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320 Intuitionismus — Involution.
die dann wieder äußerlich miteinander verbunden werden, steht die Intuition
dem Instinkte näher und dringt mit („intellektueller Sympathie") ins Zentrum
des Geschehens, ins „Absolute", in die „schöpferische des auf-
wärtsstrebenden „Lebens" (s. d.) ein (Introduction ä la 1903;
deutsch 1910; 1910, S. 47 ff.; deutsch 1912). Den Er-
kenntniswert der „Intuition" betonen schon PLATON, PLOTIN, die Mystiker,
SPINOZA, nach welchem die I. immer das Wahre trifft und die „scientia intui-
tiva" die höchste Erkenntnisart ist (Eth. II, prop. XL f.), FICHTE, SCHELLING,
SCHOPENHAUER, FECHNER U. a. (s. Anschauung, intellektuelle). — Nach E. H.
SCHMIDT offenbart sich uns die göttliche Natur des Menschen in „intellektueller
Anschauung", alle Wissenschaft ist in der Intuition begründet; die Denkformen
sind „Anschauungsformen höherer Art" (Kritik der Philosophie vom Stand-
punkt der intuitiven Erkenntnis, 1908, S. 7 ff., 165 ff.), — Nach W. SCHMIED-
KOWARZIK ist die I. eine Synthese, ein „zusammenfassendes Erlebnis". Sie
erfaßt Einheit in der Mannigfaltigkeit, hat Geltungsanspruch (Möglichkeit der
Existenz), erfaßt Gestalt, Harmonie. Der Kern des ästhetischen Erlebens ist
das „synthetische Erlebnis der Intuition"; das ästhetische Gefühl ist „In-
tuitionsgefühl" (Intuition, Beilage der Philos. Gesellschaft zu
Wien, 1911, S. 43 ff.; vgl. Analyt. Psychol., 1912). VgL LOSSKIJ, Die Er-
kenntnistheorie des Intuitivismus, 1910 (mystischer Empirismus); A. STEEN-
BERGEN, H. Bergsons intuitive Philos., 1909; DWELSHAUVERS, Raison et
tuition, 1906; GAGNEBIN, La philos. de 1912; M. Razionalismo
1911; BERGSON, Revue de
phys., 1911; HUSSERL, Logos I; H. KEYSERLING, Das Wesen der I., Logos
III, 1912. — VgL Anschauung, Metaphysik, Mystik, Kontemplation, Irrational,
Evidenz, Gegenstandstheorie, Wahrheit, Prinzip
ist die Lehre von der ursprünglichen Gewißheit, von
der unmittelbaren Evidenz der des vorstellungs- oder
erfaßten Unterschieds von Gut und Böse (Perzeptionaler — emotio-
naler L). Intuitionisten sind CLARKE, REID, BUTLER,
LECKY, MARTINEAU, CALDERWOOD, PORTER, V. COUSIN, JANET U. a., HUT-
CHESON, F. BRENTANO U. a. Mit I. verbinden den
(A dissertation on the progress of ethical philos.8, und
H. SIDGWICK (Die Methoden der Ethik, 1909). Vgl. M. Rationalismo
e intuizionismo, 1911. Vgl. Sittlichkeit.
Intuitiv s anschaulich, durch Anschauung (s. d.), geistiges Schauen erfaßt.
Intuitive Erkenntnis ist eine unmittelbar auf Wahrnehmung (Vorstellung) be-
ruhende, nicht erst durch Urteile, Schlüsse oder Abstraktionen vermittelte Er-
kenntnis (Anschauungsurteil) oder die unmittelbare Einsicht in eine Relation
<(s. d.). Vgl. Intuition, Anschauung, Diskursiv.
Involution (involutio): Einwicklung; des Organismus,
in entgegengesetzter Richtung zur Evolution (vgl. Tod: LEIBNIZ). Unter I.
Vorstellungsreihe versteht HERBART die Reproduktion (s. d.) durch die
zuletzt auftretende Vorstellung (vgl. VOLKMANN, Lehrbuch d. Psychol. I4,
1894 ff., 460). — Involvieren (einhüllen): einschließen, in sich begreifen
(z. B. der „Folge" im „Grund"), bedingen, nach sich ziehen.
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften