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Mythus, in der Religion) Gewonnene geht SCHELLINGS (spätere) „positive
Philosophie" (vgl. WW. I 10, 125 f.). Vgl. Urteil.
Positivismus („positive Philosophie", A. COMTE): „Gegebenheitsstand-
punkt", eine Richtung der Philosophie, welche alle Metaphysik verwirft, vom
Positiven, Gegebenen, Tatsächlichen, Empirischen ausgeht und beim Erfahr-
baren, bei dem durch äußere und innere Wahrnehmung Gegebenen verbleibt,
meist ohne zu Annahmen von nicht erfahrbaren, übersinnlichen, „transzendenten"
(s. d.) Faktoren, Substanzen, Kräften, Ursachen zu greifen. Der P. geht nicht
hinter die Erscheinungen zurück, er hält das diesen zugrundeliegende Sein für
unerkennbar P.) oder bestreitet ein Sein außerhalb der Er-
scheinungen selbst (der „Erlebnisse", „Empfindungen") überhaupt (Idea-
listischer P., extremer Der sensualistische (s. d.) P. leitet
das gesamte Erkennen aus der Wahrnehmung ab und beschränkt das
Denken auf ein Ordnen und Verbinden von Wahrnehmungsinhalten in Be-
griffen, die nur den Zweck haben, Denkarbeit zu ersparen (s. Ökonomie). Es
gibt keine verborgenen Substanzen und Ursachen, sondern nur „funktionale
Abhängigkeiten" der Erscheinungen voneinander, relativ konstante Relationen
dieser (s. Gesetz, Beschreibung). Daß die objektive Realität oder Wirklichkeit (s.d.),
die objektiver Tatsachen (s. d.) nicht „gegeben", sondern durch denkende
Verarbeitung des Erfahrungsmaterials erst methodisch gewonnen wird, mittelst
„Kategorien" (s. d.), die nicht selbst aus der Erfahrung stammen, sondern Be-
dingungen Erfahrungszusammenhänge sind, verkennt
der Positivismus oft. Das Denken muß die Erfahrung ergänzen, ihre Lücken
ausfüllen, sie seiner ureigenen (apriorischen) und Einheit unter-
werfen, um objektive Erkenntnis (s. d.) zu gewinnen. Ein gewisser „posi-
tivistischer" Zug in der exakten, quantitativen Naturwissenschaft bedeutet aber
einen Fortschritt, indem die positive die Wirklichkeit zweck-
mäßig so behandelt, als ob sie nur aus äußeren Relationen
Erfahrungsobjekte bestände und das qualitative „Innensein" der Dinge der
Metaphysik überläßt.
Nach E. LAAS ist schon der Sophist PROTAGORAS als „Positivist" anzu-
sehen (s. Relativismus). Bei BERKELEY und HUME jedenfalls wird ein großer
zum P. gemacht; HUME lehnt die Forschung nach letzten, verborgenen
Ursachen ab (vgl. Kausalität). Daß wir nur die Relationen der Phänomene,
nicht deren Ursachen erkennen, betonen d'ALEMBERT de philos.,
1759; Oeuvres, 1805), nach welchem die Erkenntnis der Natur von
mythologischen zu abstrakt-metaphysischen und dann zu quantitativ-exakten
Erklärungen fortschreitet (Oeuvres, u. a. Positivistisch ist die Philo-
sophie L. FEUERBACHS, L. E. DÜHRINGS („Wirklichkeitsphilosophie"),
TH. ZIEGLERS, C. GÖRINGS, F. JODLS, RATZENHOFERS, W. STERNS (S. Ethik),
R. GOLDSCHEIDS, A. REYS U. a., von H. SPENCER, LEWES, P. CARUS,
ARDIGC, MASARYK, E. DE ROBERTY („Hyperpositivismus"), MÜLLER-LYER
u. a. „Positivistisch" denken teilweise DILTHEY, RIEHL U. a. Der P. dieser
Philosophen ist ein realistischer.
Als System begründet den P. der von ST. SIMON beeinflußte A.
Nach ihm hat die positive Wissenschaft alles Metaphysische zu eliminieren,
nicht unbekannte „Ursachen" zu suchen, sondern die regelmäßigen, gesetz-
mäßigen Relationen (Zusammenhänge, Abfolgen) der Phänomene selbst zu er-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften