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382 Lügner — Lust.
durch welche wir die Reizung einer Stelle von der aller übrigen
unabhängig von der Quantität und Qualität der Empfindung, über deren
nähere Beschaffenheit wir jedoch nichts wissen" (Physiol. Optik, S. 539, 797; 3.
1909 f., Vorträge u. Reden, 1903, 332, 394). Nach WUNDT hängen die Lokal-
zeichen wahrscheinlich von den von Punkt zu Punkt wechselnden Struktur-
eigentümlichkeiten der Haut ab. Aus der Verschmelzung „qualitativer" und
„intensiver" L. mit den Gesichtsempfindungen entsteht die Raumvorstellung.
Die „komplexen" L. bestehen aus lokalen Empfindungsunterschieden und Be-
wegungsempfindungen (Grdz. d. phys. Psychol., II5, 1903, Grundr.
d. Psychol., 1902, S. 154 ff.). Vgl. R. Philos. Monatshefte, 1885;
HÖFFDING, S. 275 f.; 4. A. 1908; LIPPS, Grundtatsachen des Seelen-
lebens, 1883, S. 472 ff.; KÜLPE, Grundr. d. Psychol., 1893, S. 384 ff.; E. ACKER-
KNECHT, Die Theorie der Lokalzeichen, 1904; A. MICHOTTE, Les signes regio-
naux, 1905. — Vgl. Raum.
Lügner heißt ein dem EUBULIDES von Megara zu-
geschriebener Trugschluß. Wer ein Lügner ist und erklärt: ich lüge jetzt,
der ein Lügner oder nicht? („Si dicis, te mentiri, verumque dicis, mentiris;
dicis te mentiri, verumque mentiris igitur"; CICERO, Acad. quaest.
IV, 29, 30). Oder: EPIMENIDES von Kreta sagt: Alle Kretenser lügen. Also
lügt er. Also sagt er die Wahrheit. Also sind alle Kretenser Lügner. Also
auch Epimenides. Also lügt er (vgl. Diogen. Laert. 119; ARISTOTELES,
De sophist. elench. 25, 180 a 35; CICERO, De divinatione II, 4). VgL Wahrheit.
Lallische s. Ars magna.
Lumen naturale: natürliches Licht, natürliches, ursprüngliches, an-
geborenes, dem Menschen von Gott verliehenes Erkenntnisvermögen. Vom
„naturae spricht schon CICERO disput. III, 1, 2). Nach
AUGUSTINUS ist die eingeborene Vernunft das „Licht der Seele". THOMAS
unterscheidet das „1. naturale" vom „1. supernaturale", von der durch die
Offenbarung bewirkten Einsicht; er spricht vom „1. rationis", durch welches
wir die Prinzipien der Dinge einsehen (De veritate 11). Nach DESCARTES ist
alles, was wir durch das „natürliche Licht" klar und deutlich einsehen, ab-
solut gewiß und wahr (Meditat III; Princip. philos. I, 30; Respons. ad IL
obiection.; Regulae ad directionem ingenii; Inquisitio veritatis per
naturale, in: Opera posthuma, 1701). Nach PASCAL beruht die mathematische
Erkenntnis auf dem „natürlichen Licht" (Pensees, 1669 u. ö.). Vgl. LEIBNIZ,
Nouv. Essais I, K. 1, § 21; E. SARDEMANN, Ursprung und Entwicklung der
Lehre vom lumen rationis . . ., 1902.
Lust voluptas) ist eine der Grundrichtungen des Gefühls (s.
Sie ist ein positiver Zustand, nicht bloß durch Abwesenheit von Unlust be-
dingt, also nichts Negatives, nicht bloß Mangel oder Aufhören einer Unlust
(wie SCHOPENHAUER, Parerga II, § 150, meint), sondern an bestimmte Emp-
findungen, Erregungen, Betätigungen geknüpft. Sinnliche L.
ist Lust, die sich an Empfindungen und Triebe knüpft, im Unterschiede von
den Lustgefühlen, die durch Vorstellungen, Gedanken, Urteile usw. ausgelöst
wird. Die ästhetische Lust ist reines, vom Begehren freies Gefühl, ist Lust
am Schauen und Schauensinhalt als solchen, nicht Lust zu etwas. Die L. ge-
hört zu den Triebfedern des Handelns, ist aber nicht immer, wie der Hedonis-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften