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Potenz — Präformation. 503
Potenz (potentia): Möglichkeit (s. d.), Vermögen (s. d.), Kraft (s. d.).
— SCHELLING versteht unter „Potenzen" die Seinsstufen des „Absoluten", be-
stimmte Verhältnisse des Objektiven und Subjektiven, Realen und Ideellen.
Die drei Naturpotenzen sind: Schwere (A), Licht (A2), Organismus (A8). Vgl.
WW. I 4; I 6; I 10.
Prädestination (praedestinatio): Vorherbestimmung des Menschen
zur Seligkeit oder zur Verdammnis (AUGUSTINUS, GOTTSCHALK, CALVIN U. a.).
Prädeterminismus heißt die Lehre, daß alles, was geschieht, voraus-
bestimmt ist, auch das (psychologisch-ethisch) „freie" Wollen und Handeln
ANSELM, die CALVIN U. a.). Vgl. Willens-
freiheit, Determinismus.
Prädikabilien (praedicabilia, 1. = die praedi-
candi": Gattung, Art, Unterschied, Eigenheit Akzidenz
THEOPHRAST, PORPHYR, Isagoge; vgl. Allgemein); 2. die „P. des reinen Ver-
standes", d. h. die „reinen, aber abgeleiteten Verstandesbegriffe", die aus der
Zusammensetzung der „Kategorien" (s. d.) entspringen (Kraft, Tätigkeit usw.;
KANT, Krit. d. rein. Vernunft, S. 97).
Prädikamente (praedicamenta) Kategorien (s. d.). Postprädika-
(xd xdg sind die von ARISTOTELES den Kategorien hinzu-
gefügten Begriffe (vgl. Categor., 10 ff.: opposita, prius, habere).
Prädikat (praedicatum, Aussage, Satzaussage; der Begriff
im Urteil (s. d.), durch den Subjekt unter einem gewissen Gesichtspunkt
bestimmt wird, dem es zugeordnet, zu dem es in Beziehung gesetzt wird. Vgl.
MARTY, f. wissensch. Philos., 18. Bd.; Untersuchungen
zur Sprachphilos. u. Grammatik I, SIGWART, Logik 25 ff.; 4. A.
H. MAIER, Psychol. des emotionalen Denkens, 1908, S. 163; STÖHR, Leitfaden
der Logik, 1905, S. 65 f.; BRADLEY, Principles of Logic, 1883 (vgl. Urteil);
E. LASK, Die Lehre vom Urteil, 1912 (Das P. des Urteils ist eine der Kate-
gorien); E. J. HAMILTON, Erkennen u. Schließen, 1912. Vgl. Negation, Satz,
Subjektlose Sätze.
Präexistenz (praeexistentia): Existenz der Seele des Menschen schon
vor dem jetzigen Leben, sei es in Gott, sei es selbständig in einem anderen
Leibe (vgl. Seelenwanderung).
Eine P. lehren der Buddhismus, die Pythagoreer, EMPEDOKLES,
PLATON (Phaedo, 72 E ff.; Republ. 614; Phaedrus, ff.,
Timaeus, 41 D ff.; vgl. Anamnese), PHILO JUDAEUS, PLOTIN, NUME-
NEMESIUS, ORIGENES, die Kabbala, LEIBNIZ 72), BONNET
(Präex. des Organismus im Keim), SCHELLING, STEFFENS, J. H. FICHTE,
J. REYNAUD et terre, 1854), DU PREL U. a. VgL BRUCH, Die Lehre von
der P., 1859; F. LAUDOWICZ, Wesen u. Ursprung der Lehre von der P., 1898.
Vgl. Traduzianismus.
Präformation: Vorausbildung, Vorausgestaltung; insbesondere der
Teile und Glieder des Organismus schon im Keime
Ei: „Ovulisten"). So nach MALPIGHI, SPALLANZANI, LEEUWEN-
HOEK, A. v. HALLER, LEIBNIZ, BONNET U. a. Hingegen lehrt die Theorie der
(Hinzubildung) das allmähliche Werden der Teile des Organismus
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Handwörterbuch der Philosophie
- Title
- Handwörterbuch der Philosophie
- Author
- Rudolf Eisler
- Publisher
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Location
- Berlin
- Date
- 1913
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- Size
- 12.7 x 21.4 cm
- Pages
- 807
- Keywords
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Category
- Geisteswissenschaften