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Jostscher Satz — Irrtum. 321
Jostscher Satz: Die günstigsten Resultate für das Lernen eines
Stoffes sind bedingt durch die größte Anzahl von Wiederholungsgruppen bei
gleicher Gesamtzahl der Wiederholungen (A. JOST, Zeitschrift f. Psychol., Bd.
14; vgl. OFFNER, Das Gedächtnis8, 1911).
Ironie von Spötter) ist Verspottung, Tadeln, Lächerlich-
machen unter dem Scheine des Ernstnehmens, des des Rechtgebens,
Die I. kann sich auch gegen das eigene Ich wenden und sie kann
auch dieses verkleinern, tadeln, um dadurch den Unwert fremder Urteile in-
direkt erkennen zu lassen oder um sich der Überlegenheit des Geistes auch
über die des Ich recht bewußt zu werden.
Die Sokratische Ironie besteht darin, daß man sich selbst als unwissend
«teilt, den andern aber, mit dem man sich unterredet, scheinbar für wissend
um ihn erst recht sein Nichtwissen offenbaren zu lassen (Xenophon,
I, 3, 8; Cicero, II, 15). — Romantische I. ist die Er-
hebung des Ich, Genies über alles Bedingte, über alle Werte, auch über die eigenen
Produkte, die Fähigkeit, sich und sein Tun immer neu zu „überwinden", sich
Sache hinzugeben, durch kein Gesetz, keine Norm binden zu lassen,
spielerisch über allem zu schweben (FR. SCHLEGEL U. a.; vgl. R. HAYM, Die
romantische Schule, 1870). Vgl. SOLGER, Erwin, Vorles. über Ästhetik,
1829; TH. VISCHER, Ästhetik, 1896, § 202; SCHASLER, Das Reich der Ironie,
1879; PAULHAN, La morale de 1909; F. BRÜGGEMANN, Die Ironie als
Moment, 1909.
Irrational: durch den Verstand oder die Vernunft nicht erfaßbar,
logisch nicht bestimmbar, begrifflich nicht bar, nicht ermeßbar. Über
die Irrationalzahlen als nützliche Fiktionen vgl. VAIHINGER, Die Philos.
des Als ob, 1911. Der metaphysische Irrationalismus faßt die Wirklich-
keit als werdend, als schöpferische Entwicklung, als immer neu sich be-
reichernd, als in feste Gesetze nicht Eingehendes, durch bloßes Denken nicht
Erfaßbares auf (SCHOPENHAUER, EUCKEN, BERGSON, JAMES, F. C. S.
VAIHINGER, MAUTHNER U. a.). Vgl. J. GOLDSTEIN, Wandlungen in der Philos.
der Gegenwart, 1911; Die Technik, 1912; BENRUBI, u. Metaphysik, Be-
richt über d. III. int. Kongreß f. Philos., 1909; HÖFFDING, Der menschL Ge-
danke, 1911; F. BODEN, Die Instinktbedingtheit der Wahrheit u. Erfahrung,
1912. Vgl. Unbewußt (E. v. HARTMANN), Verstand, Voluntarismus.
Irrelevant: unerheblich, unwesentlich, ohne Bedeutung für einen be-
Zweck. Vgl. F. C. S. SCHILLER, Formal Logic.
Irritabilität s. Erregbarkeit.
Irrtum (error) ist Verwechselung des Falschen mit dem Wahren, un-
richtiges oder falsches Denken, ein unrichtiges oder falsches Urteü, welches
für richtig oder wahr gehalten wird (formaler — materialer Irrtum). Wir irren,
Irrtümer, wenn wir anders urteüen, als die Denkgesetze oder die
denkende Verarbeitung des Erfahrungsmaterials es fordern (vgl. Wahrheit).
Vorurteile, Mangel an Urteilskraft, Unvollkommenheit der
Sinnestäuschungen, ungenügende Aufmerksamkeit, unge-
naue Beobachtung, Übereilung, Schwäche, mangelnde Energie, Konzentration
oder Stetigkeit des Denkens, unzureichendes Erkenntnismaterial, subjektive
Dispositionen, Leidenschaften, Kritiklosigkeit,
Ei Handwörterbuch. 21
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften