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Liebe. 373
EMPEDOKLES. Nach letzterem sind Liebe oder Freundschaft
und Haß oder Streit (veXxog) die Grundkräfte des Geschehens, welche ab-
wechselnd vorherrschen. Die Freundschaft hält erst alles zusammen, bis dann
der Streit die Vielheit der Einzeldinge entfalten läßt, worauf schließlich die
Liebe wieder alles zu dem göttlichen Sphairos vereinigt ein ständig sich er-
neuernder Prozeß Fragmente der Vorsokratiker I.) Vgl. ARISTOTELES
(unter „Gott").
Das Christentum faßt Gott als die Liebe auf und predigt die allge-
meine Menschenliebe (auch schon die EPIKTET, SENECA). — AUGUS-
TINUS definiert die L. als ein nach Vereinigung strebendes Leben („vita
quaedam copulans vel copulare appetens", De trinitate VIII, 10). Das
höchste Glück liegt in der Gottesliebe (1. c. f.; wie auch PLATON,
ANSELM, BERNHARD VON CLAIRVAUX, Hugo und Richard von ST. VICTOR,
ECKHART, RAYMUND VON SABUNDE, LEO HEBRAEUS, N. TAURELLUS, CAM-
PANELLA, G. BRUNO, SPINOZA, LEIBNIZ, J. EDWARDS, FICHTE [Anweisung
zum seligen Leben], CHR. KRAUSE U. a.). Die Scholastiker unterscheiden
sinnliche sensitivus") und geistige L. verlangende
concupiscentiae") und L. („a. benevolentiae"); vgl.
THOMAS, Sum. theol. I, 25, 26, 1 f.
Nach DESCARTES ist die L. eine physiologisch bedingte Gemütserregung,
welche die Seele zur Vereinigung mit den ihr angemessenen Gegenständen antreibt
II, 79; vgl. 82 ff.). Nach SPINOZA ist sie eine mit der Vor-
stellung ihrer Ursache verknüpfte Freude („laetitia concomitante idea causae
externae", Eth. III, prop. XIII, Nach LEIBNIZ ist sie ein Trieb, an
dem Glücke einer Person teilzunehmen, die Freude an diesem Glück (Nouv.
Essais II, K. 20, § 4; Opera ed. Erdmann, 118). Ähnlich definiert CHR. WOLFF
Gedanken von Gott . . . I, § 449). KANT unterscheidet von der
„pathologischen" Liebe der Neigung, er ethisch nicht hoch schätzt,
die „praktische" Liebe, die „im Willen liegt und nicht im Hange der
Empfindung". In diesem Sinne heißt den Nächsten lieben, „alle Pflicht gegen
ihn ausüben". Gott Heben heißt, „seine Gebote tun" (Krit. d.
prakt. Vernunft, Univ.-BibL, S. 100 ff.). Eine Pflicht, zu lieben gibt es nicht,
wohl aber eine Pflicht zum tätigen Wohlwollen (vgl. Grundleg. zur Metaphys.
der Sitten, 1. Absch.; Metaphysik der Sitten II; Tugendlehre, Einleitung XI;
vgl. Rigorismus). — Vgl. SCHOPENHAUER, Die als Wüle u. Vorstellung,
IL Bd., K. 44 (Der zum Leben als Grund der Geschlechtsliebe, die eine
Illusion ist, insofern sie nicht dem Individuum, sondern der Gattung, der
Lebenserhaltung dient); L. FEUERBACH, Das Wesen des Christentums, 5. K.;
TEICHMÜLLER, Über das Wesen der L., 1879; MICHELET, Die Liebe, 2. A.
1859; DUBOC, Psychologie der 1880; DANVILLE, Psychologie de
4. 1901; HÖFFDING, Psychologie2, S. 342, 394; HAGEMANN,
1911; L. STERN, Monistische Ethik, 1911; W. BÖLSCHE, Das Liebesleben
in der Natur, 1898 f.; MANTEGAZZA, Physiologie der L., 1904;
NINGER, Geschlecht u. Charakter, 11. A., 1909 (Bisexualität,
und weibliche Elemente in jedem Menschen vereinigt); S. FREUD, Drei Ab-
handlungen zur 1910; Über Psychoanalyse, 1910; 2. A. 1912;
M. ROSENTHAL, Die L., 1912; FRANKE, Die L. als Weltprinzip, 1883; E. KEY,
Über L. u. 1905; M. SUSMANN, Die L., 1912. — VgL Selektion,
Ästhetik, Gesetz (ARNDT).
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften