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Organempfindung — Organismus. 465
das Zusammenwirken aller Systemelemente bedingt ist. Durch funktionelle
Anpassung (s. d.) können Organe gestärkt und modifiziert werden. Im
weiteren Sinne spricht man auch von Organen der Gesellschaft, des Staates
Soziologie). Organisch innerlich verbunden, mit einer
Wechselwirkung, Koordination, Solidarität der Bestandteile eines lebendigen
Ganzen ausgestattet. Vgl. ARISTOTELES, De part. animalium I 5, 645 b
De anima 1, 412 a 28. — Vgl. Soziologie.
Organempfindung s. Gemeinempfindung.
Organisation: einheitlich-zweckmäßige, organische Verbindung und
Gliederung. Eine ist z. B. die menschliche Gesellschaft (vgl. Soziologie).
Als Quelle des Apriorischen (s. d.) betrachtet F. A. LANGE die „psycho-physische
Organisation".
Organische Auffassung des Alls als organisches,
durch innerliche Wechselbeziehungen verbundenes, lebendiges
Ganzes. In verschiedener Weise hegen eine solche Auffassung ARISTOTELES,
die Stoiker, PLOTIN, viele Renaissancephilosophen (PARACELSUS,
G. BRUNO U. a.), LEIBNIZ, HERDER, GOETHE, SCHELLING, KRAUSE, TREN-
DELENBURG, LOTZE, FECHNER, KEYSERLING, CHAMBERLAIN, JOEL (Seele u.
1912), BERGSON (S. Leben) u. a. VgL M. KREWER, Grundlagen einer
organischen Weltanschauung, 1912. — VgL Hylozoismus, Materialismus,
Zweck.
Organismus ist ein (aus hochzusammengesetzten chemischen Sub-
stanzen bestehendes) Ganzes von durch innige Wechselbeziehungen verbundenen
Bestandteilen, deren jeder ebenso das Ganze bedingt, wie er selbst durch das
bedingt wird; ein einheitliches Kräftesystem mit den Eigenschaften der
Selbsterhaltung im Stoffwechsel, der Regeneration, des Wachstums, der
Fortpflanzung, der Irritabilität (s. d.) und Sensibilität (s. d.), der Assi-
milation (s. d.), der spontanen Bewegung, der Selbstregulation, der Ent-
faltung von innen heraus aus Anlaß auslösender Reize, der Anpassung
an die Umgebung, der Differenzierung, Vererbung usw. Das Auszeichnende
des gegenüber dem Anorganischen liegt nicht im Besitz einer „Lebenskraft",
sondern in der spezifischen Art der Verbindung und Konfiguration der Teile,
des derselben, der (innern und äußern) Form des
Ganzen, von der die besonderen organischen Funktionen unmittelbar ab-
hängig sind. Durch diese Form, durch den Vorrat beständig sich erneuernder
Energien, durch die (individuell und generell gefärbte) Vorgeschichte (Ver-
gangenheit) des durch dessen „organisches Gedächtnis" (s. Mneme) wird
der zu etwas der Umwelt gegenüber relativ Selbständigen, mit besonderer
Einheit und Aktivität Begabten, um so mehr, je höher der entwickelt ist
(besonders durch sein zentralisiertes Nervensystem). Der ist demnach von
den welche ja künstliche Gebilde sind, unterschieden. Von „außen"
gesehen, mit den Denkmitteln der äußeren, sinnlich vermittelten Erfahrung be-
trachtet, ist der ein „Gefüge" materieller Elemente und ein Zusammenhang
von Prozessen, deren Ablaufsweise zwar eine organisch-spezifische
hat, also nicht auf abstrakte Gesetze der Mechanik zurückführbar ist,
die aber doch sich immer genauer in physikalisch-chemische Vorgänge zerlegen
lassen. Vom Standpunkte der innern (unmittelbaren) Erfahrung und der ihr
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften