Page - 423 - in Handwörterbuch der Philosophie
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— Mystik.
gegenseitige Hilfe, welche Lebewesen einander leisten
(Symbiose, Herdenleben usw.); sie hält dem „Kampf ums Dasein" vielfach das
Gegengewicht oder erleichert den Kampf bestimmter Arten mit anderen. Vgl.
P. KROPOTKIN, Gegenseitige Hilfe der Entwicklung, 1904; R. GOLDSCHEID,
Höherentwicklung und Menschen Ökonomie I, 1911, S. 116 ff. (s. Organismus).
verborgen, geheim) ist die Lehre, daß die Gottheit, das
Göttliche, Absolute, Unendliche sich unmittelbar durch eine höhere Art
der „Intuition" (s. d.), der gefühlsmäßig-anschaulichen Versenkung in das
Übersinnliche, welches in der Tiefe des eigenen Gemütes des Erkennenden zum
Durchbruch kommt, erfassen lasse. Im Zustande der Ekstase (s. d.), des Hinaus-
gehens über alles Sinnliche und Verstandesgemäße, Begriffliche, über alle
Gegensätze und Unterschiede des Gegebenen fühlt sich der Mystiker eins mit
dem göttlichen Unendlichen, mit dem er sich liebevoll vereinigt. Der
Mystiker schaut (in der Phantasie) sich und die Dinge in Gott, im Unend-
lichen, Einen und fühlt sich und die Dinge vom göttlichen Leben durch-
strömt; durch eine (vermeintlich) höhere Art der inneren Erfahrung erfaßt er
das Göttliche als etwas seinem und der Dinge Wesen Immanentes, Ein-
wohnendes.
Die M. tritt in verschiedenen Formen auf, bald theosophisch, bald mehr
es gibt eine heidnische und eine christliche M,,
aber fast allen Mystikern ist der Zug zum Pantheismus gemein. Mystiker gibt
es in der indischen Philosophie, mystischen Charakter hat ferner der
der im Mittelalter bei AREOPAGITA (Pseudo-Dio-
nysius), JOHANNES SCOTUS ERIUGENA, DIETRICH V. FREIBURG U. a. nach-
wirkt. Christliche Mystiker im engeren Sinne sind BERNHARD VON
VAUX, RICHARD und HUGO von ST. VICTOR, BONAVENTURA, RAYMUND VON
SABUNDE, J. GERSON, N. CABASILAS U. a. Christlich und zum Teil panthei-
sierend ist die M. eines Meister ECKHART, TAUBER, SUSO, RUYSBROEK U. a.
Naturalistisch wird die M. bei PARACELSUS, G. BRUNO U. a., wieder mehr
christlich gefärbt bei J. BÖHME, R. FLUDD, V. WEIGEL, C. SCHWENK-
FELD, SEB. FRANCK, ANGELUS SILESIUS, MOLINOS, SWEDENBORG, ST. MARTIN,
GÖRRES u. a. Mystische Elemente finden sich in den Lehren von PLATON, MALE-
BRANCHE, SPINOZA (S. Liebe), PASCAL, SCHELLING, BAADER, KRAUSE, SCHLEIER-
MACHER, SCHOPENHAUER, FECHNER, G. LANDAUER (Skepsis u. Mystik, 1903),
DU PREL, R. (Das Christentum als mystische Tatsache; Die Mystik
im Anfange neuzeitlichen Geisteslebens) u. a.; BERGSON (S. Intuition), JAMES,
SSOLOWJOW, N. LOSSKIJ (s. Intuitivismus), MAETERLINCK U. a. Vgl. HEIN-
ROTH, Geschichte u. Kritik d. Mystizismus, PFEIFFER. Deutsche Mystiker
des 14. Jahrhunderts, 2. A Die 1835; GÖR-
RES, Die christliche PREGER, Geschichte der deutschen M. im Mittelalter,
MERX, Idee u. Grundlinien einer allgemeinen Geschichte der M.,
LANGENBERG, Quellen u. Forschungen zur Geschichte der deutschen M.,
W. SCHULTZ, Altjonische Mystik, JOEL, Der Ursprung der Naturphilo-
sophie aus dem Geiste der Mystik, 1907; E. LEHMANN, M. im Heidentum u.
Christentum, 1908; DELACROIX, Etudes et de psychologie du
1908; PACHEU, Psychologie des mystiques, 1909; SHARPE, Mysticism,
1910; DU PREL, Die Philos. d. Mystik2, 1910; Suso, Deutsche Schriften,
1911; ECKHART, Schriften u. Predigten, 1903—11. — Theologia deutsch, hrsg.
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften