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Handwörterbuch der Philosophie
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390 Materie. scheinung", als Gegenstand möglicher Erfahrung. Die M. ist die Form, in welcher wir das Mannigfaltige der sinnlichen Erfahrung verknüpfen und das Veränderliche auf eine beharrende Einheit im beziehen. Wir müssen a priori voraussetzen, daß bei allem Wechsel der Erscheinungen die Substanz (s. d.) beharrt und daß das Quantum derselben in der Natur weder vermehrt noch vermindert wird. Denn die Einheit der Erfahrung wäre nicht möglich, „wenn wir neue Dinge (der Substanz nach) wollten entstehen lassen". „Denn alsdann fiele dasjenige weg, welches die Einheit der Zeit allein vorstellen kann, nämlich die Idee des Substratum, als woran aller Wechsel allein durch- gängige Einheit hat" (Krit. d. rein. Vern., 1. Analogie). Die Materie (als Er- scheinung) bestimmt KANT dynamisch, als das „Bewegliche, sofern es einen Raum erfüllt" und zwar „repulsive Kräfte aller ihrer Teile, d. i. durch eine ihr eigene Ausdehnungskraft". Materie, d. h. ein bestimmter Grad der Erfüllung des Raumes, wird konstituiert durch „eine ursprüngliche Anziehung im Konflikt mit der ursprünglichen Zurückstoßung". Die Quantität der M. bleibt im Ganzen konstant (Metaphys. Anfangsgründe der Naturwissensch., 31 ff.). — Als Produkt der Erscheinung von Kräften fassen die M. auf Bos- COVICH, LICHTENBERG, FARADAY, SCHELLING (Ideen zur Naturphilos. I, 239 ff.), HEGEL (Die M. ist „nur dies, Widerstand zu leisten"), ULRICI, FORTLAGE, CAR- HARMS, E. V. HARTMANN („System von Atomkräften mit gewissem Gleich- vgl. Die Weltanschauung der modernen Physik, 1902, S. DREWS, v. SCHNEHEN, SPICKER, J. SCHULTZ (Die Bilder von der Materie, 1905, S. 18 ff.), CASPARI, F. ERHARDT, ADICKES U. a. (vgl. Atom, Dynamisch). — Als Erscheinung eines nicht selbst materiellen „An sich" betrachten die M. SCHELLING, HEGEL (vgl., Enzyklop., § 261; Naturphilos.2, S. 41 f., 67), SCHOPENHAUER, nach welchem sie die „Sichtbarkeit" des „Willens" (s. d.) ist, „dasjenige, wodurch der Wille, der das innere Wesen der Dinge ausmacht, in die Wahrnehmbarkeit tritt" als Wüle u. Vorstellung I. Bd., § 4; IL Bd., K. 24), HERBART, nach welchem sie durch partielle Durchdringung der „Realen" (s. d.) entsteht (als „objektiver Schein"; vgl. Allgem. Metaphys. II, § 264 ff.), BENEKE, LOTZE, J. H. FICHTE, WYNEKEN, F. ERHARDT, L. BUSSE, S. SCHILLER, BECHER U. a. F. A. LANGE, FECHNER, PAULSEN, WUNDT, KÜHTMANN (vgl. Spiritualismus, Voluntarismus) u. a. — Nach A. RIEHL ist sie die phänomenale Substanz im (Der philos. Kritizismus II 1, 274 f.), die „Vorstellungsart von Dingen durch die äußeren Sinne" (Zur in d. Philos., 1903, S. 148 f.; 3. A. 1908). Nach WUNDT ist die M. eine bleibende Hypothese, durch die wir das Wirkliche vom Standpunkt „mittelbarer Er- kenntnis" als „Sitz der Kräfte oder Energien" auffassen. In den ursprünglichen Bedingungen der Naturerkenntnis liegt die Aufgabe, die Natur als ein System be- harrender Substanzelemente zu begreifen (Logik 537 ff.; 3. A. 1906/08; System d. Philos. I3, 1907, 343 ff.; Als ein Denkmittel fassen die M. auf E. KÖNIG (Die Materie, S. 22 ff.), B. KERN (Das 1911, S. 73 f.; Das Problem des Lebens, 1909, S. 234 ff.); LIPPS (Naturwissen- schaft u. Weltanschauung, 1907, S. 28 ff.) u. a.; im Sinne des kritischen Idealismus (s. d.) COHEN, NATORP (Die logischen Grundlagen der exakten Wissen- schaften, 1910), CASSIRER, BAUCH U. a. (s. Körper). — Bloß eine zweckmäßige „Fik- tion" ist die M. nach VAIHINGER (Die Philos. des Als ob, 1911), ein „Gedanken- symbol für Empfindungen", ein bloßer Zusammenhang von „Elementen" (s. d.) nach E. (Populärwissensch. Vorles., S. 230; 4. A. 1910), PETZOLDT U. a.; vgl.
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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