Page - 307 - in Handwörterbuch der Philosophie
Image of the Page - 307 -
Text of the Page - 307 -
Indeterminismus — Individualismus. 307
Indeterminismus: Lehre von dem Nicht - determiniert - Sein des
Willens, der als durch äußere und innere Ursachen nicht bestimmt, nicht be-
dingt betrachtet wird, sondern unabhängig von den „Motiven" sich ganz aus
eigener Macht für oder wider etwas entscheiden kann. Der I. tritt in ver-
schiedenen Formen auf. Vgl. Willensfreiheit, Motiv.
Indifferentismus: Gleichgültigkeit oder Unentschiedenheit hinsicht-
lich des Wertes und Wesens von Problemen fundamentaler Art; sittliche, reli-
giöse Gleichgültigkeit.
Indifferenz: Ununterschiedenheit. So nennt SCHELLING das „Ab-
solute", die „Indifferenz" von Subjekt und Objekt, weil es über diesen Gegen-
satz erhaben ist, erst in der Erscheinung in diese beiden „Pole" auseinander-
tritt (WW. I 10, 130, 145). — Indifferenzlage des Gefühls der Zu-
stand (relativer) Gleichgültigkeit als Durchgangsmoment im Wechsel des
Gefühls von Lust zur Unlust oder umgekehrt. Vgl. WUNDT, Grdz. d. phys.
Psychol., 1903, 315.
heißt die von den Scholastikern ADELARD VON
BATH (De et diverso, hrsg. 1903), WALTHER VON MORTAIGNE U.
aufgestellte Lehre, daß dieselben Objekte, je nach der Betrachtung als
viduen oder — wenn nur das nicht Verschiedene beachtet wird — als
erscheinen (vgl. PRANTL, Gesch. d. Logik 1855, II, 138 ff.).
Indistinto nennt R. die primäre Wirklichkeit, die sich erst
Objektives und Subjektives, Psychisches und Physisches sondert (Opere filosof..
1882 ff.; vgl. BLUWSTEIN, Die Weltanschauung R. Ardigös, 1911).
(Einzelbegriff) ist ein Begriff (s. d.) mit kleinstem
Umfang und größtem Inhalt, nämlich ein Begriff, der das Allgemeine, Kon-
Typische, Wesentliche eines einzelnen Gegenstandes heraushebt und
fixiert. Vgl. WUNDT, Logik 1906, S. 100 f.; KREIBIG, Die intellektuellen
Funktionen, 1909, S. 39.
Individualismus: 1. Betonung der Bedeutung, des Wertes des Indi-
viduums, der Individualität für das sittliche Handeln (ethischer I.) oder für
die Gesellschaft, wobei, als Extrem, die Individuen als absoluter Selbstzweck
aufgefaßt werden, während in Wahrheit auch die Gesellschaft ein Zweck und
Eigenwert ist (sozialer L). Ethische Individualisten sind die Kyniker,
u.a., F.
TOLSTOJ, R. STEINER (Philos. der Freiheit, S. 154 ff.) u. a. Soziale Individua-
listen sind z. B. W. v. HUMBOLDT, SPENCER, IBSEN, A. SMITH, TOL-
STOJ, J. H. MACKAY, B.WILLE, J.POPPER U. a. (vgl. Soziologie). Der histo-
I. betrachtet die großen Persönlichkeiten, „Heroen", als Hauptfaktoren
der Geschichte (s. d.). — 2. ist der Individualismus die Lehre,
daß die Wirklichkeit aus Individuen, selbständigen Einzeldingen besteht
(s. Pluralismus) oder daß nur das Einzelne wirklich ist (s. Allgemein). Vgl.
JERUSALEM, Einleit. in d. Phüos.4, 1909; GOLDSCHEID, Höherentwicklung und
Menschenökonomie, 1911; H. WOLF, Geschichte des antiken Sozialismus u.
IndividuaL, 1909; E. FOURNIERE, Essai sur 1908; K.
BRAM, Die Entstehung der individualist. Sozialphilos., 1912; H. SOMMER, I.
20*
back to the
book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften