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Glaube.
Verknüpfung (Treatise I, sct. 7; III, sct. 8; Enquiry, sct. V). — W. JAMES
sieht in der G. eine Eigenschaft alles Wirklichen, auf welcher die Naturgesetze
beruhen of Psychol., 1890, I, 104 ff.; Psychol., 1909, S. 130 ff; s. Ge-
setz). Nach H. BERGSON ist das körperliche Gedächtnis (s. d.) eine Auf-
speicherung von Gewohnheiten als motorischen Mechanismen („mecanismes
moteurs"). Gehirn ist ein Werkzeug, vermittelst dessen das Leben (s. d.)
dem Automatismus, der Gewohnheit, der Mechanisierung des Geistes entgegen-
wirkt und Freiheit in die Materie hineinträgt et memoire6, 1910;
deutsch 1908; 1910); vgl. Seele u. 1912.
Vgl. FOUILLEE, Der Evolutionismus der Kraftideen, 1909, S. 287 ff.;
Gemeinschaft u. 1887, S. 108 ff.; OFFNER, Die geistige Er-
müdung, 1910; MAINE DE Memoire sur Phabitude, 1803. — VgL Ge-
setz, Habitus, Mechanisierung, Übung, Entwicklung (Lamarck), Instinkt.
Glaube fides) heißt sowohl der Glaubensakt als auch der
Glaubensinhalt und bedeutet: 1. die Meinung (s. d.), 2. eine besondere Art des
Fürwahrhaltens, eine Form subjektiver Gewißheit, Überzeugtheit, ein Durch-
drungensein von der Wahrheit einer Annahme, von der Realität eines Objekts,
aus subjektiven Gründen, ohne die für das objektive „Wissen" nötige Er-
kenntnisgrundlage, oft aber mit derselben Überzeugungsstärke. Der G. enthält
der Vorstellung, an die er sich knüpft, Gefühlselemente (Zutrauen, Hin-
gebung, Erwartungsgefühl) und ein Willensmoment, nämlich den „Willen zum
als Willen, etwas gelten zu lassen, es für wahr oder wirklich zu
halten und allen Zweifel zurückzudrängen. Der religiöse G. insbesondere
hält eine feste, innige Zuversicht, mag sie nun dem Vertrauen zur Autorität
•der Kirche, der Tradition usw. entspringen, oder auf Grund persönlicher Er-
fahrungen, innerer Erlebnisse, seelischer Bedürfnisse, Tendenzen, Wünsche,
Forderungen Zustandekommen (s. Religion). Der G. ergänzt das Wissen
iach; vieles muß auch rein theoretisch geglaubt werden, der Wille zu
heitlichem Zusammenhange der Erkenntnisse zu Annahmen betreffs der
stenz und Beschaffenheit von Gegenständen drängt. Keinerlei Glaube darf
mit dem Wissen (s. d.) ernstlich in Widerspruch geraten; ein solcher
denn auch immer nur scheinbar bestehen, wofern nur der G. seine Kompetenz
nicht überschreitet und das Wissen auf das Erkennbare sich beschränkt.
Daß der G. das Wissen antizipiert, erklärt zuerst CLEMENS ALEXAN-
DRINUS Stromata IV, 4, 17), nach welchem der G.
steht als das Wissen, die Erkenntnis ovv 1. c.
4, 15). Das Wülensmoment im G. betont schon AUGUSTINUS („cum
cogitare"), ferner auch THOMAS („actus intellectus secundum quod movetur
ad assentiendum", Sum. theol. II. II, 4, 2 c), DUNS u.
Unterschieden wird allgemein der subjektive Glaube („fides, qua creditur") und
Glaubensgehalt („fides, quae creditur"). — Als Zustimmung aus
tiven Gründen bestimmen den G. LOCKE (Essay concern. hum.
K. 18, § 2, 7) u. a. So auch KANT, nach welchem der G.. ein subjektiv
zureichendes Fürwahrhalten ist (Krit. d. rein. Vern., S. 622 f.). G. ist
„moralische Denkungsart der Vernunft im Fürwahrhalten desjenigen, was
theoretische Erkenntnis unzugänglich ist" (Krit. d. Urteilskraft, § 91).
Glaubensgewißheit ist nicht logischer, sondern „moralischer" Art, aber
wie die des Wissens. glaube" heißt: „ich bin moralisch
Handwörterbuch. 17
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften