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Monismus.
BRUNO ist Gott (s. d.) eins mit der Natur (s. d.), die Einheit aller
Dinge. In allem ist die gleiche Kraft, der gleiche Stoff, in allem ist Leben
der Ursache, vom Prinzip und vom Einen, deutsch von Kuhlenbeck,
1905). Einen pantheistischen M. begründet auch SPINOZA, nach welchem
und Körper Attribute der göttlichen „Substanz" (s. d.) sind, deren
Modifikationen die Dinge (s. d.) bilden. Gott (s. d.) ist eins mit der schaffen-
den Natur (s. d.). Den M. vertreten LEIBNIZ (S. Monaden),
BERKELEY (S. Geist, Materie) u. a., während HOBBES, J. TOLAND,
LAMETTRIE, CABANIS U. a. Materialisten, DIDEROT, U. a. Hylozoisten
Nach HERDER sind die Dinge „modifizierte Erscheinungen göttlicher
Kräfte". In Gott ist die ist „ein Ausdruck, eine Erscheinung seiner ewig
lebenden, ewig wirkenden Kräfte". Alle Materie ist belebt, krafterfüllt (WW.
hrsg. von Suphan, 1877 ff.; SIEGEL, H. als Philosoph, 1908). Nach
GOETHE ist die Natur (s. d.) in Gott, Gott in der Natur, die „nach ewigen,
notwendigen, göttlichen Gesetzen" wirkt. Gott ist die Weltseele, kein von
außen stoßendes Wesen. Alles Wirkliche ist Materie, Kraft und Geist in
Einem („die Materie nie ohne Geist, der Geist nie ohne Materie"; vgl. WW.,
Hempelsche HEYNACHER, G.S Philosophie aus seinen Werken, 1905).
Die Identitätsphilosophie (s. d.) vertreten SCHELLING, SCHOPENHAUER U. a., in
idealistischer Weise HEGEL (S. Geist, Idee), idealistisch-psychistisch FECHNER,
PAULSEN, ADICKES, MÖBIUS, LASSWITZ, HEYMANS, BR. WILLE, W. PASTOR,
KÜHTMANN, J. SCHULTZ, WUNDT (S. Voluntarismus), STRONG, L.
FOUILLEE u. a. Einen idealistischen M. lehren auch E. v. HARTMANN (S. Un-
bewußt), dessen „konkreter Monismus" das Eine durch die Vielheit seiner Funk-
zu einer Vielheit von Individuen sich konkreszieren läßt, A. DREWS (Der
Monismus, 1908; mit anderen), BAHNSEN, MAINLÄNDER, R.HAMERLING,E. HOR-
NEFFER, LIPPS, KERN, EBBINGHAUS a. des psychophysischen M.sind
PREYER, GEIGER, ROSENTHAL, W. H. PREUSS,NAEGELI, O.CASPARI,
ZÖLLNER, SACK, FOREL, W. HAACKE, W. BÖLSCHE, J. G.VOGT, KOLTAN, PAULY,
FRANCE, H. SCHMIDT, KADO (Entwicklung, 1909), UNOLD, M. BRUNNER U. a.
Nach E. HAECKELS „Monismus" liegt allen Dingen (die aber aus Atomen bestehen)
einzige (s. d.) zugrunde, deren Attribute Materie und Geist
Energie) oder Materie, Kraft „Psychom" sind. und Gott
bilden eine einzige Substanz, sind eins. Die Atome besitzen Empfindung
und Streben („Tropesis"), aber noch kein Bewußtsein. Alles in
wird vom beherrscht, dem Grundgesetz von der Er-
haltung des Stoffes und der Kraft, das zugleich das universale Entwicklungs-
gesetz ist. Alles geschieht streng notwendig, gesetzmäßig, mechanisch; es gibt
Zweckursachen, keine der Mensch ist nur ein Teil der
Natur, und ihren Gesetzen unterworfen (Der Monismus als Band zwischen
Religion U.Wissenschaft, 1893; Die Welträtsel, 1899; Volksausgabe, 1908;
Die Lebenswunder, 1904, Monismus und Naturgesetz, 1906). Der unter der
Ägide HAECKELS 1906 begründete „Monistenbund" will für eine „einheitliche, auf
Naturerkenntnis gegründete und Lebensanschauung" wirken, lehnt alles ab,
was die Geschlossenheit der Weltanschauung durchbricht, also
jedes Heranziehen übernatürlicher Faktoren, jede Einmischung kirchlicher Dogmen
in die schließt aber eine religiöse Gesinnung nicht aus (KALT-
HOFF, F. STEUDEL, B. WILLE U. a.). Er steht jetzt unter der Leitung des
W. OSTWALD und zählt Monisten verschiedenster Richtung zu
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften