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Menge — Mensch.
bedingungen (Dispositionen, Assoziationen, Vorstellungsreihen). Vgl.
mechanisches, judiziöses (logisches) und ingeniöses Memorieren KANT,
pologie, § 31; HAGEMANN, Psychologie8, 1911; OFFNER, Das
1911, S. 140, 179 f., 218 ff. (daselbst auch Literatur). Vgl. Gedächtnis, Mne-
motechnik, Reproduktion.
Menge ist ein Inbegriff unterschiedener Einheiten, Objekte. Vgl. BOL-
ZANO, Paradoxien des Unendlichen, 1850; G. CANTOR, Gesammelte
lungen, f. (über den Begriff der „Mächtigkeit"); C.
Terminologie des Endlichen und Unendlichen, in: Natur und Offenbarung,.
54. Bd., 1908. — Vgl.
Mensen ist der höchstentwickelte, die größte Differen-
zierung mit größter Zentralisierung der Organe und Funktionen vereinigende,
ein Maximum von „Selbstregulation" aufweisende Organismus, der durch seine
spezifisch und individuell gerichteten, aufgespeicherten Kräfte und Energien
der Umwelt am selbständigsten gegenübersteht und, je weiter er sich ent-
wickelt, in desto höherem Maße die Umwelt sich, seinen Bedürfnissen und
Zwecken aktiv anpaßt, durch seinen Geist, welcher ihn allen anderen
überlegen macht, ihn das, was ihm die Natur versagt hat, durch Erfindungen,,
Entdeckungen, durch Herstellung von Kulturgebilden Art, durch
Technik selbständig erwerben läßt, wobei der Geist und die Gehirn struktur selbst
immer mehr verfeinert. Seine Errungenschaften verdankt der
ferner dem sozialen Zusammenleben, welches ihn erst seine Bestimmung
füllen läßt. Was den Menschen im Einzelnen vor den Tieren auszeichnet, ist
der Besitz einer artikulierten Sprache, welche als Ausdruck lebendiger
danken dient, die Fähigkeit des begrifflichen, abstrakten Denkens, des
bewußt wählenden Vernunftwillens, der Entscheidung nach logischen Er-
wägungen, der bewußt-aktiven Anstrebung und Verwirklichung von
der Lebensgestaltung nach Ideen, des vollen, eigentlichen Selbst- und Welt-
bewußtseins, die Reflexionsfähigkeit, die Persönlichkeit (s. d.). Aus dem
der Natur hervorgegangen, als ein Produkt biologischer und
Entwicklung, erhebt sich der Mensch durch sein Wissen und Wollen über
Natur außer ihm, als eine „höhere Natur", als neues, selbständiges,
risch gestaltendes, eine neue (des der Kultur) erbauendes
zentrum, als Aufgipfelung von Potenzen, die in anderen Wesen nicht oder
teilweise und einseitig sich entfalten, als Hinausstreben über alle
sierung (vgl. Leben: BERGSON U. a.). Der M. ist Leib und Seele (s. d.),.
Körper und Geist (s. d.) in Einem: in unmittelbarster Betrachtung ist er
von „außen" erfaßt Körper; Geist im engeren Sinne ist er als
wollende Einheit. Die menschlichen Potenzen entfalten und steigern sich
Verlaufe der geschichtlichen Entwicklung, in welcher die Menschheitsidee sich
verwirklicht (s. Humanität). Allmählich erst kommt der M. zum Bewußtsein
der Menschlichkeit und zur „reinen Menschheitsidee" als bewußter Norm
Sittlichen (s. d.).
Als „politisches", d. h. soziales Wesen charakterisiert den
ARISTOTELES I 2, 1253 a 7). Das Juden- und Christen-
tum erblickt im M. ein Ebenbüd Gottes. Daß die Idee der Menschheit
in Gott besteht, lehren die Gnostiker, JOH. SCOTUS ERIUGENA,
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften