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Konträr — Konvention.
gemein verneinenden (e): Alle S sind P — Kein Non-P ist S. Besonders
bejahende U. (i) sind nicht kontraponierbar. 3. Besonders verneinende U. (o)
werden zu besonders bejahenden (i): Einige S sind nicht P — Einige Non-P
sind S. 4. Allgemein verneinende U. (e) werden zu besonders bejahenden (i):
Kein S ist P — Einige Nicht-P sind S. — Auch hypothetische Urteüe
lassen sich hier wird das kontradiktorische Gegenteil der
zur „Hypothesis" (des Bedingten zur Bedingung). Vgl. UEBERWEG,
Logik, 1882, § 89; B. ERDMANN, Logik I, 1892, 432 ff.; SIGWART, Logik
1904, 439 ff.; 4. A. 1911.
Konträr (contrarius, entgegengesetzt) sind Begriffe, die als Glieder einer
•disjunktiven Reihe oder einer vollständigen Reihe koordinierter Begriffe am
weitesten voneinander abstehen, in qualitativem zueinander stehen
<(z. B. schwarz — weiß, Tugend — Laster). Vgl. ARISTOTELES, De coelo I 8, 277 a
23 f.; CICERO, Top. 11, DROBISCH, Logik, 1887, § HEGEL, Enzyklop.
§ 165 (H. verwirft die Unterscheidung von konträr und kontradiktorisch als etwas,
was mit der Begriffsbestimmtheit selbst nichts zu tun hat; demgemäß nimmt
er in „dialektische" Bewegung des Begriffes beide Arten Gegensatzes
hinein). Vgl. Subkonträr.
Kontrast ist das Phänomen, daß zwei einander entgegengesetzte oder
voneinander stark differierende simultane oder sukzessive Bewußtseinsinhalte
(Empfindungen, Vorstellungen, Gefühle) eben durch ihren Unterschied von-
einander sich voneinander scharf abheben und dadurch selbst
stärker, lebhafter erscheinen. Eine Farbe wird in größter Sättigung dann
empfunden, wenn die umgebende Netzhaut von einem komplementärfarbigen
Eindruck getroffen wird, was nach FECHNER U. a. auf partieller Netzhaut-
ermüdung beruht. Vgl. WUNDT, Grdz. d. phys. Psychol. II5, 1903, 207 ff.;
KÜLPE, Grundr. d. Psychol., 1893, S. 415 ff.). Eine graue Fläche auf weißem
erscheint schwärzlich, auf schwarzem aber weißlich (Randkontrast).
Die physiologische Kontrasttheorie erblickt im Randkontrast eine Irradiation
der Erregung, bei der die antagonistische Wirkung überwiegt (PLATEAU,
HERING). Nach HELMHOLTZ beruhen die optischen Kontrasterscheinungen
auf nach WUNDT auf einem Beziehungsvorgang (Grundr.
d. Psychol.5, 1902, S. 313). Vgl. HELMHOLTZ, Physiol. Optik2, 1886 ff.,
S. 543 ff.; Philos. Studien, hrsg. von Wundt, Bd. IV, VI; KREIBIG, Die fünf
des Menschen2, 1907.
In Kontrast zueinander stehen besonders Lust- und Lust
wird durch unmittelbar vorangehende Unlust stärker, und umgekehrt.
Früher wurde öfter (von ARISTOTELES, HUME U. a.) der Kontrast von
Vorstellungen als eigene Assoziations- oder Reproduktionsgrundlage betrachtet,
jetzt die „Kontrastassoziation" als eine bloße Form der
assoziation aufgefaßt wird (LIPPS U. a.; vgl. OFFNER, Das Gedächtnis2, 1911,
S. 189 ff.: Begriff der „Kontrastenergie"). Vgl. Gegensatz.
Kontrastgefühle nennt WUNDT Gefühle, die „aus einer Folge von
Lust- und Unlustgefühlen bestehen, in der je nach Umständen bald das eine,
das vorherrschen kann" (Grundr. d. Psychol.5, 1902, S. 193). Vgl.
Kitzelgefühl.
Konvention: Übereinkunft. Das Willkürliche in
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book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften