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Handwörterbuch der Philosophie
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Identitätstheorie. 301 Die Identitätsphilosophie im engeren Sinne begründet SPINOZA. Nach ihm sind Ausdehnung und „Denken" (im weitesten Sinne) zwei „Attribute" d.) der allen Dingen zugrundehegenden einen, einheitlichen, göttlichen Sub- stanz, deren endliche Besonderungen die Dinge bilden, und zwar sind die Körper und ihre Zustände Modi der unendlichen Ausdehnung, die Seelen und ihre Zustände Modi des unendlichen Denkens. Seele und Leib, Geist und Körper sind also nicht (wie nach DESCARTES) zwei Substanzen, sondern nur zwei weisen eines und desselben Wesens, wobei jedem Modus des Denkens (Bewußtseins) ein Modus der Ausdehnung entspricht, da beide ein und dasselbe ausdrücken („substantia cogitans et substantia extensa una eademque est sub- stantia, quae sub hoc, attributo comprehenditur. Sic modus extensionis et idea illius eademque est res: sed duobus Eth. II, prop. VII, vgl. Parallelismus, Panpsychismus). Nach GOETHE, der von SPINOZA ist, existiert und wirkt „die Materie ohne Geist, der Geist nie ohne Materie". Beide sind die „notwendigen Doppelingredienzien des Universums" (vgl. HEYNACHER, G.S Philosophie, 1905). Nach KANT wäre es denkbar, daß „ebendasselbe, was, als äußere Erscheinung, ist, innerlich (an sich selbst) ein Subjekt sei, was nicht zusammen- gesetzt, sondern einfach ist und denkt" (Krit. d. rein. Vern., S. 305 f.). Nach FRIES sind Geist und Körper „zweierlei Ansichten derselben (Neue Kritik, 1828 f., II, 113; vgl. Anthropol., § 2). Nach FICHTE sind Wille und Leib zwei Er- scheinungsweisen des Ich (System d. Sittenlehre, 1798, S. XVII). Die philosophie" als System begründet SCHELLING, der das Fichtesche „Ich" zum Begriff des „Absoluten" fortbildet. Er hegt die Überzeugung, daß „was in uns erkennt, dasselbe ist mit dem, was erkannt wird". Subjekt und Objekt, Geist und Natur, Ideales und Reales sind die beiden „Pole", in welche das Absolute, die absolute „Identität", die „Indifferenz" auseinandertritt, wobei im Verlaufe der „Steigerung" des Seins der eine Pol, das Geistige immermehr in den Dingen dominiert. Die Natur ist der „sichtbare Geist", der Geist die „unsichtbare Natur", das ist über alle Gegensätze erhaben, ist das „gleiche Wesen" des Subjektiven und Objektiven. Gott und sind „ver- schiedene Ansichten eines desselben". Alles, sofern es wahrhaft ist, ist die absolute Identität; das Einzelne als solches ist nicht wahrhaft. Die ver- schiedenen Seinsstufen des Absoluten nennt „Potenzen" (s. d.). Die Natur (s. d.) lehrt schon früher, ist die „Hülle, in welche der Akt des ewigen Produzierens sich kleidet", die reale Seite dieses schöpferischen Handelns (Philos. Schriften, 1809; Werke, vgl. Objekt). Daß der Leib die der Seele ist, betont HEGEL (Ästhetik I, 154 Nach SCHOPENHAUEB ist der Leib (s. d.) der sichtbare Ausdruck, die „Objektivität" des Willens, der „sichtbar gewordene Wille". Was an sich „Wille" ist, erscheint objektiv als Leib, Körper. Willenshandlung und Be- wegung sind „eins und dasselbe, auf doppelte Weise was näm- lich der innern Wahrnehmung (dem Bewußtsein) sich als wirklicher Willensakt kundgibt, dasselbe stellt sich in der äußern Anschauung, in welcher der Leib objektiv dasteht, sofort als Aktion desselben dar" (Die als Wille u. Vor- stellung, II. Bd., K. 1 ff.). Durch und noch mehr durch FECHNER ist der Identitätsstandpunkt in der modernen Psychologie stark zur Geltung gekommen. Nach FECHNER sind Materie und Geist nur „zwei Erscheinungsweisen des- selben Wesens"'. Das Geistige ist die „Selbsterscheinung", das „Innensein" der
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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