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332 Kategorisch.
des Empfindungsmaterials ermöglichen, ihm das Denken erleichtern und ihm
zur Herrschaft über die Dinge verhelfen, so daß sie also von hoher „praktischer"
Bedeutung sind, ohne daß durch sie das Wesen der Dinge erkannt wird,
welches vielmehr durch sie „verfälscht" wird, gelten die Kategorien
Substanz, Kausalität, Kraft u. dgl.) bei NIETZSCHE, F. MAUTHNER, E. MACH,
BERGSON U. a., VAIHINGER. Nach letzterem sind sie nur nützliche „Fiktionen"
(s. d.), nur „bequeme Hilfsmittel, um die Empfindungsmassen zu bewältigen",
wobei die Anzahl und spezielle Art der K. durch die verschiedenen Außerungs-
formen des Gegebenen bestimmt ist. Sie sind ohne Erkenntniswert, denn das
Wirkliche besteht nicht aus tätigen Substanzen usw., sondern nur aus gesetz-
lich verknüpften Empfindungen. Die K. sind durch welche
das Denken sich das Geschäft erleichtert und sich die Berechnung der Wirk-
lichkeit ermöglicht", rein subjektive „Apperzeptionsformen", „logische Kunst-
griffe" zu praktischen Zwecken, „praktisch wertvolle Hilfsbegriffe". Die K.
sind „analogische Fiktionen", nach dem Muster der innern Erfahrung. „Dinge"
und „Ursachen" usw. sind reine Vorstellungsgebilde, welche in den Lauf der Vor-
stellungen eingeschoben werden (Die Philosophie des Als ob, 1911, S. 286 ff.).
— Ohne diesen Subjektivismus betonen die biologische Bedeutung der Kate-
gorien: SIMMEL, L. STEIN, POTONIE U. a. — Den Ursprung der K.
lehrt E. DE auch DURKHEIM. — A. STADLER, Kantstudien
XIII, 1906; F. PAULSEN, Kantstudien V; SPENCER, First Principles, 1882 ff.;
SCHUPPE, Grdz. d. Erkenntnistheorie u. Logik, 1894, S. 36 f.; B.
Prinzipien der Metaphysik, I, 1904, S. 22 ff.; J. BERGMANN, Sein u. Erkennen,
1880; UPHUES, Kant u. seine Vorgänger, 1906; C. SIEGEL, Zur Psychol. u.
Theorie des Erkennens, 1903, S. 94 ff.; J. SCHULTZ, Psychol. der Axiome,
1899; Die drei der Erkenntnistheorie, 1907; L. W. STERN, Person u.
Sache, 1906, I, AARS, Zeitschrift f. Philos., 1903; REININGER, Philo-
sophie des Erkennens, 1911; KÜLPE, I. Kant, 2. A. 1908; DRIESCH, Zwei Vor-
träge zur Naturphilos., 1910; JAMES, Der Pragmatismus, 1908, S. 106 ff.;
Seele u. K. Vierteljahrsschrift f. wissensch. Philos., 36. Bd.;
M. KLEIN, Die Genesis K., STÖCKL, Lehrbuch d. Phüos. DRIESCH,
Ordnungslehre, 1912 (Die Kategorien bestehen aus Elementen der „for-
malen" Logik); FRISCHEISEN-KÖHLER, Wissenschaft u. Wirklichkeit, 1912 (Die
„reflexiven" K. oder Beziehungsformen sind jene Verhältnisse, welche das re-
flektierende Denken lediglich aus sich heraus zu entwickeln Gleichheit,
Ähnlichkeit, Unterschied, Ganzes u. Teile; die „konstitutiven" K. bedeuten die-
jenigen Sachzusammenhänge, welche das Verhältnis der Inhaltsbestimmungen
von Gegenständen ausmachen, wie es auch unabhängig vom Denken durch ihre
Beschaffenheit gefordert ist); W. ERNST, Der bei Kant u. sein Ver-
hältnis 'zu den Kategorien, 1910. — Vgl. Kausalität, Substanz, Kraft, Ursache,
Einheit, Identität, Apperzeption, Synthese, Individuum, Pragmatismus, Ver-
stand (KANT, BERGSON), Gesetz, Axiom, Objektiv, A priori, Prädikabüien, Trans-
zendental, Ökonomie (des Denkens), Erkenntnistheorie (die Literatur daselbst),
Zweck, Relation, Idealismus.
aussagend, behauptend; unbedingt. —
Kategorische Urteile sind Urteile, in welchen einem Subjekt etwas
schlechthin zu- oder aberkannt wird (S ist P; S ist nicht P). — Katego-
rischer Imperativ s. Imperativ.
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften