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Handwörterbuch der Philosophie
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Page - 484 - in Handwörterbuch der Philosophie

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484 Pflicht. Pfeil , fliegender. Nach ZENON von der die Nichtrealität der Be- wegung (s. d.) dartun will, ruht der fliegende Pfeil, da er im kleinsten Zeitteil nur an einem einzigen Ort sich befinde, die ganze Zeit aber aus solchen Momenten des Ruhens bestehe, wogegen schon ARISTOTELES die Stetigkeit der Zeit einwendet (Phys. VI 9, 239 b 8; 30). Pflanzenseele ist das von vielen angenommene der Pflanzen, das als eine Art dumpfen Empfindens und Strebens mit weitgehen- der „Mechanisierung" (s. d.), also noch ohne Vorstellungen, Urteile usw. zu denken ist. Die „Tropismen" (s. d.) sind wohl psychophysischer Natur, je nachdem sie vom Standpunkt der äußeren oder dem der innern Erfahrungs- weise aufgefaßt werden. Ein P. gibt es nach ARISTOTELES (S. Seele), LEIBNIZ (S. Monade), NET, FECHNER (Nanna, 1848), welcher betont, daß das Psychische nicht an ein eigentliches Nervensystem gebunden ist, ED. V. HARTMANN, WUNDT (System d. Philos. II2, 1907, 185), B. ERDMANN, DELPINO, VIGNOLI, PAULY, A. U. a., besonders R. FRANCE, nach welchem die Pflanze schon ein Subjektivitätsgefühl, einfache Assoziationen, Urteile und Gedächtnis besitzt (Das Leben der Pflanze, 1905 ff.; Das Sinnenleben der Pflanzen, 1905). Über organisches Gedächtnis bei den Pflanzen vgl. PFEFFER, SACHS, SCHIMPER, F. DARWIN, SEMON U. a., über Tropismen CH. DARWIN, NOLL, PFEFFER, HABERLANDT (Das Sinnesleben im Pflanzenreich, 1901) u. a. Vgl. LEISERING, Studien zu Fechners Metaphysik der Pflanzenseele, 1907. Pflicht officium, Obliegenheit) ist dasjenige Verhalten, das von uns — durch Recht oder Sittlichkeit — gefordert wird und zu dem wir uns verbunden fühlen (Pflichtgefühl, Pflichtbewußtsein), bzw. die Verbindlichkeit als solche (abstrakt genommen). Etwas ist unsere Pflicht heißt: wir sollen es tun (oder unterlassen), sind moralisch genötigt, uns so zu verhalten, wie es die Norm verlangt. Der Inhalt der sittlichen Pflichten im Einzelnen ist historisch bedingt und unterliegt einer Entwicklung, wobei aber ein Grundstock von Pflichten bestehen bleibt. Die Pflicht überhaupt aber wurzelt im Wesen des sittlich-sozialen und individuellen Vernunftwillens, ist durch diesen „aprio- risch" gesetzt, als Bedingung des Gemeinschaftslebens überhaupt und der menschlich-vernünftigen Betätigung und Entwicklung (vgl. Sittlichkeit). Die Pflicht vereinigt, wo sie anerkannt wird, Notwendigkeit und Freiheit: sie bedeutet eine Autonomie (s. d.) und Selbstbindung der sich als Glied des Gesamtgeistes und des von ihm zu schaffenden „Reiches der Zwecke" fühlenden Persönlichkeit. Es gibt auch Pflichten gegen sich selbst. Der Begriff der P. wird zuerst von den aus- gebildet. Pflicht ist das natur- und vernunftgemäße voll- kommene Pflichten heißen es sind die Tugendpflichten (xd xax Stobaeus, Ecloga II, 158 f.; Diogen. Laert. VII, 107 CICERO, De I, 3, 8; VII, 14 Das Christentum faßt die sitt- lichen Pflichten als göttliche Gebote auf. — Nach KANT ist P. die „objektive Notwendigkeit einer Handlung aus Verbindlichkeit", „diejenige Handlung, zu welcher jemand verbunden ist" (Grdleg. zur Metaphys. der Sitten, 2. Abschn.; Metaphys. der Sitten I: Rechtslehre, Einleit.). P. ist, ethisch, die Notwendig- keit einer Handlung aus Achtung fürs Gesetz, auch ohne und gegen alle Neigung (s. Rigorismus). „Pflichtmäßig" und „aus Pflicht" sind unter-
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Handwörterbuch der Philosophie
Title
Handwörterbuch der Philosophie
Author
Rudolf Eisler
Publisher
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Location
Berlin
Date
1913
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
Size
12.7 x 21.4 cm
Pages
807
Keywords
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Category
Geisteswissenschaften
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