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Identität.
oder in verschiedene Begriffe gefaßt werden kann, in der Einheit des Gegen-
bzw. des Individuums. Objektive Identität ist das
bleiben eines Gegenstandes des Denkens im Wechsel seiner Veränderungen
und Beziehungen; sie ist ein Ausdruck dafür, daß wir im Denken etwas als
konstante Einheit festhalten wollen und müssen. Das Musterbild aller realen
„Identität", die wir den Dingen beilegen, ist die Identität des Ich (s. d.), des
reinen, formalen Selbstbewußtseins, der im Wechsel der Erlebnisse sich gleich-
bleibenden „Ichheit" als Einheitspunkt im Denken, Wollen und Handeln und
als Voraussetzung der Erkenntnis (s. Apperzeption). Psychologisch beruht die
Identität des Ich auf der Stetigkeit, dem stetigen Zusammenhange der psychi-
schen Vorgänge, sowie auf der Konstanz des durch alle Erlebnisse hindurch-
gehenden „Grundwillens". Indem wir die Dinge als „Substanzen" (s. d.) auf-
fassen, legen wir etwas der Ich-Identität Analoges in sie hinein.
sind „identisch", wenn sie denselben Inhalt und Umfang haben; im weiteren
Sinne heißen identisch auch die äquipollenten (s. d.) Begriffe.
Nach ARISTOTELES ist die I. Einheit des Seins einer Vielheit von Gegen-
ständen; er unterscheidet generische und numerische (xax
Identität (Metaphys. V 9, 1018 a 7, X, 3; 8). Nach THOMAS VON AQUINO ist
das unterscheidbare identisch (vgl. STÖCKL, Lehrb. der Philos. II8, 1912).
Nach LOCKE besteht I. dann, wenn die als dieselben erklärten Vorstellungen
sich nicht von dem unterscheiden, was sie in dem Augenblick waren, wo man
ihr früheres Sein betrachtet und womit man ihr gegenwärtiges vergleicht
concern. hum. unterstand. IV, K. 27, § 1 ff.; vgl. dazu LEIBNIZ, NOUV.
Essais II, K. 27; HUME, Treatise sct. 2; sct. 6; I, sct. 6).
Die Identität des reines Selbstbewußtseins KANT als Bedingung
der Erkenntnis (s. Apperzeption). Er betont ferner, die „Identität des Bewußt-
seins meiner selbst in verschiedenen Zeiten" sei nur eine „formale Bedingung
meiner Gedanken und ihres Zusammenhanges" und beweise noch nicht die
numerische Identität des Subjekts als Substanz (Krit. d. rein. Vernunft,
S. 308). Nach COHEN ist die „Selbigkeit des Seins ein Reflex der Identität
des Denkens" (Logik, 1902, S. Nach RIEHL ist die J. des Selbstbewußtseins
•die „Quelle aller apriorischen Begriffe". Nichts kann erfahren werden, was
nicht zu einem und demselben Bewußtsein vereinigt gedacht werden kann (Der
philos. Kritizismus, f., II 1, 78, 234 f.; vgl. F. J. SCHMIDT, Grundz. d. kon-
stitutiven Erfahrungsphilos., 1900, S. ff.). Nach HÖFFDING ist (wie
KROMAN) das Bedürfnis nach Identität eine Voraussetzung der Erkenntnis
(Der menschliche Gedanke, 1911, S. 69, 270 ff.). Nach F. C. S. SCHILLER ist
Identität ein Postulat, nichts Gegebenes (Humanismus, 1911; Formal Logic,
1912). — Vgl. HEGEL, Enzyklop. § 115; Psychol., 1817, S. 296;
B. ERDMANN, Logik, 1892, I, ff.; STÖHR, Leitfaden der Logik, 1905, S. 15;
MEINONG, II, 1882, 137 ff.; H. CORNELIUS, Einleit. in d. Philos.,
1903, S. 247; BALDWIN, Das Denken und die Dinge, 1908, I, 187 ff.; JAMES,
Psychologie, 1909, S. 200 ff.; AVENARIUS, Krit. d. reinen Erfahrung, II,
SCHUPPE, Grundr. der Erkenntnistheorie u. Logik, 1894, S. 39, 45, 122;
PALAGYI, Die Logik auf dem Scheidewege, 1903, S. 167, 217; E. MEYERSON,
Identite et 1908; MÜNSTERBERG, Philos. der Werte, 1908; PAULHAN,
Logique de la contradiction, 1911; v. BUBNOFF, Zeitlichkeit u. Zeitlosigkeit,
1911 (I. als konstitutive Kategorie ist die „beharrende im zeitlichen
rein logisch ist sie eine „Grundbestimmung aller zeitlosen Gebilde");
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften