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Gott. 263
docta ignorantia vgl. Falckenberg, Grundzüge der Philos. des
N. 1880).
Den Theismus in verschiedener Schattierung vertreten von den neueren
Philosophen DESCARTES, MALEBRANCHE, nach welchem G. der „Ort der
Geister" ist und in welchem die Ideen (s. d.) aller Dinge enthalten sind (Re-
cherche de la II, 5-6), LEIBNIZ, nach dem G. die „Monade der Mo-
naden", der oberste Geist ist, der mit höchster Klarheit des Bewußtseins das
Universum erfaßt und von dem die einzelnen Monaden (s. d.) ausstrahlen
(Monadol. 38, 47; Schriften, hrsg. von Gerhard VI, 460 f., 613 LOCKE,
NEWTON, CLARKE, BERKELEY (Princ. of Knowledge, ff.), CHR.
WOLFF, nach welchem Gott ein von den Seelen und von der verschie-
denes, absolutes Wesen ist, „darinnen der Grund von der Wirklichkeit der
und der Seelen zu finden" Gedanken von Gott . . ., §
938, 945; Theologia naturalis, 1736-37), CRUSIUS U. a. (vgl. Deismus). Zu
den Theisten gehört auch KANT, obzwar er die theoretische Unerkennbarkeit
Gottes und seiner Existenz betont (vgl. Gottesbeweise). G. wird, nach einem
symbolischen Anthropomorphismus, als Wesen gedacht, das durch Verstand
und Wüte die Ursache der Natur ist, als unendlicher Geist und Wille. Für
den „moralischen Theismus" ist G. allwissend, allmächtig, heilig und gerecht.
Die Gottesidee, das „Ideal des höchsten Wesens" ist für die praktisch-sittliche
Vernunft unentbehrlich, theoretisch aber nur ein „regulatives Prinzip der Ver-
nunft, alle Verbindungen in der so anzusehen, als ob sie aus einer
notwendigen Ursache entspränge" (vgl. Krit. d. reinen Vern., S. 486;
Krit. d. Urteüskraft; Krit. d. prakt. Vernunft; Vorles. über d. philos. Reli-
gionslehre, hrsg. von Pölitz, 2. A. 1830, S. vgl. die Stellen bei VAI-
HINGER, Die Philos. des Ais ob, der selbst die Gottesidee als
sittlich wertvolle „Fiktion" betrachtet). — Als Theisten sind ferner zu nennen
FRIES, F. H. JACOBI (Von den göttlichen Dingen, 1811), BENEKE, HERBART,
DROBISCH U. a., F. BAADER, nach welchem Gott als Vater, Sohn und Geist
einen „Ternar" bildet und sich durch die Natur offenbart I, 195 ff.),
GÜNTHER, nach welchem G. die als seine „Kontraposition" geschaffen
hat (vgl. Antisavarese, hrsg. die Anhänger der Hegeischen „Rechten":
GABLER, HINRICHS, GÖSCHEL, DAUB U. a., ferner W. RO-
CHR. H. WEISSE, TEICHMÜLLER, THRANDORFF, die „spekulativen"
Theisten J. H. FICHTE Theologie, 1846 f., S. 77 ff.), ULRICI (Gott in der
Natur, 3. A. 1875), U. a., ferner SEYDEL, PFLEIDERER, THIELE,
H. SIGWART, DORNER, BAUMANN, BUSSE, WENTSCHER, ERHARDT,
KYM, EITLE, CLASS (Die Realität der Gottesidee, 1904), GLOGAU, KÜLPE, UPHUES,
JERUSALEM, SPICKER, DELFF, REINKE (Die als Tat, 1904), DENNERT
(Ist Gott tot? 1908), H. G. OPITZ (Auf dem Wege zu Gott, 1907), GUTBER-
LET (Lehrbuch d. Philos.4, 1909 f.), HEMAN, LEHMEN, V. HERTLING, SCHELL
(Gott u. Geist, 1895) u. a. (vgl. LOTZE, nach welchem
Gott persönlich ist, aber alle Dinge in sich einschließt (Mikrokosmus
1869 f., 5. A. 1896 ff., 545 ff.). Es erinnert dies an den „Panentheismus" (s. d.), wie
ihn besonders CHR. KRAUSE begründet, nach welchem Gott
oder „Wesen" die in sich „Alles ist und lebt in, mit und durch
Gott" (Vorles. über d. System d. Philos., 1828; Die absolute Religionsphilos.,
1834—43). Panentheistisch ist auch die Lehre FECHNERS, nach welchem Gott
der alle Geister einschließende „Allgeist" ist, dessen Leib die ist (Zend-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften