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Handwörterbuch der Philosophie
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Gedächtnis. 227 Die ältere Psychologie fast das G. meist als eine Art Aufbewahrung Vorstellungen oder der Nachwirkungen von Erlebnissen in der Seele (bzw. auch im Gehirn) auf. So schon PLATON (Theaetet, 191 C; Philebus, B; vgl. Anamnese), ARISTOTELES (De anima III, 3; 1, 4; De memoria 1 f.), STRATON, auch die (vgl. Cicero, II, 10, 30) u. a. Nach PLOTIN ist (wie nach PLATON) die Erinnerung ein rein geistiger Akt (Enneaden IV, 6, 3). So auch nach AUGUSTINUS, welcher sinnliches und Ged. unter- scheidet und auch von den „Spuren" der Seelenregungen im Leibe spricht (Confession. VIII, 14; X, 17 f.; De quantitate 33; De trinitate XI, ff.; Epist. 6—7). Nach THOMAS hat das G. die Funktion der Aufbe- wahrung der Vorstellungsbilder („conservare species „thesaurus vel locus conservationis specierum", Sum. theol. I, 79, 6 f.). Von einer „Gedächtniszelle" („cellula memorialis") spricht schon ADELARD VON BATH. — Als Behaltungs- kraft betrachten das G. auch L. (De anima II, 50 ff.), DESCARTES (De S. 132), MALEBRANCHE U. a. (s. Ideen, materielle). Nach LOCKE ist das G. eine ähigkeit („retentiveness"), die Fähig- keit der Reproduktion (Essay concern. hum. understand. II, K. § 2). HUME, U. a. Mit Dispositionen (s. d.), Bewegungen im Gehirn bringen das G. in Verbindung R. HOOKE, HARTLEY, BONNET, HOLBACH, CONDILLAC (Trait. des sensations I, K. 2, § § 6, § 29), mit der Assoziation (s. d.) JAMES MILL U. a. Nach CHR. WOLFF ist G. „das Vermögen, Ge- danken, die wir vorhin gehabt haben, wieder zu erkennen, daß wir schon gehabt haben, wenn sie uns wieder vorkommen" Gedanken von Gott . . ., I, § 249; vgl. Psychol. empir. § Erinnerung = fähigkeit). Reproduktionsfähigkeit ist das G. auch nach KANT, welcher me- chanisches, ingeniöses, judiziöses G. unterscheidet (Anthropol. I, § 32). Daß es nicht ein G., sondern viele „Gedächtnisse" gibt, betont (wie schon GALL) HERBART; jede Vorstellung erhält sich als Streben, wieder bewußt zu werden (s. Reproduktion; vgl. VOLKMANN, Lehrb. d. Psychol. 1894/95, I4, 490; Er- innerung = „Reproduktion der Reihen von einem gemeinschaftlichen Endgliede aus", I, 457). Nach BENEKE ist G. die Kraft des psychischen Seins, des un- bewußten Fortexistierens einer Vorstellung (Lehrbuch d. Psychol., 1877, I, § 101 ff.). Nach B. ERDMANN, HERBERTZ U. a. ist das G. der Inbegriff der „Residuen" von Wahrnehmungen, der Dispositionen (s. d.) zur Repräsentation. Ähnlich auch LIPPS (Leitfad. der Psychol., 1909, S. 49 ff.). Nach OFFNER ist das G. „die Fähigkeit der Seele, vorzustellen", „früher gehabte Bewußtseinser- lebnisse Inhalte und Ich-Erlebnisse — unter bestimmten Bedingungen . . . in mehr oder weniger ähnlicher Weise wiederzuerleben" (Das Gedächtnis2, 1911, S. 5 f.). Es ist die Fähigkeit, „Dispositionen" zu Vorstellungen zu er- werben und wirksam werden zu lassen" (S. 7). Ein „Erinnern" haben wir erst, wenn das (ev. nur dunkle) Bewußtsein auftritt, daß wir die vorgestellten In- halte schon früher einmal gehabt haben (S. 8). Nach JAMES (Princ. of Psychol., 1890, I, 634 ff.; Psychol. 1909, S. 287 ff.), H. CORNELIUS (Einleit. in d. Philos. 1903, S. ff.; Psychol., 1897, S. 20 ff.) enthält das Gedächtnisbild einen „Hinweis auf ein Nichtgegenwärtiges" („symbolische Funktion"). Das G. be- steht in einer „Fortwirkung der vergangenen Inhalte". — Nach JODL ist es eine Tendenz des Fortbestehens der psychischen Erregung. „Primäres" G. ist das Verbleiben der Wahrnehmung mit abgeschwächter Intensität „in einer gewissen Nähe der Schwelle" (Lehrbuch d. Psychol.8, 1909, Nach JERUSALEM, 15*
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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