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Handwörterbuch der Philosophie
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388 Materie. räumlich-zeitlichen Phänomene, die den Raum erfüllende Substanz (s. d.), der als beharrlich gedachte der Veränderungen räumlicher Objekte. Die M. ist kein empirisch gegebenes Ding, sondern ein Begriff, mittelst dessen das Denken die Mannigfaltigkeit von Inhalten der „äußeren", sinnlich vermittelten Erfahrung auf eine konstante Einheit als Ausgangspunkt zurückführt, sie „kategorial" verarbeitet; sie ist ein dem Zwecke der Erkenntnis dienender „Hilfsbegriff", eine bleibende „Hypothese", ein Begriff, der eine feste Be- dingung der Naturerkenntnis bildet, aber seinem besondern Inhalte nach einer Entwicklung und Fortbildung unterworfen ist. Man kann sich die Beschaffen- heit der M. verschieden denken, sie schließlich als bloßes „Kraftzentrum" oder als Ausgangspunkt von „Energien" bestimmen, — stets bedarf das Denken der exakten Naturwissenschaft konstanter Substanzelemente als Bestandteile der Materie, des im Wechsel des Geschehens bleibenden Substrats. Die M. be- steht nicht als besonderes Wesen, sondern ist das Beharrende in den Dingen selbst, mag sie nun als stetig den Raum erfüllend oder als aus Atomen (s. d.) bestehend gedacht werden. Materie und Kraft (s. d.) sind nicht zwei mit- einander verbundene Wesenheiten, sondern ebendasselbe, was hinsichtlich seiner Raumerfüllung und Widerstandsfähigkeit Materie ist, ist Kraft, sofern es, in Beziehung zu anderer Materie, als widerstandsfähig gedacht wird. theoretisch betrachtet ist die M. nicht das „Ding an sondern die Art und Weise, wie das Wirkliche vom Standpunkte der äußeren Erfahrung und der ihr gemäßen Erkenntnis zweckmäßig gedacht werden muß; materiell sind die Dinge also nur als „Erscheinungen" (s. d.), als Gegenstände möglicher Er- fahrung, also nicht an sich und auch nicht in ihrem unmittelbaren Für- sichsein, nicht als Inhalt der unmittelbaren, psychologischen Erfahrung (vgl. Psychisch, Körper). Das Bedürfnis, einen Stoff als feste Grundlage der Modifikationen und Veränderungen der Dinge anzunehmen, tritt schon früh auf, bei den jonischen „Physikern" THALES (Wasser als Grundstoff), ANAXIMANDER (S. Apeiron), ANAXIMENES (Luft), HERAKLIT (Feuer); sie alle sind „Hylozoisten" (s. d.). Eine qualitative Elementenlehre (s. d.) stellen EMPEDOKLES und ANAXAGORAS (s. Homöomerien) auf, während die Atomistik eines DEMOKRIT und (später) EPIKUR nur quantitativ-geometrisch bestimmte Atome (s. d.) als materielle Elemente annimmt. PLATON vergleicht die M. mit dem Stoffe, den die Handwerker gestalten; sie ist gestaltlos, aber gestaltbar, formempfänglich in ihr wird alles (kv co Sie ist qualitätslos, ohne Be- stimmtheit, ein relativ nicht Seiendes eine Art Raum (yevog sie ist unwahrnehmbar, aber auch nicht positiv-bestimmt denkbar, sondern nur durch einen unechten Schluß anzusetzen (Timaeus 48 E ff.). ARISTOTELES rechnet die M. zu den Prinzipien der Dinge und stellt sie der Form (s. d.) als bloße Möglichkeit (Potenz, dvvapiig) des Seins gegenüber ov), als das empfangende, „weibliche" Prinzip. Die M. ist ohne Be- stimmtheit und aber der Gestaltung fähig, die Grundlage, das Substrat des Werdens. Die noch ungeformte Urmaterie existiert nur begrifflich, da jede gegebene Materie schon irgendwie geformt ist und nur im Verhältnis zu einer weiteren Form Materie ist (z. B. Marmor in bezug auf eine Statue). Allen Dingen hegt die- selbe M. zugrunde. Alles Werden ist Übergang der M., des potentiellen Seins, in Form. Reine Form ohne Stoff (ohne ist nur Gott (Metaphys.
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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