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Monismus.
Wirkliche zugleich materiell und psychisch ist (vgl. Hylozoismus).
naturalistisch-evolutionistische M. ist der Monismus im engeren.
Sinne, wie ihn STRAUSS, SPENCER, HAECKEL U. a. vertreten (s. unten). Dem
Monismus der Substanz tritt zur Seite ein „Monismus des Geschehens"
von W. JERUSALEM), nach welchem die Mannigfaltigkeit der Dinge auf
einheitliches Geschehen, Werden (s. d.), bzw. auf einen Zusammenhang
„Erlebnissen" zurückgeführt wird (vgl. Aktualismus, Element; E.
H. GOMPERZ U. a.). — Außer der Frage: was ist das Seiende? gibt es
noch ein weiteres Problem, welches „monistisch" gelöst werden kann, nämlich
die Frage: ist das absolut Wirkliche eines oder eine Vielheit von
So bedeutet (im Sinne des „Singularismus": KÜLPE) auch
Annahme, daß die Einzeldinge nur Modifikationen eines universalen, einzigen
Seienden oder nur Momente eines Prozesses sind (vgl. Gott, Pantheismus),
zum „Pluralismus" (s. d.). Es gibt ebenso einen singularistischen
(SPINOZA, HEGEL, SCHOPENHAUER U. a.) wie einen pluralistischen
(DEMOKRIT, LEIBNIZ, HAECKEL U. a.), sowie einen vermittelnden Standpunkt
(LOTZE u. a.), anderseits aber auch einen monistischen (LEIBNIZ U. a.)
dualistischen (DESCARTES U. a.) Pluralismus. — Endlich heißt
M. die Zurückführung des Zusammenhanges und der
lichkeit des Geschehens auf ein Prinzip, sei es auf bloße (etwa
Kausalität („Kausalismus", „Mechanismus") oder auf universale Finalität
(s. Zweck). — Die Zurückführung der Gegensätze, die sich dadurch
geben, daß die Erkenntnisweise der äußeren Erfahrung von der der innern
(unmittelbaren) abweicht, den Ausgangspunkt beider die
erfahrung bildet, auf eine Einheit ist berechtigt, wenn beide
punkte des Erkennens zur Geltung kommen, der Primat des Bewußtseins (s. d.)
nicht vergessen, die Bedingtheit aller Erkenntnis durch die Gesetzlichkeit
erkennenden Bewußtseins beachtet, die Einseitigkeit und der abstrakte
der quantitativ-mechanistischen Naturerklärung eingesehen wird,
welcher allerdings allem Dualismus gegenüber die Einheitlichkeit des
Seins und Geschehens, die Geschlossenheit des kausal-gesetz-
lichen Zusammenhanges, der kein Eingreifen übernatürlicher oder see-
lischer Agenzien konsequent zu betonen ist (vgl.
Geist, Seele, Parallelismus, Panpsychismus, Natur). Auch
ist Einheitlichkeit in den Prinzipien und Methoden des Denkens, Erkennens,
des individuellen und sozialen Handelns, der gesamten Kulturtätigkeit,
Unabhängigkeit dessen, was dem Wissen und der Wissenschaft angehört, vom
Glauben (s. d.) ein berechtigtes Postulat (vgl. Kritizismus, Einheit).
kommt zuerst bei CHR. WOLFF vor („Monistae — qui
substantiae genus admittunt", Psychol. ration. § 32).
Betreffs der verschiedenen Arten des M. und deren Vertreter vgl.
lismus, Spiritualismus, Identitätsphilosophie, Prinzip, Pantheismus u. a.
Monistische Anschauungen finden sich in der indischen (vgl.
Allgem. Philos., 1894 ff.) und (TSCHEU-TSE,
vgl. P. Chinese Philosophy, 1902) Philosophie, ferner im griechischen
Hylozoismus (s. d.), bei THALES, HERAKLIT,
(s. Gott), PARMENIDES, DEMOKRIT (S. Atom), EPIKUR, LUCREZ (De rerum natura,
deutsch in der bei den Stoikern (s. AMALRICH VON
BENES und DAVID VON DINANT (S. Gott), U. a. (s. Gott). —
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften