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424 Mythus — Nachahmung.
von Pfeiffer, 1901. Vgl. Gott, Liebe, Okkultismus, Theosophie,
Kabbala.
Rede, überlieferte Erzählung) ist die, einen Bestandteil
der auf bestimmter Entwicklungsstufe stehenden Religion bildende, phantasie-
mäßige, anthropomorphe, auf „personifizierender Apperzeption" und „Introjek-
tion" (s. d.) beruhende Lebens- und Naturauffassung, Naturdeutung. Im
Mythus, der ein Produkt der Phantasie ist, aber auch eine eigenartige Logik
enthält, liegt die primitive Weltanschauung, gleichsam die „Protophilosophie"
vor; aus dem Mythus, zum Teil aber im Gegensatz des erstarkenden begriff-
lichen Denkens hervorragender Persönlichkeiten zur phantasievoll -
pomorphen Auffassung desselben, haben sich Wissenschaft und Philosophie
entwickelt. An der Ausgestaltung der Mythen selbst, die im Ganzen Erzeug-
nisse des Gesamtgeistes sind, sind Persönlichkeiten (Priester, Dichter) beteiligt;
immer aber ist das soziale Zusammenleben von Einfluß auf die Mythenbildung.
Die vergleichende Mythologie (bzw. vergleichende Religionswissenschaft) zeigt
das Gemeinsame in der Mythenbildung bei oft ganz verschiedenen Völkern;
ein gewisser Einfluß des Naturmilieu ist zu verzeichnen. Die Entwicklung des
Mythus bringt in das Naturhafte ethische Elemente hinein, die ebenfalls ihre
mythische Projektion erhalten. Vgl. J. H. Voss, Mythologische Briefe, 1794;
Symbolik u. Mythologie der alten Völker, 1810—12; 2. A. 1829;
LOBECK, 1829; SCHELLING, WW. II, 1—2; M. MÜLLER, Essays
1869; Einleit. in die vergleichende Religionswissenschaft, 1874; BREAL,
de mythologie et de linguistique, 1877; A. LANG, and
1890; USENER, Religionsgeschichtliche Untersuchungen, 1888; Götternamen,
1896; A. BASTIAN, Allgemeine Grundzüge der Ethnologie, 1884; E. RHODE,
Psyche, 1890—93; 3. A. 1903; STEINTHAL, M. und Religion, 1870; F. SCHULTZE,
Psychologie der Naturvölker, 1900; VIGNOLI, M. und Wissenschaft, 1880;
W. BENDER, Mythologie und Metaphysik, F. LIPPS, Mythenbildung u. Er-
kenntnis, 1907; WUNDT, Grundriß d. Psychologie5, 1902, S. 367 ff.; Völkerpsycho-
logie IV, 1, 2. A. 1911; Elemente der Völkerpsychologie, 1911. Archiv für
Religionswissenschaft, 1904 ff. Vgl. Religion, Animismus, Kosmogonie.
Nachahmung imitatio) ist Nachbildung von Objekten
durch genaue Darstellung derselben, ferner die Reproduktion, Wiederholung
fremder Handlungen, fremden Verhaltens durch ein entsprechendes Verhalten
seitens des Nachahmenden, hervorgerufen durch die Gefühlsbetonung des Vor-
oder das Interesse an der Vorstellung. Der „Nachahmungstrieb"
ist bei manchen Tieren und beim Menschen, besonders beim geistig
noch unentwickelten, mehr oder minder stark vorhanden. Die
zu einer imitativen Bewegung ist mit jeder Vorstellung einer solchen
verbunden (STRICKER, EBBINGHAUS U. a.). Die N. kann unwillkürlich
oder willkürlich erfolgen, sie tritt oft reflexartig auf, mindestens als Nach-
(Ansätze zu imitativen Bewegungen, Gebärden usw.). Die
Lust an der N. spielt eine Rolle in der Kunst, die aber über bloße, sklavische
N. hinausgeht, indem sie „komponiert", „konzentriert", „typisiert", „idealisiert".
Die N. ist eine wichtige sozialpsychische Erscheinung, sie ist von Bedeutung
für die Entwicklung und Ausbreitung von Sitte, Sittlichkeit, Mythus, An-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften