Page - 285 - in Handwörterbuch der Philosophie
Image of the Page - 285 -
Text of the Page - 285 -
285
folgen und beständig in Fluß und Bewegung sind (Treatise IV, sct. 6).
Später betrachtet J. ST. MILL das Ich als permanente Möglichkeit („permanent
possibility") von Empfindungen. Komplex von Empfindungen, Gefühlen,
Erinnerungen u. dgl. betrachten das Ich auch VERWORN, ZIEHEN (Psycho-
physiol. Erkenntnistheorie, 1898, S. 35 ff.), OSTWALD, CLIFFORD, PETZOLDT,
WILLY, R. (Das Ganze der Philos., 1894, S. 72 ff.; Über den Mechanismus
des geistigen Lebens, 1906, S. 76 ff.), F. MAUTHNER (I. = „Kontinuität des Ge-
dächtnisses", Sprachkritik I, 600 ff.), RIBOT (Maladies de la
1885, S. EBBINGHAUS (Grdz. der Psychol., 1905, S. 11 ff.) u. a. Nach
E. MACH besteht das Ich aus „Elementen" (s. d.); es ist nur „eine stärker
Gruppe von Elementen, welche mit anderen Gruppen dieser
Art zusammenhängen". Es ist nicht scharf abgegrenzt; im weite-
sten Sinne umfaßt es die Das Ich ist nur eine „denkökonomische Ein-
heit" von bloß praktischer Bedeutung, nichts Reales, Fürsichseiendes, Bleiben-
des (Beiträge zur Analyse der 1903, S. 3, Erkenntnis u. Irr-
tum, 1906, S. 9 f., 13, 63 f., 454). Nach NIETZSCHE (WW. XV) ist das selb-
ständige Ich nur eine „Fiktion"; ebenso nach VAIHINGER (Die Phüos. des Als
ob, 1911, S. ff.) u. a.
Mit dem psychophysischen Individuum, dem beseelten Leib identifizieren
das Ich FEUERBACH, L. KNAPP, R. AVENARIUS (Der menschliche Weltbegriff,
1891, S. 82 ff.; vgl. Prinzipialkoordination) u.
Von der Seele unterscheidet das Ich HERBART. Im Begriff des reinen,
sich selbst zum Objekt machenden Ich Hegt ein Widerspruch, ein Rückgang
zu „unendlichen Reihen". Das Ich ist nur ein „Mittelpunkt wechselnder Vor-
stellungen", eine „Komplexion", es liegt in den jeweilig „apperzipierenden"
Vorstellungsmassen („Psychol. als Wissenschaft I, § 27; II, § 132; Lehrbuch
zur Psychol.8, S. 140 ff.). — Als Wille, Einheit des wollenden Bewußt-
seins bestimmen das Ich in verschiedener Weise MAINE DE (Oeuvres
III, 13 ff.), SCHOPENHAUER, nach welchem das „theoretische" Ich, der
„Einheitspunkt des Bewußtseins" eine Erkenntnisfunktion des „wollenden" Ich
ist als Wille u. Vorstellung, Bd. II, K. 19 f.), FORTLAGE („System von
Trieben"), BAHNSEN, u. a., ferner HÖFFDING (Psychol.2, 1901, S. 123; vgl-
S. 182 ff ; Der menschL Gedanke, 1911), LACHELIER („Lebenswille"),
PAULSEN, TÖNNIES, LOSSKIJ, H. MAIER („Ichwille", Psychol. des emotionalen
Denkens, 1908), JERUSALEM, MÜNSTERBERG („stellungnehmendes" Selbst) u.
(vgl. Voluntarismus). Nach WUNDT ist das Ich Wille, „relativer Individual-
vorstellender (System d. Philos. II8, 1907). Psychologisch ist
das Ich in einem einheitlich-stetigen Bewußtseinszusammenhange gegeben.
„Indem . . . die Willensvorgänge als in sich zusammenhängende und bei aller
Verschiedenheit ihrer Inhalte gleichartige Vorgänge aufgefaßt werden, entsteht
ein unmittelbares Gefühl dieses Zusammenhanges, das zunächst an das alles
Wollen begleitende Gefühl der Tätigkeit geknüpft ist, dann aber . . . über die
Gesamtheit der Bewußtseinsinhalte sich ausdehnt. Dieses Gefühl des Zu-
sammenhanges aller individuellen psychischen Erlebnisse bezeichnen wir als das
(Grundr. d. Psychol.5, 1902, S. 264; vgl. Grdz. d. phys. Psychol. III6,
1903, S. 374 ff.). — Ein „primäres" und ein „sekundäres" Ich, welch letzteres
ein Entwicklungsprodukt ist, unterscheiden MEYNERT (Gehirn u. Gesittung,
S. 32 ff.), JODL, JERUSALEM U. a.
das Ich nicht als „Ding an sich", sondern, durch den Sinn",
back to the
book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften