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Objekt. 453
Begriff das Mannigfaltige einer gegebenen Anschauung ist." Da
alle Vereinigung der Vorstellungen „Einheit des Bewußtseins in der Synthesis
derselben" erfordert, so ist „die Einheit des Bewußtseins dasjenige, was allein
die Beziehung der Vorstellungen auf einen Gegenstand, mithin ihre objektive
Gültigkeit . . . ausmacht". Wir erkennen einen Gegenstand, wenn wir „in dem
Mannigfaltigen der Anschauung synthetische Einheit bewirkt haben". Der Be-
griff dieser Einheit ist die Vorstellung vom „Wenn wir unter-
suchen, was denn die Beziehung auf einen Gegenstand unseren Vor-
stellungen für eine neue Beschaffenheit gebe, und welches die Dignität sei, die
sie dadurch erhalten, so finden wir, daß sie nichts weiter tun, als die Ver-
bindung der Vorstellungen auf eine gewisse Art notwendig zu machen und sie
einer Regel zu unterwerfen; daß umgekehrt nur dadurch, daß eine gewisse
Ordnung in dem Zeitverhältnis unserer Vorstellungen notwendig ist, ihnen ob-
jektive Bedeutung erteilet wird." Erscheinungen (Vorstellungen) haben einen
d. i. transzendentalen dieser ist ein X, wovon
wir nichts wissen können, sondern das nur als „Korrelatum der Einheit der
Apperzeption zur Einheit des Mannigfaltigen in der sinnlichen Anschauung
dienen kann, vermittelst deren der Verstand dasselbe in den Begriff eines
Gegenstandes (Krit. d. rein. Vern., S. 118 ff., 232 ff., 662 f.). Die
Gegenstände als Erscheinungen sind uns im Fortschritt der Erfahrung ge-
geben, bzw. sie werden durch die Kategorie (s. d.) aus dem Stoff der An-
schauung gesetzmäßig erzeugt. Der „Verstand" ist es, der die
eines Gegenstandes überhaupt möglich macht, indem er jeder Erscheinung als
Folge „eine in Ansehung der vorhergehenden Erscheinungen a priori bestimmte
Stelle in der Zeit" zuerkennt Objektiv). Gegenüber dem empirisch-subjek-
tiven Idealismus betont KANT die „empirische Realität" der Gegenstände in
Raum und Zeit und die Korrelation von innerer und äußerer Er-
fahrung, wonach die Wahrnehmung meines eigenen Daseins zugleich ein un-
mittelbares Bewußtsein des Daseins von Dingen außer mir ist (Krit. d. rein.
Vern., S. 209). — Den kritisch-idealistischen Objektbegriff haben Kantianer
und „Neukantianer", von denen ein Teil das „Ding an sich" als selbständige
Realität fallen läßt. Nach H. COHEN ist Sinnesobjekt die „methodisch kon-
struierte Erscheinung" (Kants Theorie der S. 170). DieDinge sind
nicht als solche gegeben, sondern werden im unendlich fortschreitenden Prozeß
der Erfahrung methodisch-denkend erzeugt: „Keine Dinge anders als in und
aus Gedanken." Die Einheit des Urteils ist die „Erzeugung der Einheit des
Gegenstandes in der Einheit der Erkenntnis" (Logik, 1902, S. 56, 277 ff.; vgl.
Realität, Sein). Nach P. NATORP ist der Gegenstand nicht gegeben, sondern (als
„Aufgabe", Ziel) aufgegeben, er ist „stets Problem, nie Datum", er
„muß erst sich aufbauen aus den Grundfaktoren der Erkenntnis selbst" (Archiv
f. Philos. III, 197; 1904, S. 67 ff.; Die logischen
Grundlagen der exakten Wissenschaften, 1910, S. 16 ff.; vgl. Tatsache). Ähn-
lich CASSIRER (Jahrbücher der Philos. I, 1913), KINKEL U. a. (s. Kantianis-
— Daß die Objekte in Beziehung auf ein transsubjektives, logisches
überhaupt (transzendentales Bewußtsein) existieren, dem sie
immanent sind, wobei sie aber von dem psychologischen Subjekt unab-
hängig sind, lehren E. KÖNIG, K. LASSWITZ, LIEBMANN, RICKERT,
LANZ U. a.; vgl. R. REININGER (Philosophie des Erkennens, 1911), FRISCH-
EISEN-KÖHLER (Wissenschaft u. Wirklichkeit, 1912). — Nach WINDELBAND
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften