Page - 470 - in Handwörterbuch der Philosophie
Image of the Page - 470 -
Text of the Page - 470 -
470 Panentheismus — Panpsychismus.
Panentheismus All; kv fieq5, in Gott); All in
wonach die in Gott beschlossen ist, ihm immanent ist, von ihm
schlossen wird. Gott (s. d.) ist hiernach die geistig-persönlich gedachte oberste
Einheit, innerhalb deren die als Mannigfaltigkeit relativ selbständiger Ein-
heiten Bestand hat und zugleich das göttliche Wirken zum Ausdruck bringt.
Den P. lehren PLOTIN (Ennead. VI, 6, 7), AUGUSTINUS igitur
sunt in ipso", Soliloqu. 1, 3, 4), JOH. SCOTUS ERIUGENA (De divisione naturae
III, 1), Meister ECKHART („Got hat dinc in selber, und üzer Got
enist niht"), NICOLAUS CUSANUS, MALEBRANCHE, nach welchem Gott (s. d.)
der „Ort der Geister" ist und alle Dinge durch ihre Ideen (s. d.) Gott sind
(Recherche de la II, 5), LESSING (Über die Wirklichkeit der Dinge
außer Gott, 1763), CHR. KRAUSE (von ihm der Ausdruck; Alles ist in Gott,
Gott offenbart sich in der „Alles ist und lebt in, mit und durch Gott."
„Die ist nicht außer Gott, denn er ist alles, was ist." Vgl. Vorlesungen
über d. System, 1828, S. 254 ff.), M. CARRIERE, J. H. FICHTE, LOTZE, FORTLAGE,
PFLEIDERER, FECHNER, WUNDT (System d. Philos.8, 1907), BOSTRÖM,
EUCKEN, nach welchem die Gottheit „absolutes, zugleich weltüberlegenes und
in der wirksames Geistesleben" ist, u. a. VgL Gott.
Panlogismus (näv, alles; Vernunft) heißt die Lehre, daß das ab-
solute Wesen des Seienden Vernunft, vernünftig, logisch, Idee (s. d.), ein Pro-
zeß logischer Entwicklung (s. Dialektik) ist. Die Dinge und Vorgänge in der
sind hiernach Momente einer Selbstentfaltung des Logischen,
mäßigen und als Stufe in dieser Entfaltung ist „alles Wirkliche vernünftig",
auch wenn es in seiner abstrakten Isolierung unvernünftig erscheint oder nur
als Übergang Wert hat. Es besteht in der ein einheitlich-vernünftiger
Zusammenhang, den die Wissenschaft aufweisen will (vgl. G. LASSON in seiner
Einleitung zu Hegels Enzyklopädie, 2. A. 1905). Den P. hat systematisch
HEGEL begründet (vgl. Idee, Vernunft, Dialektik, Begriff). VgL Logismus.
Panpsychismus (näv, All; Seele): Allbeseelungslehre, heißt die
Ansicht, daß allen Dingen Beseeltheit, seelisches Leben in irgendwelcher Form
und Intensität (Empfindung, Gefühl, Streben) zukommt, daß es nichts absolut
„Totes", Seelenloses, Empfindungsloses gibt, daß die Dinge ein „Innensein"
oder „Fürsichsein" haben, daß sie in ihren Reaktionen gegeneinander (bei
„Reizung") etwas „verspüren" und eben auf die innerlich verspürten Reize
strebend reagieren. Während der dogmatisch-unkritische, naive P. den Dingen
menschenartige Seelen zuschreibt und diese auf das Physische direkt einwirken
läßt, betont der kritische P. 1. den Unterschied des metaphysisch an-
zunehmenden „Innenseins" der Dinge von der einheitlich-zentralisierten Be-
wußtheit einer seelischen Organisation („Seele" und „Bewußtsein" im engeren
Sinne); 2. ferner den Unterschied von aktuellem und potentiellem,
freiem und gebundenem, „mechanisiertem" oder stabilisiertem 3. die
rein äußerlichen oder künstlichen, ideellen Komplexen ein
besonderes Bewußtsein zuzuschreiben (also etwa einem Stein, einem Atom);
4. die Geschlossenheit der Naturkausalität, welche das Psychische niemals als
„Ursache" in das Physische eingreifen lassen kann, wohl aber gestattet, physische
Vorgänge als Erscheinung, Ausdruck psychischer (oder „psychoidischer")
aufzufassen. Der kritisch-idealistische P., für den die materielle die Er-
scheinung oder „Objektivation" eines (relativen) „An sich" ist, das unserem
back to the
book Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften