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Possibilität — Postulat. 501
forschen („relations constantes de succession ou de similitude", Cours de philos.
positive I, 5 ff.). Die Wissenschaft hat praktische Zwecke (vgl. schon BACON),
sie will den Lauf des Geschehens voraussehen, um ihn zu beherrschen („voir
pour prevoir"). Es gibt drei Stadien der Wissenschaft des trois
1. das theologische, wo alles aus dämonisch-göttlichen Willenskräften erklärt
wird, 2. das metaphysische, wo man aus abstrakten Wesenheiten, Agenzien er-
klärt, 3. das positive. Die „Hierarchie der Wissenschaften" ergibt sich nach
dem Grade der Kompliziertheit und abnehmenden Allgemeinheit der Relationen
(Mathematik, Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Soziologie). Auf der Bio-
logie (und der zu ihr gehörenden Psychologie) fußt die wichtigste Wissenschaft,
die Soziologie (s. d.). Die Ethik COMTES ist altruistisch und betont die Idee
der Humanität (s. d.). Auch eine eigene (Menschheits-) Religion (s. d.) stellt
C. auf (vgl. Cours de philos. positive, 6 Bde., zum Teil deutsch
Discours sur l'esprit 1844; Catechisme positiviste, 1852, u. a.; J.
Comtes posit. Philos., f.). Von C. beeinflußt sind P. LAFITTE, E. LITTRE,
H. MOLENAAR U. a.
Idealistische, bzw. rein phänomenalistische Positivisten sind J. ST. MILL,
H. CORNELIUS, E. MACH, KLEINPETER, VERWORN, ZIEHEN, VAIHINGER (S.
Fiktion) u. a. Hier sind anzugliedern R. AVENARIUS, J. PETZOLDT U. a. (s.
Objekt, Empfindung, Ding, Substanz). — Positivist ist auch E. LAAS, der die
Philosophie auf das Gegebene, Wahrnehmbare verweist, die Korrelation von Ob-
jekt und Subjekt und die Relativität aller Erkenntnis („Heraussonderung
des objektiv Zusammengehörigen aus dem subjektiv Zusammengesetzten") lehrt
(Idealismus u. Positivismus, 1879—84). — Vgl. G. E. SCHNEIDER, Einleit. in die
positive Philos., 1880; TAINE, De 1870; E. DÜHRING, Wirklich-
keitsphilos., 1895; Positive Ethik, 1901; Der positive Monismus,
1899; E. MACH, Beiträge zur Analyse der Empfindungen5, 1906; PETZOLDT,
Das Weltproblem2, 1912; Die Ethik des P. in Italien, 1910; RIEHL,
Zur in die Philos. der Gegenwart2, 1904; KÜLPE, Die Philos. der
Gegenwart in Deutschland4, 1908 (Kritik des Positivismus); MILHAULD, Le
posit. et les de l'esprit, 1902; L. WEBER, Vers le posit. absolu par
l'idealisme, 1903; The Positivist Review, 1893 ff. — Vgl. Relativismus, Empi-
riokritizismus, Agnostizismus, Pragmatismus, Wissenschaft.
Possibilität (possibilitas): Möglichkeit.
Post ergo propter hoc: Fehlschluß, der das bloße zeitliche Nach-
einander von Geschehnissen ohne weiteres als kausales „Durch einander" deutet
(vgl. Kausalität).
s. Hypnose.
Postulat (postulatum, Forderung, Heischesatz. 1. In der
Mathematik: der „praktische Satz, der nichts als die Synthesis enthält,
wodurch wir einen Gegenstand uns zuerst geben und dessen Begriff
erzeugen" (KANT, Krit. der reinen Vernunft, S. 216 f.; s. Kon-
struktion). In diesem Sinne spricht zuerst der Mathematiker EUKLEIDES
(Euklid) von Postulaten. 2. Logisch-methodologisch ein a) als gültig Anzu-
erkennendes, eine anzuerkennende, durch das Denken gesetzte Bestimmt-
heit; b) Satz, der als gültig aufgestellt wird, ohne (formal-logisch) bewiesen
oder beweisbar zu sein, der aber eine notwendige, zweckmäßige Vor-
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften