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Helligkeit — Henotheismus. 275
Helligkeit s. Gesichtssinn.
s. Somnambulismus.
Hemmung ist Verhinderung, Erschwerung, Herabsetzung, Unterbrechung
einer Tätigkeit durch eine ihr entgegenwirkende Kraft. Die physiologische
Hemmung (ED. WEBER) besteht in der Beeinflussung organischer Funktionen
durch gewisse Nerven. Psychologisch gibt es Hemmungen des Ablaufes,
der Reproduktion (s. d.) von Vorstellungen, der Assoziation, des Gedanken-
verlaufes, durch Organempfindungen, ablenkende Eindrücke, Gefühle, Affekte,
von Affekten und Gefühlen durch die auf sie gerichtete Aufmerksamkeit,
von Trieben, u. a. Hemmend wirken nicht Vorstellungen als solche,
sondern gefühlsbetonte, ein Streben oder Widerstreben enthaltende Bewußtseins-
zustände. Hemmend, aus dem Bewußtsein verdrängend, verdunkelnd wirkt
Aufmerksamkeit (s. d.), die Apperzeption (s. d.) durch Konzentration bestimmter
Eindrücke mit gleichzeitiger Vernachlässigung anderer; hemmend tritt
aktive Wille den Trieben gegenüber, die auch einander hemmen können.
Die psychische H. kannte bereits ARISTOTELES, nach welchem die stärkere
Vorstellung die schwächere verdunkelt (De sensu 7, 437 a 12 ff.),
LEIBNIZ (Opera, ed. Erdmann, 740 b), CHR. WOLFE („sensatio fortior
debiliorem", Psychol. empir. § 76), KANT U. a. — Die Lehre von der gegen-
seitigen H. der als Kräfte aufgefaßten Vorstellungen hat HERBART aufgestellt,
der eine „Statik" und des Geistes mathematisch durchzuführen
sucht. Wenn entgegengesetzte Vorstellungen zusammentreffen, so hemmen
sie einander, d. h. jede setzt die Intensität, Bewußtheit der anderen
herab. Die gehemmte Vorstellung wird zu einem Streben, vorzustellen und
kann, wenn das Hindernis weicht, wieder bewußte, wirkliche Vorstellung
werden. Die „Hemmungssumme" ist das „Quantum des Vorstellens, welches
von den einander entgegenwirkenden Vorstellungen zusammengenommen muß
gehemmt werden". Das „Hemmungsverhältnis" ist das Verhältnis, nach
welchem die Hemmungssumme sich auf die einzelnen gehemmten Vorstellungen
verteilt. Jede Vorstellung erleidet die H, im umgekehrten Verhältnis ihrer
Stärke (Psychol. als Wissenschaft, 1824/25, I, § 36 ff.; Lehrbuch d. Psychol.8,
1850, S. ff.; vgl. VOLKMANN, Lehrbuch der Psychol. P, 1894 341 ff.;
WITTSTEIN, Neue Behandlung d. mathemat.-psychol. 1845). In der
neueren Psychologie spricht man von „assoziativer" (EBBINGHAUS, Grdz. d.
Psychol. oder „generativer" (MÜLLER und PILZECKER) H., von „Repro-
duktionshemmungen" (EBBINGHAUS) oder „effektueller" oder H. der „Dispo-
(OFFNER, Das 1911, S. 163 ff.) u. a. (vgl.
HEYMANS, Zeitschr. f. Psychol., Bd. 21, 26, 34, 41); AALL, Zeitschr. f. Psychol.
Bd. 47. WUNDT schreibt der Apperzeption und dem Willen hemmende Wir-
kungen zu (vgl. Grdz. d. phys. Psychol. 1903, 516 ff.; IIP, 579, 596,
f., Vgl. Hypnose.
Henaden sind nach PLATON (Philebus, 15 A)
die Ideen (s. d.), nach PROKLUS aus dem „Einen" emanierende geistige
Kräfte.
nennt M. MÜLLER die Verehrung einer
einzigen (Stammes-) Gottheit, ohne daß die Existenz anderer Götter schon ge-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften