. (s. Ding an sich, Sein). Ferner bei PLATON (S. Ideen), ARISTOTELES, CHRYSIPP (1. c. VIII, 11), PLOTIN (die Sinnenwelt als Erscheinung einer geistigen u. a. — Den Begriff der E. gebraucht stark JOH. SCOTUS ERIUGENA („iste sensibus vgl. Theophanie). Manche Scholastiker nennen das Sein der Gegenstände in« unserem Bewußtsein „esse Auch wird „apparentia" der Wahrheit und Gewißheit gegenübergestellt (vgl. GOCLEN, Lex. philos., S. Lex. philos., 1653, Sp. 142, bemerkt: sunt apparentia, quae non ovxcog et realiter sunt, sed ita videntur esse"). HOBBES ver- steht unter „phaenomena" Bewußtseinsinhalte, die sich auf Objekte beziehen. BURTHOGGE bezeichnet die Objekte der Erfahrung als „phaenomena" oder BERKELEY erblickt in den Körpern bloße (von Gott bewirkte) Inhalte unseres Bewußtseins („appearances in the or Principles, XXXIII f.). Den Begriff der objektiven, im Wirklichen „wohl begründeten" E. („phaenomenon bene fundatum") prägt LEIBNIZ. Durch die Sinne haben wir eine „verworrene" Erkenntnis der Dinge, aber auch die vermittelst des Denkens bestimmten „phaenomena realia", die Körper (s. d.), sind nur Er- scheinungen, nämlich der Monaden (s. d.), deren Zustände, Kräfte ihnen ent-
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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