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Lokalisation — Lokalzeichen. 381
Xoyov, 2; vgl. Sextus Empir. adv. Mathem. VII, 132;
Fragmente der 1906). ARISTOTELES unterscheidet den inner-
lichen vom geäußerten Gedanken (6 eoco — 6 egco Xoyog, Anal. post. I
10, 76 b 24). Die setzen dafür den Unterschied von Xoyog
und X. (Sext. Empir., Pyrrhon. hypotyp. I, 65). Das alles be-
herrschende Schicksal (s. d.) ist zugleich Logos, alles durchdringende und
leitende Weltvernunft, welche durch die „samenhaften Gedanken" oneg-
in den Dingen wirkt (vgl. Diogen. Laert. VII, 149, 157). Besondere
Bedeutung gewinnt aber die Logos-Lehre des PHILON Der Logos ist
die ewig bei Gott wohnende Vernunftkraft, der „erste Sohn" Gottes
der „zweite Gott" (devxegog der Mittler zwischen Gott und Mensch.
Er ist das Wort und der ewige Gedanke Gottes, der die ge-
hat, sie durchdringt und zusammenhält, der Ort der „Ideen", die
oberste Idee (Opera ed. L. Cohn et P. Wendland, 1896 ff.; Werke, deutsch
1909 f.). Der läßt aus dem göttlichen Einen den „Geist"
(vovg) hervorgehen. Das Christentum faßt (im Johannesevangelium I, 1) den
Logos persönlich, als fleischgewordenes, schöpferisches Wort Gottes, das von
Ewigkeit bei ihm war, als Sohn Gottes auf, der in der späteren Lehre zur
zweiten Person wird. — VgL DUNCKER, Zur Geschichte der christ-
lichen Logoslehre, 1848; HEINZE, Die Lehre vom L. in der griechischen Philo-
sophie, 1872; A. AALL, Geschichte der Logosidee in der griechischen Philo-
sophie, 1896—99; DAUB, Über den Logos, in: Studien u. Kritiken, 1833,
H. II; P. CARUS, Phüosophie als Wissenschaft, 1911; TH. SIMON, Der L.,
1902. — Vgl. Vernunft, Denken, Idee, Logik (HEGEL), Kultur.
Lokalisation ist (psychologisch) der Prozeß, durch welchen Emp-
findungen an eine Stelle des Leibes verlegt werden, bzw. diese Verlegung
selbst, die zum Teil ursprüngücher Art ist, zum Teil erst gelernt, geübt wird
und auf Assoziation (eines Tasteindrucks mit einer Gesichtsvorstellung)
ruht. Das Unmittelbare in der L. beruht auf Lokalzeichen (s. d.); die Ver-
legung einer Empfindungsqualität an einen Punkt des den Leib umgebenden
Raumes Externalisation (vgl. JODL, Lehrbuch d. Psychol., 1909, I8,
247). Externalisiert werden Gehörs- und Gesichtsempfindungen (s. Projektion).
Lokationsmotiv nennt man (nach E. ACKERKNECHT, Die Theorie der
Lokalzeichen, 1904) das die Lokalisation auslösende Moment. Die Lokalisation
wird teils auf Assoziation zurückgeführt VOLKMANN, Lehrb. d. PsychoL,
1894 f., 7 ff., u. a.), teils als etwas Ursprüngliches betrachtet (KÜLPE
Grundr. d. 1893, S. 388 ff. u. a.). Vgl. DESCARTES, Princip. phüos.,
I, 67; IV, 196; JAMES, Princ. of Psychology, 1890, II, K. 17; WUNDT, Grundr.
d. Psychol.6, 1902, S. 126; Grdz. d. phys. 1903, II5, 439 ff. — Vgl.
Tastsinn, Raum, Projektion.
Lokalisation ist (physiologisch) die Zuordnung bestimmter seelischer
Funktionen zu bestimmten, mehr oder weniger fest umschriebenen Partien des
Gehirns. Vgl. Seelensitz, Sprache.
Lokalzeichen heißen die mit den Empfindungen des Tast- und Ge-
sichtssinnes sich verbindenden, die Beziehung dieser Empfindungen zu
stimmten Erregungsstellen ausdrückenden psychischen Bedingungen räumlicher
Anschauungen. Die der L. hat LOTZE begründet (Medizinische Psycho!.,
1852, S. 296 ff.). Nach HELMHOLTZ sind sie die „Momente in der Empfindung,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften