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264 Gott.
Avesta, 1851, 2. A. 1901, Ähnlich lehren PAULSEN, LASSWITZ,
B. WILLE U. a. Nach WUNDT ist Gott der „Weltgrund", der „Weltwille",
dessen Entfaltung die ist und an dem die Einzelwillen teilnehmen
(System d. Philos,8, 1907). Nach SIMMEL ist Gott „absolute" Persönlichkeit,
das Ideal, die Idee derselben (Philos. Kultur, 1911, S. 208 ff.). VgL
Seele und 1912, ferner die Schriften von EUCKEN U. a. (s. Religion).
Den Pantheismus begründen (naturalistisch) in neuerer Zeit besonders
GIORDANO BRUNO, der Gott mit der „Natur" (s. d.) identifiziert (Gott ist die
„natura die in allem wirkende Einheit, aus alles mit innerer
Notwendigkeit hervorgeht; De la causa, principio et uno; deutsch, in der
„Philos. 1902; Gesammelte Werke, 1890 ff.) und SPINOZA.
ist die eine, unendliche, unteilbare „Substanz" (s. d.), deren Modifikationen die
Dinge (s. d.) sind. G. ist absolut („causa sui", s. d.), mit unendlichen Attri-
buten (s. d.) ausgestattet, die alle sein unendliches Wesen ausdrücken. Er ist
notwendig und alles geht mit (logisch-mathematischer) Notwendigkeit zeitlos
aus ihm hervor. Alles Seiende ist in Gott („quicquid est, in Deo est") und
G. oder die Natur („Deus sive natura"), die „natura naturans" (s. d.) ist der
immanent, ist in ihr wirksam („Deus est causa
non vero transiens"). G. geht als Einheit den Einzeldingen, deren Inbegriff
die „natura naturata" bildet, logisch die Dinge sind nichts Selbständiges,
sondern Zustände („affectiones") der ohne die sie nichts wären
in Deo"). Der menschliche Geist ist ein Teil des unendlichen, gött-
lichen Intellekts. G. denkt Unendliches und in ihm sind Freiheit und Not-
wendigkeit eins (Eth. I). — Pantheisierend sind ferner die Anschauungen
J. BÖHMES, nach G. „Herz und Quellbrunn der Natur" ist (Aurora,
Werke, Auswahl von Classen, 1885 f.), R. ANGELUS
u. a., ferner DIDEROT, DESCHAMPS, HERDER (Gott; 1787), LESSING, GOETHE
(„Was ein Gott, der nur von außen stieße", „Ihm die Innern
zu bewegen, Natur in sich, sich in Natur zu hegen") u. a.
Einen idealistischen Pantheismus vertritt FICHTE, nach welchem G. die
aktive „moralische später das absolute Ich (s. d.), zuletzt un-
endliches überzeitliches ist, dessen Erscheinung die ist (WW. V,
182 ff.; Über den Grund uns. Glaubens an eine 1798; WW.
1845—46; Nachgelassene Schriften, 1843). Nach SCHELLING ist G. das „Ab-
solute", die „Identität" (s. d.) von Subjekt und Objekt, Natur und Geist. Das
Universum ist eine Erscheinung Gottes: „Gott ist das Universum, von der
Seite der Identität betrachtet" (WW. I 4, 128; Ideen zu einer Philos. d. Natur
I2, S. 71 ff.). Später schreibt SCHELLING Gott Persönlichkeit zu I 7,
395 ff.) und endlich spricht er (wie J. BÖHME) vom „Ungrund", von der „Natur"
in Gott, aus der die wird (WW. Nach SCHLEIERMACHER,
sind und Gott Korrelate; G. ist die „volle Einheit" der ewiges un-
persönliches Leben, nicht ohne die so wie die nicht ohne Gott ist.
(Dialektik, S. 162 ff., 432 ff.). HEGEL faßt G. als absoluten Geist auf,
lebendigen „Prozeß, sein Anderes, die zu Gott ist nur Gott, so-
fern er sich selbst weiß und sein Sichselbstwissen ist sein „Selbstbewußtsein im
Menschen". Die ist die Entfaltung des göttlichen Wesensgehaltes, der
Weltvernunft, die in ihr zur Erscheinung gelangt und durch sie hindurch sich
als göttliche Vernunft erfaßt (Enzyklop. § ff.; Vorles. über d. Philos. der
Religion, hrsg. 1901, 1905). Nach E. v. HARTMANN ist G. das
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften