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Körper. 349
Hingegen stellt LEIBNIZ einen dynamischen Körperbegriff auf. Das
Wirkliche an den Körpern ist die Kraft (s. d.), auch besitzen sie eine „Anti-
typie", eine die Körper selbst sind keine Substanzen, sondern
Aggregate von einfachen Substanzen, von „Monaden" d.),
Erscheinungen von solchen (Opera ed. Erdmann, S. 269, 440, 445, 693, 719).
Daß den Körpern immaterielle, einfache Wesen oder Kräfte zugrundeliegen,
lehren ferner PLOTIN, GEULINCX, BURTHOGGE, CHR. WOLFF, HERBART (S.
Reale), LOTZE, J. H. FICHTE, ULRICI, FORTLAGE, BUSSE U. a. (vgl. Monade).
— Als Erscheinung, Objektivation, Außenseite eines an sich geistigen
betrachten die Körper SCHOPENHAUER, FECHNER, PAULSEN, ADICKES, WUNDT,
J. SCHULTZ, LIPPS U. a. (vgl. Ding an sich, Spiritualismus, Panpsychismus).
Die dynamische Auffassung der Körper verbindet KANT mit der
idealistischen. Physisch ist ein K. „eine Materie zwischen bestimmten Grenzen".
Die Materie (s. d.) erfüllt den Raum durch eine Kraft, durch „repulsive
Kräfte ihrer Teile, d. i. durch eine ihr eigene Ausdehnungskraft" (Meta-
phys. Anfangsgründe der Naturwissensch., S. 85 f.). Es gibt außer uns
aber was sie an sich sind, ist unerkennbar; denn wir kennen die
Dinge nur durch die Vorstellungen, welche sie in uns auslösen „und denen
wir die Benennung eines Körpers geben, welches Wort also bloß die Erschei-
nung jenes uns unbekannten, aber nichtsdestoweniger wirklichen Gegenstandes
bedeutet" (Prolegomena, § 13, II; vgl. § 49; vgl. Objekt). Kritisch-
idealistisch lehren auch die Kantianer (s. d.) und „Neukantianer" (COHEN,
NATORP U. a.). So ist, nach K. LASSWITZ, ein Körper nichts anderes als „eine
gesetzliche Bestimmung, daß sich gewisse Veränderungen im vollziehen
müssen, die wir als Wechselwirkung mit anderen Körpern bezeichnen" (Wirk-
lichkeiten, 1900, S. 95). Idealistisch lehren ferner FICHTE, BERGMANN,
SCHUPPE U. a. (s. Idealismus). — Als Komplexe von Empfindungen und Emp-
findungsmöglichkeiten betrachten die K. BERKELEY (Principles XVIII f.; s.
Materie), HUME (Treatise IV, sct. 3), J. ST. MILL (S. Objekt), H. CORNELIUS
(Einleit. in d. Philos., 1903, 259 ff.), VERWORN (Naturwissensch. u.
anschauung, 1904, S. 29), VAIHINGER (Die Philos. des Als ob, 1911) u. a.
Nach E. MACH sind die K. „Komplexe von Empfindungen", Gedankensymbole
für Elementenkomplexe. K. bestehen nur in konstanten Relationen sinnlicher
(s. d.), nur als „Bündel gesetzmäßig zusammenhängender Reak-
(Beitr. zur Analyse der 1903, S. ff.; Die Mechanik4,
S. 543; Erkenntnis u. Irrtum, 1906, S. 147, 348); vgl. PETZOLDT, Das Welt-
1912 (s. Ding).
Komplexe verschiedener Energien sind die K. nach OSTWALD (S. Energie).
Nach RATZENHOFER sind sie „potentielle welchen ein Volumen zu-
kommt" (Der positive Monismus. 1899, S. 22). Nach L. GILBERT ist jeder K.
sich eine Energie oder vielmehr ein „Energon" („latente Arbeitsfähigkeit",
„Gleichgewicht"; Neue Energetik, 1911, S. XXXV f.),
die ihren gerichteten Raum (Gestalt) verteidigt" (1. c. S. 4 ff.; vgl.
Materie). Die Körper sind Ausschnitte aus der einen, unendlichen Wirkens-
nnd Arbeitskette (1. c. S. 195). Vgl. E. BECHER, Phüos. Voraussetzungen
der Naturwissensch., 1907, S. ff.; BERGSON, et Memoire, 1910,
8. 232 ff. (vgl. Geist, Seele, Materie); Seele u. 1912, S. 60 ff. (vgl.
Seele). — Vgl. Atom, Dynamisch, Geist, Physisch, Leib,
Tiefenvorstellung, Realismus, Objekt.
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften