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Handwörterbuch der Philosophie
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freist. 235 Geist (vovg, mens, intellectus, spiritus) ist ein Ausdruck von verschiedener Bedeutung. G. heißt 1. der auf einer primitiven Stufe der Religion, aber auch vom Spiritismus angenommene, aus einer Art feinsten Stoffes bestehende Träger seelischer Zustände; 2. eine metaphysisch oft an- genommene immaterielle Substanz (s. Seele) oder auch die aktuale Seele, das Psychische (s. d.), das Bewußtsein; 3. ein besonderer Teil oder eine besondere Kraft oder Fähigkeit der Seele, die das denkende Prinzip, der Intellekt (s. d.) im engeren Sinne, oder die als Einheit gedachte höhere zweckvoll- aktive wie sie sich als Verstand, Vernunft, Vernunftwille gegenüber dem Sinnlichen, dem Gefühlsmäßigen, dem Gemüt (s. d.) bekundet; 4. eine besondere Beweglichkeit, Feinheit, Schärfe des Denkens („esprit"), oder die Denkweise. Den Gegensatz zum G. bildet je nachdem: die Materie, der Körper, die Natur, das Physische, Sinnliche, das Gemüt, die „Seele". — Bezüg- lich des Verhältnisses von Geist und Körper vgl. Identitätstheorie, Monismus, Dualismus, Seele. Geist und Natur verhalten sich so zu einander, daß das im weitesten Sinne schon in der Natur (s. d.) angelegt ist und sich aus diesen Anlagen zum Geist im höheren Sinne entfaltet und steigert, der nun eine eigene Geisteswelt aus sich gestaltet, die der Natur sich zum Teil überordnet und ihre eigene Gesetzlichkeit, ihre eigenen Zwecke, Werte, Normen hat (vgl. Kultur). Metaphysisch lassen sich Natur und Geist einem universalen •Geistesleben einordnen, dessen eine Richtung der als solcher bewußte, aktive, schöpferische Geist ist, während die Natur dessen andere Richtung oder Stufe bildet, wie sie anderseits die Außenseite des Geistigen im weiteren Sinne dar- stellt. Aus der kosmischen potentiellen Geistigkeit entwickelt sich der sub- (individuelle) Geist des Menschen. Aus der Gemeinschaft miteinander in stehender, eine Wirkenseinheit bildender individueller Menschengeister ergibt sich ein auf die Einzelnen mächtig einwirkender, ihnen übergeordneter Gesamtgeist d.), dessen Gebilde (Recht, Religion, Wissen- schaf t usw.) zusammen den objektiven (objektiv gewordenen) Geist darstellen, der den Einzelgeistern gegenüber eine gewisse Selbständigkeit aufweist. Die um- geistige Einheit, die schöpferische des Alls, ist der göttliche Weltgeist (s. Gott). So ist vom niedersten — dem triebmäßigen und „mechani- Geistigen — bis zum höchsten der Geist (das Geistige) ein Urprinzip des Wirklichen, aber nicht als ein besonderes Ding unter Dingen, sondern als unmittelbarstes „Eigensein", als „Innensein" derselben Wirklichkeit, die vom Standpunkte äußerer Erfahrung sich als Körperwelt darstellt, welche einerseits den objektiven Ausdruck, anderseits einen „Niederschlag" der Geistigkeit (im weitesten Sinne) bildet. Das ist in seiner Ganzheit vom Willen (s. d.) — als Trieb oder Vernunftwillen — geleitet, dessen typische Inhalte, Richtungsziele zu „Ideen" (s. d.) und „Idealen" (s. d.) in verschiedener Form und Bewußtheit herrscht im Geistesleben der Zweck d.), ebenso in historischen Selbstentfaltung und Steigerung (s. Geschichte). Als ein besonderes Seinsprinzip betrachtet den „Geist" (vovg) zuerst GORAS. Der G. ist hier aber kaum schon ganz urstofflich gedacht; er ist das Feinste, Reinste, Kraftvollste von allem, durchaus homogen ydg xe ndvxcov xal Er ist unbegrenzt, unvermischt mit dem Übrigen, selbständig für sich seiend kcp Aristo- teles, Phys. 5, 256 b 24 ff.). Er ist allwissend und allmächtig, der Grund Scheidung des Chaos in eine Mannigfaltigkeit geordneter Dinge (ndvxa
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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