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Induktion.
hoc" mit dem „propter hoc". Absolute Gewißheit hat die „vollständige" L,
bei welcher die Anzahl aller möglichen Einzelfälle gegeben ist, insbesondere
auch der Schluß von n Gliedern auf (n te Glied einer stetigen Reihe
mit gleichbleibendem Bildungsgesetz (J. BERNOUILLI). — Voraussetzung der
Induktion als Methode ist die apriorische Einsicht, daß Gleiches sich unter
gleichen Umständen gleich verhalten muß, sowie die allgemeine, ausnahmslose
Gültigkeit des Kausalitätsprinzips (s. d.). Vielfach stützen sich mehrere Induk-
tionen gegenseitig. Durch die Möglichkeit einer Deduktion (s. d.) neuer Fälle
aus dem induktiv Erkannten wird die Induktion verifiziert, abgeschlossen. Die
obersten Grundsätze des Denkens und Erkennens beruhen nicht auf L, sondern
sind logische Bedingungen aller Induktion (vgl. Axiom, A priori, Mathematik).
Die empirische Erkenntnis erwächst aus einer Verbindung von Induktionen
und Deduktionen (vgl. Analyse).
Als logisches Verfahren der Gewinnung allgemeiner Begriffe betreibt die
Induktion SOKRATES (er suchte x xal xb
xa&6Xov, Aristoteles, Metaphys. XIII, 4, 1078 b 28; vgl. Xenophon,
IV, 6, 13 ff.), ebenso PLATON und ARISTOTELES (knaycoyr) — dnb xcov
exaoxov ecpodog, Top. I 12, 105 a 13; vgl. Analyt. prior. II,
23), welcher nur die Induktion durch einfache Aufzählung (die „inductio per
enumerationem simplicem") kennt und nur die vollständige I. als wissenschaft-
lich anerkennt (knaycoyr) ndvxcov). Den methodologischen Wert der I.
kennen schon die Epikureer ZENON und PHILODEMOS (vgl. GOMPERZ, Herculan.,
Studien, 1865—66). Im Mittelalter spielt die I. als Methode eine geringere Rolle,
auch wird sie oft nicht exakt gehandhabt. — Eine Theorie der I. gibt zuerst
F. BACON, der die bloß syllogistische Methode (s. Schluß) bekämpft, aber auch
die gewöhnliche, einfache Induktion für etwas „Kindisches" erklärt. Wert-
voll ist nur die „wahre" L, welche auf Grund von Beobachtungen, Ver-
gleichungen und Experimenten erst zu Sätzen von mittlerer und dann erst von
diesen zu Sätzen von Allgemeinheit aufsteigt, wobei neben den posi-
tiven auch die negativen Instanzen (s. d.) berücksichtigt werden müssen
Organon I, 14, 102 ff.). Später hat J. ST. MILL eine neue Theorie
der I. gegeben. Sie ist nach ihm der Schluß von der Geltung des in einzelnen
Fällen Gefundenen auf alle ähnlichen Fälle. Es besteht eine natürliche Neigung
des Geistes, seine Erfahrungen zu generalisieren, und alle I. beruht auf der
Voraussetzung der Gleichförmigkeit des Naturlaufes („uniformity of nature")
als stillschweigendem Obersatz, der selbst auf einer allgemeinsten Induktion be-
ruht (System der indukt. u. dedukt. Logik K. 2). Vier Methoden der
induktiven Forschung gibt es: 1. Methode der Übereinstimmung of
agreement"); 2. M. der Unterscheidung, Differenzmethode of
3. M. der Reste, Rückstände („m. of residues"); 4. M. der einander begleitenden
Veränderungen („m. of concomitant Variation") (1. c. I, K. 8).
Daß der schon logische oder apriorische Voraussetzungen zugrunde-
liegen, betonen KANT, APELT (Theorie der Induktion, 1854, S. 17 ff.), WHEWELL
(Geschichte der induktiven Wissenschaften, deutsch 1840 f.; Philos. of the induct.
Sciences, 1840), COHEN, NATORP, RIEHL U. a., B. ERDMANN (Logik ff.),
HEYMANS (Gesetze und Elemente des wissenschaftl. Denkens, 1890 —94, S. 290 ff.,
f.) u. a. Vgl. LOTZE, Logik, 1880, § f.; neue A. 1912; J. SCHIEL,
Die Methode der induktiven Forschung, Logic, 1870, II, 1 ff.;
VENN, Logic, 1889, S. JEVONS, Principles of Science 1877, 168 ff.,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften