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Handwörterbuch der Philosophie
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284 Ich-Form voraussetzt. Das „reine" Ich ist das (erkenntnistheoretisch, nicht metaphysisch) Überindividuelle im Individuum, „es" unterscheidet „sich" (psycho- logisch wie logisch) vom „Nicht-Ich", besteht geradezu in diesem einheitlich-stetigen Akte des Unterscheidens (Setzens und Gegensetzens) selbst. Das empirische, psychologische Ich ist schon ein Setzungs- und produkt des Bewußtseins. Das Ich-Bewußtsein tritt (zunächst rein gefühlsmäßig) als Korrelat des Objektsbewußtseins, gleichzeitig mit diesem auf, wird aber erst allmählich zum eigentlichen Selbstbewußtsein (s. d.) und zum Wissen vom Ich als solchen. Als Form des Bewußtseins überhaupt, als Ausdruck seiner beziehung auf sich selbst ist das Ich mehr als bloße „Erscheinung" (s. denn es ist die Voraussetzung, Urbedingung aller Erscheinung, das Erscheinung Produzierende. Doch wird das Ich niemals seiner Totalität nach erkannt, es übersteigt stets den jeweüigen Inhalt des Selbstbewußtseins, wird nie restlos zum Gegenstand der Erkenntnis, auch ist es empirisch nur in seiner Beschränkt- heit durch Anderes gegeben, also nur so, wie die Ichheit sich vom Endlich- keitsstandpunkt darstellt. Störungen, seelische Krankheiten („Spaltungen", „Doppel-Ich", s. d., u. a.) betreffen stets nur den psychologischen Ich-Zu- sammenhang, Ich-Inhalt, nicht die reine Ichform (vgl. Person). Das Ich ist, als erlebende, wollende Einheit, als Zentrum des Erlebens, als einheitlicher Funktions- und Dispositionszusammenhang, als aktives Bewußtsein etwas, was vom objektiven Vorstellungsinhalt scharf unterschieden ist; so kann denn auch das Ich niemals als solches Vorstellungsinhalt eines Er- kennenden werden, sondern ist ebenso real und selbständig wie das Ich dieses Erkennenden, der das fremde Ich nicht direkt wahrnimmt, sondern es auf Grund der Wahrnehmung eines menschlichen Organismus setzt und als sich selbst analog deutet, wobei eben das fremde Ich, das fremde aktive Bewußtsein als etwas dem eigenen Ich an Existenzweise Ebenbürtiges, Gleichwertiges gesetzt und anerkannt wird, seinem Sinne nach so gesetzt werden muß, mag es auch mit diesem zusammen zum Inhalt des theoretischen, abstrakten „Bewußtsein überhaupt" (s. d.) (vgl. Trans- zendent). Vielfach wird das Ich als immaterieller Träger des Seelischen, als das denkende und wollende Wesen bestimmt (vgl. Seele, Subjekt). So besonders von DESCARTES (S. Cogito, ergo sum), nach welchem das Ich ein „denkendes Wesen" (res cogitans), rein geistig ist (s. Seele); zum Ich gehört nicht der Leib, sondern nur das Bewußtsein („videmus . . ., ad naturam nostram per- tinere . . cogitationem Princ. philos. I, 7). Die Existenz des Ich das Gewisseste, was es gibt (Meditat. Ein geistiges Wesen ist das Ich auch nach LOCKE (Essay concern. hum. understand. II, K. 25—27), welcher aber auch die Stetigkeit und Identität des Bewußtseins als das Ich konsti- tuierend ansieht (1. c. § 25, § 16 f., 25), LEIBNIZ (NOUV. Essais II, K. 27, § 19), BERKELEY (Principles, CHR. WOLFF, BONNET U. ferner FROY, TEICHMÜLLER, LOTZE, GUTBERLET, Der Kampf um die Seele, 1898, S. 105), H. J. GEYSER, L. W. STERN (Person u. Sache, 1906, I, 205 f.) u. a. Vgl. FLÜGEL, Das u. die Ideen5, 1912. Ein „Modus" (s. d.) der einen „Substanz" (s. d.) ist das Ich nach SPINOZA (vgl. Selbstbewußtsein), also nicht selbst eine Substanz. Nach HUME ist das Ich ebenfalls nichts Substantielles; es ist nur ein „Bündel" or collection") verschiedener Perzeptionen, die einander mit unbegreiflicher Schnellig-
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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