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Naturwissenschaften.
ist die Weise, wie die Gesetzmäßigkeit des (an sich qualita-
tiven, geistigen) Wirklichen in der räumlichen Sprache der N. sich ausnimmt
(Naturwissenschaft u. 1907; Philosophie u. Wirklichkeit,
1908; Naturphilosophie in: Die Philos. im Beginne des 20. Jahrh., hrsg. von
Windelband II2, 1907). Nach WUNDT betrachtet die N. die Objekte der Er-
fahrung in ihrer vom Subjekt unabhängig gedachten Beschaffenheit, also als
„Inbegriff reiner Objekte und ihrer äußeren Relationen" (Philos. Studien XIII,
406). Ihre Erkenntnis ist eine mittelbare oder „an Stelle der un-
mittelbaren Erfahrungsobjekte bleiben ihr die aus diesen Objekten mittelst der
Abstraktion von den subjektiven Bestandteilen unserer Vorstellungen ge-
wonnenen Begriffsinhalte". Diese Abstraktion macht stets zugleich „hypothe-
tische Ergänzungen der Wirklichkeit" erforderlich (Grundriß d. Psychol.5, 1902,
S. Grdz. d. physiol. Psychol. IIP, 1903, System d. Philos.
16); vgl. DILTHEY, Einleit. in d. Geisteswissensch. I, 1883, 36; MÜNSTER-
BERG (s. Geisteswissenschaft, die M. als von der „objek-
tivierenden" Wissenschaft, zu der nach ihm auch die Psychologie gehört, unter-
scheidet).
Die Unterscheidung von Natur und Geisteswissenschaften (s. d.) wollen
WINDELBAND und RICKERT durch den Gegensatz: „nomothetische" Gesetzes-
und Ereigniswissenschaften (WINDELBAND, Geschichte u. N.,
1894, S. ff.; Präludien3, S. 355 ff.), bzw. Natur- und Geschichtswissen-
schaften (bzw. Kulturwissenschaften; s. Geschichte) ersetzen (RICKERT, Die
Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, 1896, 1902; Kulturwissen-
und 1910). Die N. hat, nach RICKERT, das Allge-
meine und Gesetzliche, nicht das Individuelle, Einmalige, von dem sie ab-
strahiert, zum Gegenstand, sie will die Unendlichkeit der unmittelbaren, an-
schaulichen, konkreten Wirklichkeit durch allgemeine Begriffe überwinden, die
Wirklichkeit durch ein (für sie geltendes) System abstrakter Gesetzlichkeiten
ersetzen, bestimmen. Alles kann sowohl naturgesetzlich als historisch betrachtet
werden. Vgl. A. VANNERUS, A. WAGNER, Grund-
probleme der N., P. VOLKMANN, Erkenntnistheoret. Grundzüge der N.,
1896; 2. A. 1910; E. MACH, Erkenntnis und 1906; Populärwissen-
Vorlesungen4, 1910; STALLO, Die u. Theorien der modernen
Physik, 1901; KLEINPETER, Die Erkenntnistheorie der N. der Gegenwart, 1905;
POINCARE, Wissenschaft u. Hypothese, 1906; VERWORN, N. und Weltan-
schauung, 1904; E. BECHER, Philos. Voraussetzungen der exakten N., 1907;
REINKE, Vorträge, 1908; A. LADENBÜRG, Der Einfluß
der N. auf die Weltanschauung, 1903; K. FRENZEL, Über die Grundlagen der
exakten N., 1905; C. STUMPF, Philos. Reden u. Vorträge, 1910; DRIESCH,
Naturbegriffe u. Natururteile, 1904; L. NELSON, Ist metaphysikfreie N. mög-
lich? 1908; P. Die Voraussetzungen u. Methoden der exakten Natur-
forschung, 1909; ENRIQUES, Probleme der Wissenschaft, 1910; WUNDT, Logik
II8, 1907; F. AUERBACH, Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre2, 1906;
M. PLANCK, Die Einheit des wissenschaftlichen Weltbildes, 1909;
Das Weltbild der modernen N.2, 1908; G. ESSER, N. und Weltanschauung,
1905 (dualistisch-teleologisch); FRISCHEISEN-KÖHLER, Wissenschaft u. Wirk-
lichkeit, 1912, S. 147 ff. (Die naturwissenschaftlichen Begriffe gestatten die
Rückkehr zum Individuellen, da ihr Ziel darin liegt, dieses in gesetzmäßiger
Erzeugung erstehen zu lassen); A. MESSER, Einführung in die Erkenntnis-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften