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Ignava ratio — Immanent.
des Theaters" („idola theatri") beruhen auf der Macht der Autorität, der Tra-
dition Organon I, 38 ff.).
Ignava ratio s. faule Vernunft.
(Wir werden es nicht wissen) ist ein von E. DU
REYMOND herrührendes Schlagwort, welches die Schwierigkeit, bzw. die
barkeit einer Reihe von Problemen ausdrückt. Prinzipiell aber unge-
löst sind nach ihm die Fragen nach dem Ursprung des Lebens, der organischen
Zweckmäßigkeit, der Ursprung der Vernunft und Sprache; absolut unerkennbar
sind das Wesen von Materie und Kraft, der Ursprung der Bewegung, die Ent-
stehung von Empfindung und Bewußtsein, das Wesen der Willensfreiheit
(Über die Grenzen der Naturerkenntnis, 1872; Die sieben Welträtsel, 1882;
Reden u. Aufsätze2, 1886).
Ignoratio xov kXeyxov): Beweis verrückung, wobei
etwas anderes bewiesen wird, als zu beweisen war (ARISTOTELES, De sophist.
elenchis 6, 168 a 18). Vgl. Heterozetesis.
Illusion (illusio, Täuschung), psychologische, ist eine Vorstellung, welche
infolge abnormer eine solche Assimilation (s. d.) von Sinnesein-
drücken durch reproduktive Elemente enthält, daß die Eindrücke völlig im
Sinne dieser Elemente, in einer von der objektiven, normalen Auffassungs-
weise abweichenden Weise gedeutet werden. So erscheint z. B. ein weißes
Laken als Gespenst, ein Geräusch als Stimme vom Himmel, u. dgl. Vgl.
DESCARTES, I, WUNDT, Grundr. d. Psychol.5, 1902, S. 281,
Grundz. phys. Psychol. III5, 1903, S. 529 ff.; SULLY, Die Illusionen,
1884; Über die Trugwahrnehmung, 1894.
Die Bedeutung der spielenden Illusion, der „bewußten Selbsttäuschung"
die Ästhetik (s. d.) betont besonders K. LANGE; vgl. K. GROOS, Die Spiele
des Menschen, 1899, S. 164 ff.; SOURIAU, La Suggestion dans La
1906.
Im praktischen Sinne ist eine „Illusion" die Selbsttäuschung hinsichtlich
der Wertung von Objekten, die sich oft als unbegründet, unhaltbar erweist.
Der Pessimismus (s. d.) neigt dazu, jeden Genuß, den ein Mensch empfinden
kann, auf eine Illusion zurückzuführen, alle Werte des Lebens für Scheinwerte
zu erklären. Zu diesem praktischen ist das Gegenstück der theoretische
Illusionismus, nach welchem die Außenwelt als solche nichts Reales, nur
ein Trugbild, nur unsere Vorstellung, nur eine Illusion ist („Schleier der
„Phantasmagorie", „Gehirnphänomen": SCHOPENHAUER). —
Den Nutzen der Illusionen für das Leben betonen NIETZSCHE („Wille zum
Schein"), GUYAU, L. STEIN, G. ADLER (Die Bedeutung der Illusion für
Politik u. soziales Leben, 1904) u. a. Vgl. VAIHINGER, Die Philos. des Als
ob, 1911. — VgL Halluzination, Fiktion.
Imagination s. Phantasie, Vorstellung. — Über das Imaginäre
als zweckmäßige „Fiktion" vgl. VAIHINGER, Die Philos. des Als ob, 1911;
Die log. Grundlagen der exakten Wissensch., 1910, S. 237 ff.
Imbezillität s. Schwachsinn.
Immanent ARISTOTELES): darin bleibend, inne-
wohnend, nicht über eine Sphäre hinausgehend. Immanent ist z. B. eine
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften