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Handwörterbuch der Philosophie
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230 Gefallen Gefühl. liegen. Alle Erkenntnis beruht auf selbsttätiger Verarbeitung des sinnlich Angeregten (System d. Logik, 1811; Psychische Anthropologie, 1820 f.). Gefallen und Mißfallen sind Ausdrücke dafür, daß uns etwas in der Vorstellung, Betrachtung „paßt" oder „nicht paßt'', d. h. unseren vorstellen- den Willen befriedigt oder nicht befriedigt. VgL FECHNER, Vor- schule d. Ästhetik WUNDT, Grundr. d. Psychol.5, 1902, S. 195 f.; H. Psychol. d. Willens, 1900, S. 92 ff. (G. und M. sind nicht Ge- fühle, sondern Willensregungen mit einem „Zentrierungsgesetz"). VgL Ästhetik. Gefühl wird in der neueren Psychologie scharf von der Empfindung (s. d.) und Vorstellung unterschieden und bedeutet die subjektive Seite des psychischen Erlebens, die unmittelbare Reaktion des Ich auf die Qualität, Intensität, den Ablauf und Zusammenhang der Empfindungen und Vor- stellungen, die unmittelbare, wertende Stellungnahme des Ich zu seinen Er- lebnissen. Die Gefühle sind spezifische, ursprüngliche, nicht ableitbare Zu- stände des Ich, nicht etwa Produkte von Empfindungen; anderseits kommen sie nicht isoliert, getrennt, selbständig vor, sondern bilden mit den Empfindungen und Vorstellungen sowie mit den Vorgängen ein untrennbares Ganzes, an dem nur bald diese, bald jene Seite stärker ausgebildet (bzw. zurückge- bildet) ist oder stärker hervortritt. Indem das Ich Eindrücke erfährt, erfolgen von seiner Seite psychische Reaktionen, zu welchen Empfindungsinhalte, Lust- und Unlustbetonungen (Gefühl) und Streben (bzw. Widerstreben) gehören. Gefühl und Streben gehören besonders innig jedes Streben setzt mit einem Gefühlsmoment ein, jedes Gefühl ist (ursprünglich oder dauernd) das Anfangsmoment eines Strebens (s. Wille). Die Gefühle haben verschiedene Richtung, Qualität und Intensität, sie verteilen sich, von einem relativen Indifferenzpunkte aus, innerhalb je zweier von Gegensätzen, die zuein- ander kontrastieren und einander verstärken (z. B. wird Lust nach Unlust stärker empfunden). Im zu den Empfindungen wirkt die auf sie direkt gerichtete Aufmerksamkeit schwächend, hemmend. Öfter erlebte starke Gefühle stumpfen sich meist ab, die Gewöhnung spielt hier betreffs der Gefühlsfähigkeit eine große Rolle, auch indem Unlust verringert. Das Ge- fühl ist biologisch bedeutsam, es zeigt — aber oft nur den unmittelbaren, par- tiellen Wirkungen nach — Nutzen und Schaden von Reizen, fördernde und hemmende Effekte solcher an und treibt selbst zu zweckmäßigen Reaktionen, bedarf aber beim Menschen der Regelung, Disziplinierung durch die Vernunft, den Vernunftwillen. Es gibt sinnliche und intellektuelle (bzw. ästhetische, logische, sittliche, soziale, religiöse) Gefühle, Form- und Inhaltsgefühle, je nach den Erlebnissen, welche sie begleiten. Reproduziert werden Gefühle nur mittelst ihrer Vorstellungsgrundlagen. Die Gefühle haben ihren Ausdruck (s. d.) in körperlichen Vorgängen (Muskelbewegungen, Schwankungen des Pulses, des der Blutfälle, der Drüsenabsonderung usw.; Lust z. B. bekundet sich in einer Verstärkung des Pulses und in der Vertiefung des Atemholens sowie in einer Erweiterung der Blutgefäße und dadurch bewirkten zunahme von Organen). Physiologisch entsprechen den Gefühlen, unmittelbar, Prozesse in den Nervenzentren als objektive Seite der Art und Weise, wie das Ich Reize als ihm und seinem momentanen Zustand angemessen oder un- angemessen erlebt.
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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