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Geschichte. 245
im Sinne der kulturellen Menschheitsidee, der reinen vollen „Huma-
nität" (s. d.) und des sie realisierenden Vernunftwillens.
Daß es keine historischen „Gesetze" gibt, daß die
es mit dem Einmaligen, Individuellen, Singulären zu tun hat, betonen COURNOT,
NAVILLE, HARMS (Psychol., 1878, S. 51 ff.; die G. ist das Reich der Willens-
kräfte), RÜMELIN, DILTHEY (Einleit. in d. Geisteswissenschaften, 1883, I,
108 ff.), SIMMEL (Die Probleme d. Geschichtsphilos.2, 1905, S. f.), LIEB-
MANN (Gedanken u. Tatsachen 1889/1904, II, 458 ff.) u. a. Nach WINDEL-
BAND ist die G. eine „idiographische" Ereigniswissenschaft, die es nur mit dem
einmaligen, sich nicht wiederholenden Geschehen zu tun hat (Geschichte u.
Naturwissenschaft, 1894, S. 26 ff.; 1907, S. 355 ff.). Nach RICKERT
ist der Geschichte die „individualisierende" Begriffsbildung eigen. Die histo-
rischen Wissenschaften generalisieren nicht, haben nicht das Allgemeine, Gesetz-
liche zum Ziel, sondern das Einmalige der unmittelbaren Wirklichkeit in
Natur und Geistesleben, den einmaligen Zusammenhang von Vorgängen
(„historische Kausalität"). Allgemeine Begriffe sind hier nur Mittel der
klärung, während das Ziel der Geschichte die „Gruppenindividualität" ist.
Die „historischen Kulturwissenschaften" bedienen sich der „teleologischen"
Begriffsbildung, sie beziehen das Individuelle auf absolute „Kulturwerte"
(Religion, Kunst usw.; Prinzip der „Wertbeziehung"). Die „Entwicklung der
menschlichen Kultur" ist das Objekt der Geschichte im engeren Sinne, während
geschichtliche Methode im allgemeinen auch auf physische Objekte an-
wendbar ist (Die Grenzen der naturwissenschaftl. Begriffsbildung, 1896—1902,
S. ff.; Kulturwissenschaft u. 1910). Nach BERNHEIM
ist die G. „die Wissenschaft, welche die Tatsachen der Entwicklung der
Menschen in ihren (singulären wie typischen und kollektiven) Betätigungen
als soziale Wesen im kausalen Zusammenhange erforscht und darstellt" (Lehr-
buch d. histor. Methode4, S. 5. A. 1908; Geschichtsforschung u. Geschichts-
philos., 1880; Einleit. in die Geschichtswissenschaft, 1905). — Historische Ge-
setze gibt es nach BUCKLE, LAMPRECHT U. a. — Vgl. NIETZSCHE, Unzeitgemäße
Betrachtungen II: Vom Nutzen u. Nachteil der Historie für das Leben, 1874;
A. GROTENFELD, Die Wertschätzung in der G., 1903, S. ff.;
Wertmaßstäbe, 1905; MÜNSTERBERG, Philos. der Werte, 1908, S. 157 ff.; GOTTL,
Archiv f. Sozialwissenschaft, Die Grenzen d. G., 1904; ferner:
FRISCHEISEN-KÖHLER, Archiv f. Philos. TÖNNIES, Arch.
f. syst. Philos., VIII; GOLDSCHEID, Annalen d. Naturphilos., VII, 1908;
L. STEIN, Philos. Strömungen, 1908, S. 435 ff.; F. JODL, Die Kulturgeschicht-
schreibung, 1878; K. LAMPRECHT, Die kulturhistorische Methode, 1900;
Moderne Geschichtswissenschaft, 1905 (Kollektivistische, kulturhistorische
Methode); BREYSIG, Aufgaben u. Maßstäbe allgemeiner
1900; ED. MEYER, Zur Theorie u. Methode der G., 1902; ED. SPRANGER, Die
Grundlagen Geschichtswissenschaft, 1905; LORENZ, Die Geschichts-
wissenschaft, f.; LACOMBE, De 1894; XENOPOL, Principes
fondamentaux de 1908; CARLYLE, Heroes and Hero Worship,
1841; deutsch in der Univ.-BibL (Bedeutung der Persönlichkeit); BUCKLE,
History of Civilisation in England, deutsch 1881 (Bedeutung
des Naturmilieu); DILTHEY, Der Aufbau der geschichtlichen in
den Geisteswissenschaften, 1910; E. ROTHACKER, Über die Möglichkeit und
den Ertrag einer genetischen Geschichtschreibung im Sinne K. LAM-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften